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Der Rechtsstreit geht weiter : Klagen in Monaco und Paris

Der russische Milliardär Dimitri Rybolovlev und sein ehemaliger Kunstberater Yves Bouvier tragen ihren Zwist inzwischen auf der halben Welt aus - es geht um Betrug und Hehlerei im großen Stil.

          Um eine Milliarde Dollar soll der Genfer Yves Bouvier den russischen Oligarchen Dimitri Rybolovlev betrogen haben, für zwei Milliarden Dollar hat er ihm Kunstwerke verkauft. Bouvier ist Inhaber der Speditionsfirma Natural Le Coultre, „König des Genfer Zollfreilagers“ wird er genannt. Mit seinem Insiderwissen gelang es ihm offensichtlich, Rybolovlev, der ihn als Berater engagiert hatte, über den Tisch zu ziehen. Dessen Frau waren im Scheidungsprozess vom Gericht in Genf in erster Instanz vier Milliarden Dollar zugesprochen worden. Möglicherweise wollte Rybolovlev mit seiner im Eiltempo zusammengerafften Sammlung seine Vermögensverhältnisse verschleiern.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Zum Zerwürfnis kam es, weil Rybolovlev eine Zahlung von ein paar Dutzend Millionen nicht leisten wollte. Offensichtlich völlig ahnungslos reiste Bouvier im Frühjahr nach Monaco - es war eine Falle, er wurde vorübergehend festgenommen. Rybolovlev erreichte, dass an mehreren Orten in der Welt Bouviers Konten gesperrt wurden. Am Donnerstag dieser Woche kam es erneut zum Schlagabtausch im Fürstentum. Vor Gericht standen sich die renommiertesten Pariser Staranwälte unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegenüber. Für Bouvier waren es Francis Szpiner, der in fast allen Skandalen der Republik auftritt und Chirac verteidigte, und der langjährige Minister François Baroin. Sie wollen erreichen, dass die Klage gegen ihren Klienten für nichtig erklärt wird. Unter Anklage steht aber auch die Justiz, der vorgeworfen wird, dass sie sich von Rybolovlev instrumentalisieren ließ. Dessen Macht in Monaco, wo ihm auch der Fußballklub gehört, nimmt unheimliche Züge an und wird vielfach kritisch beschrieben. Das Urteil wird am 12. November verkündet.

          In Paris wurde Yves Bouvier soeben auch der Hehlerei angeklagt. Am 14. September wurde er von der Untersuchungsrichterin Isabelle Rich-Flament vernommen: sie hätte ihn im Fall des Nichterscheinens per Interpol zur Verhaftung ausgeschrieben. Es geht um zwei Picasso-Gemälde, die er Rybolovlev verkaufte: für 27 Millionen Euro - mit einem Mehrwert von siebzehn Millionen, wie Bouvier selbst angibt. Dass ihr die Bilder gestohlen worden seien, erklärt Catherine Hutin-Blay, die Tochter von Picassos Witwe Jacqueline Roque. Wind davon bekam sie, weil sie ein Restaurator informierte, den man beauftragt hatte, die Gemälde für einen Verkauf zu rahmen. Zuvor befanden sie sich in einem Depot. Bouvier gibt an, dass ihm die Werke von einem Trust in Liechtenstein verkauft worden seien, der Catherine Hutin-Blay gehöre. Doch die Klägerin verneint jeglichen Deal mit Bouvier.

          Bouviers Genfer Anwalt erklärt, dass er der Richterin den Namen des Kunsthändlers, über den die Transaktion erfolgte, mitgeteilt und die Unterlagen dazu ausgehändigt habe. Doch vor einer Anklage schreckte Isabelle Rich-Flament nicht zurück; bei der Kaution setzt sie Maßstäbe: 27 Millionen Euro kostet Bouvier die Freiheit, es ist der Preis, den ihm Rybolovlev für die Picassos bezahlte. Der tritt als Nebenkläger auf - und führte am Donnerstagnachmittag, während seine Anwälte in Monaco plädierten, im Namen seines Unternehmens Accent Delight International die gestohlenen Picassos selbst der Presse vor. Er übergibt sie vorerst der Polizei und dann der Erbin zurück: „Um zu verhindern“, lässt Rybolovlev verlauten, „dass künftig weitere Personen unter solchen unehrlichen Machenschaften im Kunstmarkt zu leiden haben.“

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