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Streit ums Original : Freispruch in Paris 

Der Geschäftsmann Gary Snell hat in Italien Plastiken von Auguste Rodin kopiert und verkauft. Das Musée Rodin hat ihn deshalb verklagt. Nun wurde das Urteil in Frankreich gesprochen.

          Wo kein Original ist, kann es auch keinen Fälscher geben: In Frankreich war der amerikanische Geschäftsmann Gary Snell angeklagt worden, massenhaft Skulpturen von Rodin hergestellt und verkauft zu haben. „Libération“ nannte das Verfahren den „wichtigsten Fälscherprozess der letzten paar Jahrzehnte“ (F.A.Z. vom 4. Oktober). Auch der Täuschung war Snell angeklagt. Vor Gericht erklärte Snell, er habe nicht, wie behauptet, 1600, sondern lediglich 500 Exemplare hergestellt - nach Gipsen, deren Echtheit oder Herkunft niemand in Zweifel zieht. Und er verwahrte sich gegen den Vorwurf, seine Abgüsse seien von minderer Qualität - was ihm die Anklage ebenfalls vorwarf.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Das Pariser Musée Rodin trat als Zivilkläger auf. Es bezieht keine Subventionen und beansprucht ein Monopol auf die Vermarktung Rodins. In allen anderen Ländern ist das Urheberrecht erloschen. Seit dreizehn Jahren verfolgt das Museum Gary Snell und sein Unternehmen „Gruppo Mondiale“, das in Norditalien zu Hause ist. Vorher, erklärt Snell, habe man zusammengearbeitet. Dann ist es zum Bruch gekommen, und er wurde auf 68 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Snell geht es um sein Geschäft und darum, nicht als „Fälscher“ dargestellt zu werden. Er habe keine Skulpturen in Frankreich verkauft. Das französische Gericht hat ihm nun insofern recht gegeben, als es sich für nicht zuständig bezeichnete: Herstellung, Vertrieb und Verkauf erfolgten außer Landes. Gleichzeitig beschäftigten sich die Richter mit dem Begriff der Echtheit, den sie als „rein fiktiv“ bezeichnen: „Nur Skulpturen, die nach einem vom Künstler selbst hergestellten Gips und in begrenzter Auflage hergestellt werden, können als Originale bezeichnet werden.“ Das sind die Abgüsse von Snell gewiss nicht. Aber nach dieser Definition gibt es überhaupt keine echten Bronze-Skulpturen von Rodin. Es geht um ein blühendes Geschäft. Für Snell ist das Urteil ein Erfolg: keine Buße, kein Gefängnis, kein Schadenersatz. Für das Musée Rodin ist es eine Katastrophe. Es geht in Berufung.

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