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Marktbericht : Griechische Zustände in Österreich?

Österreichische Galerien leiden unter Umsatzverlusten bei einem „irren Wettbewerb“, und besonders die Preise für junge Künstler stehen unter Druck. Aufhören will deswegen aber niemand.

          Österreich ist eine der reichsten Volkswirtschaften in Europa. Das Land versteht sich als Kulturnation. Doch hat die jüngste globale Krise auch auf dem Kunstmarkt ihre Spuren hinterlassen. Während die Auktionshäuser über Rekordergebnisse jubeln, wie die Halbjahresbilanz auf der vorigen Seite zeigt, herrscht bei den Galeristen eine gewisse Tristesse. Zwar verdankt Österreich den ersten Platz in der Rangliste aus Maastricht („The International Art Market 2007 - 2009“) nur dem Alphabet - mit einem Anteil von 1,2 Prozent an den global erzielten Auktionsumsätzen fiele das Land sonst zurück. Jedoch schlug die kleine Volkswirtschaft mit im vergangenen Jahr in rund 620 Versteigerungen erwirtschafteten 153,2 Millionen Euro immerhin Länder wie die Schweiz, Belgien, Dänemark, Spanien, Holland, Schweden, aber auch Japan.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Der durchschnittliche Zuschlagspreis bei Kunstauktionen lag mit 8205 Euro über dem Schnitt in der Europäischen Union. Diese Leistung gründet zum einen in der charakteristischen Konstellation, wonach der Sekundärmarkt in Österreich hauptsächlich die Binnennachfrage bedient. Zum anderen dürfte die recht konstant - und 2009 stärker als zuletzt - nachgefragte Mittelware im vergangenen Jahr sogar das Zünglein an der Bilanzwaage gewesen sein.

          Ab fünfzehntausend Euro muss der Käufer sich ausweisen

          Otto Hans Ressler, Geschäftsführer des Wiener Auktionshauses Im Kinsky, hatte im Vorjahr größte Bedenken: „Wir haben ein Crash-Szenario entwickelt. Tatsächlich gab es mit einem Umsatzzuwachs von sieben Prozent auf zwanzig Millionen Euro das zweitbeste Ergebnis seit der Gründung vor sechzehn Jahren.“ Das Im Kinsky ist - neben dem Dorotheum natürlich - das wichtigste Kunst-Auktionshaus Österreichs. Das Gros der Verkäufe liegt dort in einer Preisklasse zwischen 5000 und 35.000 Euro. Dieses Segment beschreibt Ressler als erstklassig nachgefragt: „Kunst wird für einen sicheren Anker gehalten.“ Notverkäufe gebe es in Österreich nicht.

          Das Im Kinsky führt eine Datei mit 35.000 Kunden. Davon kaufen, den Angaben des Hauses zufolge, tausend regelmäßig zeitgenössische Kunst. Im Gegensatz zu anderen Fachleuten auf dem österreichischen Markt hält Ressler durchaus Schwarzgeld für ein Thema in dieser verschwiegenen Branche; er spricht von kulturbeflissenen Schwarzgeldbesitzern, „allerdings muss sich ein Käufer von einem Preis von 15.000 Euro an ausweisen.“ Das werde im Kunsthandel sonst eher leger genommen, hat Ressler beobachtet: „Hierzulande wird nicht ganz so heiß gegessen wie gekocht. Ein Problem, das uns griechische Zustände bescheren könnte.“

          Ein hartes Jahr

          Anders als das Auktionshaus spüren viele Galeristen die Auswirkungen der Krise. Ursula Krinzinger, Eigentümerin der gleichnamigen Galerie in Wien, berichtet von einem Umsatzknick von zwanzig Prozent: „Ich glaube, dass die junge Kunst am meisten verliert, weil Sammler auf Qualität und Karriere schauen. Jetzt denkt man bei den Jungen schon über ein paar hundert Euro nach.“ Fast drei Viertel des Umsatzes macht sie mit internationalen Kunden, nur ein Viertel mit österreichischen Käufern. Messen sind der Hauptumsatzbringer, doch auch dort merkt sie die Flaute: „Wir haben früher immer eine zweite und dritte Hängung mitgehabt. Das geht heute nicht mehr.“ Ihr Angebot bewegt sich in einer Preisklasse von 300 bis 100.000 Euro. Krinzinger ist überzeugt, dass die österreichischen Galeristen inzwischen über die Grenzen hinaus punkten: „Die Galerienlandschaft überrascht jeden, der hierherkommt.“

          Ungeachtet dieser verstärkten Impulse ist auch für Gabriele Senn, die Sprecherin des Österreichischen Galerieverbands, die Krise angekommen: „2010 ist ein richtig hartes Jahr. Man muss mehr arbeiten, damit es funktioniert. Man spürt, dass Leute an der Börse Geld verloren haben.“ Sie bietet Werke von tausend bis 150.000 Euro an; am mühsamsten zu verkaufen sei derzeit Kunst in der Kategorie zwischen 30.000 und 100.000 Euro.

          Mehr als hundert Galerien allein in Wien

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