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Nachwuchs aus Zürich : Teures Studium für teure Kunst

  • -Aktualisiert am

Nur wenige öffentliche Studiengänge führen in den Kunstmarkt. Die Universität Zürich will diese Marktlücke nun schließen. Für den neuen Abschluss reicht es nicht aus zwei Jahre lang an zwei Tagen in der Woche anwesend zu sein. Geld braucht man auch.

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          Woher kommen all die Galeristen, Experten für Versicherungen oder Fälschungen, die Auktionatoren, Analysten und vielen anderen, die sich auf dem Kunstmarkt tummeln? Manche mögen Kunstgeschichte studiert haben. Das Fach selbst gilt nach wie vor als brotlos, die Stellen für promovierte Kunsthistoriker sind rar - ganz besonders in den Museen. Der Kunstmarkt indes bietet viele Arbeitsmöglichkeiten. Doch auf seine Jobs bereiten keine Studiengänge vor. Christie's und Sotheby's haben in der Not eigene Ausbildungsinstitute geschaffen: in New York, London, Singapur.

          Einzelne Versuche in Köln und Umgebung hatten keinen durchschlagenden Erfolg. Dass hier eine Marktlücke besteht, hat man zumindest an der Universität Zürich entdeckt. Sie ist gegenwärtig dabei, einen zweijährigen Lehrgang in Art Business zu entwickeln. Er soll mit einem "Master Executive" abgeschlossen werden. Für das Projekt sind Tristan Weddigen und Nicolas Galley zuständig. Weddigen ist Professor für Kunstgeschichte an der Uni Zürich, Galley unterrichtet in Fribourg.

          Ausbildungsziel: Einschätzen und Fälschungen erkennen

          Ihr Master-Programm ist auf die Beziehungen zwischen den Künstlern und den Händlern ausgerichtet und soll sehr praxisorientiert sein. Einen Schwerpunkt wird man bei den Netzwerken setzen, über die heute die Geschäfte vielfach laufen. Es wird Vorlesungen in Recht und Finanzwirtschaft geben - alle ausnahmslos in englischer Sprache, dem Idiom des globalen Kunstmarkts. Die Lehrveranstaltungen bleiben keineswegs auf die Hörsäle beschränkt, an den großen Kunstmessen wie Basel und Maastricht wird man Workshops durchführen.

          Die Studenten sollen lernen, wie man ein Stück einordnet und finanziell einschätzt. Und beibringen will man ihnen auch, wie mit einfachen Mitteln - und seien es chemische - Fälschungen sehr schnell erkannt werden können. Galley und Weddigen wünschen sich Kandidaten aus der Schweiz und aus allen Teilen der Welt. Sie denken an Kunsthistoriker, aber auch Bankleute oder Versicherungskräfte, die sich für den Handel mit Kunst interessieren.

          Kunstgeschichte gehört nicht zum Curriculum

          Warum nicht auch an Künstler, die ihre Selbstvermarktung lernen möchten? Jedenfalls soll man während der Ausbildung durchaus berufstätig sein können: Die Vorlesungen finden am Freitag und Samstag statt. Pro Jahrgang stehen nur dreißig Plätze zur Verfügung. Die Auswahl wird auf Grund eines vorzulegenden Dossiers und eines Gesprächs vorgenommen. Der erste Lehrgang für den "Master Executive in Art Market" beginnt im kommenden Herbst. Und was ist mit der Kunstgeschichte?

          Sie steht nicht auf dem Programm. Den Studenten soll eben beigebracht werden, wie es um die materielle Beschaffenheit der Kunst steht - in einem ganz spezifischen Sinn. Ihren Sinn für Zahlen können sie anhand der Studiengebühren erproben. Sie betragen 28.000 Franken - beim gegenwärtigen Wechselkurs also deutlich mehr als zwanzigtausend Euro.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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