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Kunst und Recht : Sammler und Steuer

  • -Aktualisiert am

Ein Sammler, der nicht nur sammelt, sondern auch wieder verkauft, muss den Gewinn von einer bestimmten Höhe an versteuern. Wann aber wird ein Sammler vor dem Gesetz zum Händler?

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          Auch durch Krisen ist die Begeisterung des internationalen Kunstmarkts für erstklassige Werke im Hochpreissegment kaum getrübt, wie auch die jüngsten Londoner Auktionen wieder bewiesen haben. Dabei übersteigt die Nachfrage deutlich die Bereitschaft vieler Sammler, lange im Privatbesitz gehaltene oder gar noch frische Werke in den Markt zu geben. Auch wenn die Frage nach dem richtigen Veräußerungszeitpunkt weitaus höhere Bedeutung als steuerliche Erwägungen haben dürfte, sollten auch diese wohl bedacht werden.

          Gewinne aus dem Verkauf von Kunstobjekten aus dem Privatvermögen unterliegen in Deutschland nur dann einer Besteuerung, wenn ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegt: das heißt, wenn ein Verkauf innerhalb eines Jahres nach dem Erwerb erfolgt und der Gewinn daraus die Freigrenze von 600 Euro übersteigt. Wird diese Frist nicht abgewartet und wird die Freigrenze überschritten, muss der Veräußerungsgewinn bei der Einkommensteuererklärung deklariert werden.

          Dabei bedeutet die Freigrenze von 600 Euro, dass Gewinne einschließlich der Schwelle komplett steuerpflichtig sind: Verkauft der Privatier ein Gemälde mit einem Gewinn von 550 oder 650 Euro, ist der erste Fall steuerfrei (unter der Freigrenze), der zweite Fall aber unterliegt mit den vollen 650 Euro - und nicht nur mit fünfzig Euro - der individuellen Besteuerung. Wohl gemerkt, gilt die 600-Euro-Schwelle für alle privaten Veräußerungsgeschäfte - ob Kunst, Oldtimer oder Immobilie - in einem Kalenderjahr; sie werden addiert.

          Keine Faustregel bei Kunst

          Wie oft und in welchem Umfang darf ein Sammler also Teile seiner Sammlung veräußern und neue ankaufen? In Sammlerkreisen kursiert seit langem die Mär, dass eine bestimmte „Umschlaghäufigkeit“ einen Sammler zum gewerblichen Kunsthändler mache. So ist häufig von der „Drei-Objekt-Regel“ die Rede. Diese dient im Grundstückshandel als Richtschnur für die private Vermögensverwaltung und unterstellt eine gewerbliche Tätigkeit, wenn ein Grundstückseigentümer innerhalb von fünf Jahren mehr als drei „Objekte“ in zeitlicher Nähe zu deren Anschaffung, Herstellung oder grundlegender Modernisierung verkauft.

          Bei Kunstsammlungen hingegen kommen andere, stärker individuelle Kriterien in der Praxis der Finanzverwaltung zur Anwendung: So wird auf die Eigenheiten der jeweiligen Sammlung abgestellt, die zum Beispiel bei einer Sammlung Alter Meister andere sind als bei einer Kollektion afrikanischer Kunst. Allein die Tatsache, dass regelmäßig An- und Verkäufe getätigt werden, ist jedenfalls kein Kriterium für einen Gewerbebetrieb. Eine „Faustregel“ wie im Wertpapier- oder Immobilienhandel gibt es für den Kunstsammler eben nicht.

          Die Schweiz als ideales „Basislager“

          Den international agierenden Sammler, der häufig nicht (mehr) in Deutschland ansässig ist, treiben indes ganz andere Fragen um. Wer seine Sammlung häufig ausstellt oder Teile davon in Auktionen umschlägt oder in den Handel gibt, dem dürfte sich vor allem die Frage nach dem optimalen Standort stellen. Dieser Standort muss nicht notwendig der eigene Wohnsitz sein. In vielen Fällen hat sich die Schweiz als ideales „Basislager“ erwiesen.

          Die Vorteile liegen natürlich nicht nur im Know-how, das der Schweizer Kunsthandel und ihm angeschlossene Dienstleister anbieten, dazu zählen Fachspeditionen ebenso wie Speziallager zum Beispiel für Fotokunst. Auch die niedrige Mehrwertsteuer von 7,6 Prozent, das fehlende Folgerecht und die Möglichkeit, Kunstwerke abgabenfrei in Zollfreilagern zwischenzulagern, sprechen für die Schweiz - dies ganz unabhängig davon, in welchem Land der Sammler selbst steuerlich veranlagt ist.

          Abgabefreiheit und hohe Sicherheitsstandards

          In jüngster Zeit versucht auch Singapur zunehmend, sich als Standort für internationale Kunstsammlungen zu etablieren. Die Eröffnung des „Christie's Fine Art Storage Service“ (CFASS) im FreePort, dem einzigen Zollfreilager Asiens, in der Nähe des Changi International Airport in diesem Mai ist dafür das deutlichste Zeichen.

          Das Speziallager bietet neben dem Vorteil der völligen Abgabenfreiheit auch die Gewähr für höchste Sicherheitsstandards und eine sachgerechte Lagerung. Angeblich sollen bereits zehn bis fünfzehn Prozent der Anfragen, die bei CFASS eingehen, von europäischen Sammlern stammen. Wie allerdings das Beispiel Schweiz zeigt, müssen über die Jahre viele Faktoren zusammenkommen, damit sich ein Land zum echten Kunststandort entwickelt. Steuerfreiheit allein reicht dafür nicht aus.

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