https://www.faz.net/-gyz-wetz

Kunst in Not : Kampf den Dieben in Paris

  • -Aktualisiert am

Zwei Gefahren drohen derzeit französischen Kulturgütern: Diebstahl und Vandalimus. Bessere Sicherungskonzepte und härtere Strafen für die Täter sollen den Schutz in Zukunft verbessern. Ob so der unheilvollen Entwicklung Einhalt geboten werden kann?

          Eine Reihe von spektakulären Kunstdiebstählen und -beschädigungen hat die französischen Behörden veranlasst, die Sicherheitsmaßnahmen in Museen und Kulturdenkmälern zu verstärken und die Gesetzgebung zu verschärfen. Im August 2007 haben vier oder fünf bewaffnete Männer bei einem Überfall auf das Musée des Beaux-Arts in Nizza vier Gemälde entwendet; einen Monat später fiel in der Kathedrale von Perpignan ein liturgischer Schatz einem Diebstahl zum Opfer, und schließlich drang im Oktober eine Gruppe Jugendlicher nachts in das Musée d'Orsay ein und fügte Monets „Pont d'Argenteuil“ durch einen Faustschlag einen zehn Zentimeter langen Riss zu.

          In Frankreich werden allein in Kirchen jährlich mehr als zweihundert Diebstahlsdelikte gezählt. Die Kulturministerin Christine Albanel, die Justizministerin Rachida Dati, das Innenministerium und das Zentralamt für die Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgütern der französischen Polizei haben jetzt Maßnahmen ausgearbeitet, die diesen Zuständen effizienter begegnen sollen. Albanel kündigte an, dass von nun an bei allen staatlichen Subventionen für Museen und Denkmäler die Kosten für die Sicherung der Gebäude miteinkalkuliert werde: Allein das Kulturministerium wird sofort fünfundzwanzig bis dreißig Millionen Euro beisteuern. Seit 1905 gehören die 86 Kathedralen in Frankreich zu den staatlichen Baudenkmälern; wie in Tours und Lyon schon geschehen, sollen sie künftig durch ein Alarmsystem mit der nächsten Polizeiwache verbunden werden.

          Härtere Strafen in Planung

          Die Justizministerin wird dem Parlament im Frühjahr einen Gesetzentwurf zu verschärfter Bestrafung vorlegen: Für Diebstähle in Museen und Kirchen werden eine Haftstrafe von sieben bis zehn Jahren (statt bisher drei Jahren) und eine Geldstrafe von 100.000 bis 150.000 Euro (statt bisher 45.000) vorgesehen. Neu ist auch ein Bußgeld in Höhe von 1500 Euro für das Eindringen in Kulturdenkmäler, das bislang keiner Strafe unterstand. Albanel will den Vorsitz der Europäischen Union von Juli 2008 an dafür nutzen, auf eine Harmonisierung der Gesetzgebung hinzuwirken.

          Der Umstand, dass Hehlerei in Belgien nach nur drei Jahren verjährt, hat dieses Land zum internationalen Umschlagplatz oftmals in Frankreich gestohlenen Kulturguts gemacht. Der französische Kunsthandel, der sich kürzlich durch seinen Einsatz für die Rückgabe eines gestohlenen Altarfragments an die Kirche von Vétheuil auszeichnete, soll einen direkten Zugang zur Datenbank gestohlenen Kulturguts der französischen Polizei bekommen, um seine Sorgfaltspflicht bei der Prüfung der Herkunft von Kunstobjekten besser erfüllen zu können.

          Weitere Themen

          Erzählen Sie lieber was vom Pferd!

          TV-Kritik: „Sommerinterview“ : Erzählen Sie lieber was vom Pferd!

          In der ARD darf Dietmar Bartsch die Linke groß reden, im ZDF versucht Shakuntala Banerjee, die FDP kleiner zu halten, als sie ist. Besser wäre es, über das Format der Sommerinterviews neu nachzudenken: Oberflächliche Dampfplauderei ist entbehrlich.

          Blumenmeer im Brüsseler Rathaus Video-Seite öffnen

          Internationale Flower-Show : Blumenmeer im Brüsseler Rathaus

          Alle zwei Jahre verschönern rund 30 internationale Floristen das gotische Gebäude mit opulenten Blumenkreationen. Sie dekorieren 13 historische Räume vom Boden bis zur Decke mit mehr als 100.000 Blumen.

          Der verschwundene SS-General

          „Hitlers Geheimwaffenchef“ : Der verschwundene SS-General

          Hans Kammler gehörte zur engeren Führung des NS-Regimes. Er war mitverantwortlich für den Holocaust. Im Mai 1945 soll er Suizid begangen haben. Doch daran gibt es große Zweifel, wie das ZDF zeigt.

          Topmeldungen

          Was sollte eine Wurst kosten?

          Agrarlobby : Was kostet die Wurst?

          Tiere leiden, der Planet auch. Dabei wäre das leicht zu ändern. Ganz ohne Fleischsteuer. Die meisten deutschen Fleischesser sind hier längst weiter als die Bauern und ihre Bundesministerin.
          Unser Sprinter-Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Sprinter : Eiserner Vorhang, sterbender Gletscher

          Vor 30 Jahren bekam der Eiserne Vorhang in Ungarn erste Risse. Wo der Kampf für die Freiheit auch heute noch ein brandaktuelles Thema ist und warum mit dem Gletscher Ok gar nichts okay ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.