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Le Nain auf dem Dachboden : Jetzt im Louvre

  • -Aktualisiert am

Ein Geschenk der Versicherung: Das Gemälde „Die Verleugnung Petri“ der Brüder Le Nain ist jetzt im Besitz des Louvre. Das ist der vorläufige Schlusspunkt einer bewegten Geschichte.

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          Vor etwas mehr als zehn Jahren schlummerte die „Verleugnung Petri“ der Brüder Le Nain noch unerkannt auf einem Dachboden im lothringischen Lunéville. Nun gehört das Gemälde in der Manier Caravaggios zu den jüngsten Erwerbungen des Louvre. Der Versicherungskonzern Axa brachte den Kaufpreis von 11,5 Millionen Euro auf; im Gegenzug kommt er in den Genuss einer Steuervergünstigung. Diese Bereicherung des Louvre verdankt sich nicht zuletzt dem Gespür, der Hartnäckigkeit, dem Geschick und dem Mut zum Risiko eines Pariser Händlers.

          Als die „Gazette de l'Hôtel Drouot“ Anfang März 2000 eine Reproduktion des als „lothringische Schule des 17. Jahrhunderts“ geführten Gemäldes veröffentlichte, pilgerten die Creme der Pariser Händler und die Kuratoren des Louvre nach Nancy, um es vor seiner Auktion am 19. März 2000 unter die Lupe zu nehmen. Die Herren des Louvre hielten sich bedeckt; das Gerücht kursierte, es handle sich um ein Werk von Georges de La Tour.

          Eine aufwendige Recherche

          Der Auktionator Nicolas Leroy, der das Bild auf dem Speicher einer alten lothringischen Familie entdeckt und die dicke Staubschicht entfernt hatte, rief es bei 100 000 Franc auf. Der Pariser Händler Charles Bailly erhielt den Zuschlag bei 8,3 Millionen Franc (umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro); er bot im Auftrag eines Amerikaners. Doch für diesen musste er belegen, dass das Bild tatsächlich die Investition wert war: Im postumen Haushaltsinventar des Kardinals Mazarin von 1661 wird ein Gemälde „auf Leinwand“ erwähnt, dessen Beschreibung und Maße mit der „Verleugnung Petri“ aus Nancy übereinstimmen, aber der Künstlername fehlt.

          Ein Dokument der „Académie Royale de Peinture et de Sculpture“ vom 4. März 1656 nennt ein Gemälde von „Petrus“ des „verstorbenen Monsieur Le Nain“, ein Geschenk der Akademie an Mazarin. Dank dieser Erwähnung konnte man das Gemälde mit ziemlicher Sicherheit den älteren Brüdern Le Nain, Louis und Antoine, oder einem von ihnen zuschreiben, die beide im Mai 1648 gestorben sind. Der von Bailly gestellte Antrag auf das Zertifikat zur freien Ausfuhr wurde vom Staat abgelehnt - und die „Veleugnung Petri“ der Brüder Le Nain zum „nationalen Kulturgut“ erklärt. Nach langen Verhandlungen konnte Bailly das Bild schließlich an Axa verkaufen.

          Das Gesetz über Firmensponsoring von 2002 bietet bis zu neunzig Prozent Steuererleichterung für die Finanzierung des Ankaufs eines „Trésor National“. Seit November 2002 sind so 27 Kulturschätze für knapp 94 Millionen Euro in Museumsbesitz gekommen. Vermutlich hat Bailly seinerseits mit der Familie in Lunéville eine Einigung getroffen, um seine Entdeckung nicht wieder abgeben zu müssen: wie es den Brüdern Pardo geschah, die Anfang der neunziger Jahre ein als „Werkstatt“ erworbenes Gemälde als Poussins „Flucht nach Ägypten“ identifizierten. So ist der Weg der „Verleugnung Petri“ vom Speicher ins Museum ein schönes Beispiel dafür, welche Rolle der Handel bei der Bereicherung der Museen spielen kann.

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