https://www.faz.net/-gyz-7s9y5

Vor Gericht : Der Fiskus als Nutznießer von Betrug?

  • -Aktualisiert am

Auch der New Yorker Kunsthändler Richard L.Feigen saß einer Beltracchi-Fälschung auf. Er hat ein Werk von Max Ernst vermittelt, den Schaden jedoch gleich nach Bekanntwerden des Skandals beglichen. Jetzt kämpft er um die Rückzahlung seiner Steuern.

          Es gehört zu den gewöhnlichen Risiken des Kunsthandels, dass ein Händler ein Bild verkauft, das sich später als eine Fälschung herausstellt. Mit dieser Begründung hat eine Finanzrichterin des Staates New York die Rückerstattung der Umsatzsteuer in Höhe von 215625 Dollar abgelehnt, die Richard L.Feigen, der alte Meister unter den Virtuosen der New Yorker Galeristenwelt, für den Verkauf eines in der rechten unteren Ecke mit Max Ernst signierten Gemäldes abgeführt hatte, das in Wahrheit aus der Werkstatt des Fälschers Wolfgang Beltracchi stammt.

          Stefan Koldehoff und Tobias Timm haben die Tatsachen in ihrem Buch über den Fall Beltracchi dargestellt. Über das angeblich aus dem Jahr 1926 stammende Gemälde mit dem Titel „La Forêt“, Variation eines Lieblingsthemas von Max Ernst, lag eine Expertise von Werner Spies vor, die dieser für Otto Schulte-Kellinghaus erstellt hatte, den Komplizen des Ehepaars Beltracchi. Ein Aufkleber auf der Rückseite des Bilds wies es als ein Stück aus dem Bestand des berühmten Galeristen Alfred Flechtheim aus. Feigen, der seit 1957 im Kunsthandel tätig ist und auf der Upper East Side von Manhattan eine legendäre Privatsammlung zusammengetragen hat, kaufte „La Forêt“ im September 2003 dem Pariser Galeristen Daniel Malingue zum Preis von 2,325Millionen Dollar ab. Als Provenienz gab Malingue nach Flechtheim den Kölner Privatsammler Werner Jägers an.

          Feigen kaufte das angebliche Bild von Max Ernst 2003 in Paris

          Vier Monate später, im Januar 2004, verkaufte Feigen das Bild mit einem Gewinn von 175000 Dollar einer Kundin, über die er die Journalisten lediglich wissen ließ, sie sei „eine der bedeutendsten Sammlerinnen der Vereinigten Staaten“. In den Akten des Steuerverfahrens steht nun ihr Name: Es handelt sich um Anna-Maria Kellen, die Witwe von Stephen M.Kellen und Tochter des Bankiers Hans Arnhold, deren Berliner Elternhaus heute der Sitz der American Academy ist. Auf Bitten von Werner Spies stellte Frau Kellen ihr Wald-Bild 2005 für die von Spies eingerichtete Max-Ernst-Retrospektive im Metropolitan Museum of Art zur Verfügung.

          Am 23.Dezember 2010 wurde Feigen von Malingue per E-Mail über den Fälschungsverdacht unterrichtet. Vier Monate vorher, am 27.August 2010 (nicht im Oktober, wie es irrtümlich im Gerichtsbeschluss heißt), waren die Eheleute Beltracchi in Freiburg verhaftet worden. Im Februar 2011 traten die Ermittler der Abteilung Kunstdelikte des Berliner Landeskriminalamts mit Feigen in Verbindung. Er ließ das Gemälde von der Firma Orion Analytical untersuchen, die auch in der Affäre um die von der Galerie Knoedler verkauften falschen Abstrakten Expressionisten die entscheidenden Analysen vorgenommen hat. Als das Gutachten vorlag, verlangte Feigen von Malingue am 14.März 2011 die Rückabwicklung des Geschäfts. Malingue überwies ihm am 27.Mai die 2,325 Millionen Dollar, am 20.Juni zahlte Feigen Frau Kellen 2,5 Millionen Dollar zuzüglich der Umsatzsteuer von 8,625 Prozent zurück. Einen Tag später reichte er den Antrag auf Erstattung der Steuer ein.

          Topmeldungen

          Mutmaßliche Angriffe im Golf : Tanker, Lügen – und Videofilme

          Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle im Golf von Oman. Ironischerweise gewinnt in der gegenwärtigen Krise Amerikas Position gegenüber Iran an Glaubwürdigkeit – gerade durch den Faktor Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.