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Vor Gericht : Da hört die Freundschaft auf

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Hat Larry Gagosian Preise manipuliert? Das behauptet sein ehemaliger Freund und Kunde Ronald Perelman. Jetzt haben sich beide vor Gericht wiedergesehen.

          Hat Larry Gagosian holländische Vorfahren? Im Januar 1826 sandte der britische Außenminister George Canning seinem Botschafter in den Niederlanden Instruktionen für Verhandlungen über ein Handelsabkommen. Sie waren gereimt und brachten die wirtschaftspolitischen Maximen der Holländer nationalcharakterologisch auf den Punkt: „In matters of commerce the fault of the Dutch / Is offering too little and asking too much.“ Denselben Vorwurf erhebt der Milliardär Ronald Perelman gegen den Kunsthändler Gagosian in einer vor dem Supreme Court des Staates New York anhängigen Klage. In zwei Tauschgeschäften, die der Sammler und der Händler im Jahr 2011 abwickelten, soll Gagosian zu wenig angeboten und zu viel verlangt haben: Die Kunstwerke, die in Perelmans Eigentum übergingen, ein Gemälde von Cy Twombly und eine Skulptur von Richard Serra, habe Gagosian zu hoch taxiert und umgekehrt die von ihm in Zahlung genommenen Stücke, darunter Arbeiten von Roy Lichtenstein, Willem de Kooning, Richard Prince und Damien Hirst, zu niedrig.

          Canning wies den Botschafter an, den Holländern zur Kompensation ihrer Verrechnungstricks grundsätzlich einen Aufschlag von zwanzig Prozent aufzuerlegen. Warum ließ sich Perelman auf Gagosians Schätzungen ein? Genauer gefragt: Warum meint er einen Anspruch auf nachträgliche gerichtliche Korrektur von Schätzpreisen zu haben, die das Ergebnis monatelanger Verhandlungen waren? Die Antwort des Klägers: Gagosian habe seine Stellung als mächtigster Kunsthändler der Welt ausgenutzt. Das Gericht hat die Klage am 31. Januar dieses Jahres in den meisten Punkten abgewiesen. So hatte Perelman geltend gemacht, Gagosian habe Treuepflichten verletzt, die sich durch jahrelange Zusammenarbeit beim Aufbau von Perelmans Sammlung akkumuliert hätten. Das Gericht stellte im Sinne des Beklagten fest, dass Perelman, der nach eigener Darstellung das Geschäft mit der Kunst professionell betreibe, immer Herr seiner Entschlüsse gewesen sei und Gagosian nicht als Treuhänder in Haftung nehmen könne.

          Allerdings wollte Richterin Barbara Kapnick nicht ausschließen, dass Gagosian einen betrügerischen Vorteil aus seinem überlegenen Wissen gezogen habe. In diesem Punkt ließ das Gericht die Beweiserhebung zu. Die Klägerseite hatte dokumentiert, dass Gagosian die von Perelman übernommenen Werke zu höheren Preisen als den vertraglich geschätzten anbot. Der Beklagte konterte: Er musste sie aber zu niedrigeren Preisen verkaufen. War damit die Klage nicht hinfällig? Bedenklich für Gagosian: Das Gericht gestattete Perelman, Beweise für den Verdacht zu sammeln, dass diese Preise manipuliert gewesen seien. Mächtige Mitspieler im großen Spiel mit der Gegenwartskunst haben deshalb in den vergangenen Wochen die Aufforderung erhalten, ihre Geschäftsbeziehungen zu Gagosian offenzulegen, darunter die Sammlerfamilie Mugrabi und die Auktionshäuser Sotheby’s und Phillips.

          Die Mugrabis haben bereits ausgesagt. Ronald Perelman und Larry Gagosian wurden beide von Anwälten der jeweiligen Gegenseite vernommen. Beiden steht noch eine Fortsetzung ihrer Vernehmung ins Haus. Über die Termine wird derzeit verhandelt. Zurückgenommen hat Perelman den Antrag, Jeff Koons über die Preisentwicklung einer seiner „Popeye“-Skulpturen zu befragen, die zwischen Gagosian und Perelman in unfertigem Zustand hin- und hergeschoben wurde.

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