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Kommentar : Diese Frucht ist faul

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Deutliche Kritik einer Reihe von Galerien an der Messeleitung der Art Cologne wirft einen Schatten auf die Kölnische Kunstwelt. Der Preis für die gebotene Leistung ist den namenhaften Ausstellern zu hoch.

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          Die Ankündigung, nicht an der nächsten Art Cologne im Frühjahr 2008 teilzunehmen, sondern lediglich auf der Sonderschau „Open Space“ in den Kölner Messehallen präsent zu sein, verhagelte der Kölnmesse die Vernissage der Cologne Fine Art nachhaltig: In einem offenen Brief prangerten Kölner Galeristen von Weltrang - darunter Gisela Capitain, Monika Sprüth, Christian Nagel, Daniel Buchholz, Jörg Johnen, Linn Lühn und BQ - einen „Niedergang“ der Art Cologne an und konstatierten, dass seit „April 2007 keine Anstrengungen für eine verbesserte Art Cologne“ unternommen worden seien. Es fehle an schlüssigen Konzepten, einer klaren Positionierung „in einem dynamischen Kunst- und Messemarkt“, in dem „nur bedauernde Ablehnung“ ernte, wer Kollegen zur Teilnahme in Köln auffordere. Die Messeleitung habe ihr Kerngeschäft vernachlässigt und „Energien und Zeit mit dieser fragwürdigen Veranstaltung“ Art Cologne Palma de Mallorca verschwendet.

          Zur ersten Vernissage im Herbstnebel fühlen sich nun die Aussteller der Cologne Fine Art von den Kölnern verraten, doch ist man in den Messehallen gleichfalls nicht gut auf die Messeleitung zu sprechen: Statt in modernen Tageslichthallen sitzt man - wie die Art Cologne - im marmorverkachelten Mittelbau, wo eine Drehtür das Entree ersetzt und man über Rolltreppen einschwebt, unter denen zur Vernissage der Aufbau der Parallel-Messe, der Exponatec, dröhnte. Kataloge wurden zu spät gedruckt, VIP-Eintrittskarten sollte es nur gegen Preisgabe der kostbaren Namenslisten geben. So ist es ein offenes Geheimnis, dass sich nicht wenige bei der letzten Versammlung des Rheinischen Kunsthändlerverbandes im September fragten, ob man eigentlich mit dieser Veranstaltung untergehen wolle.

          Begrenzter Service für Galeristen

          Die Vorwürfe von Galeristen und Kunsthändlern gleichen sich fatal: Die Messeleitung vernachlässige ihr Geschäft, indem sie moderiere und abwiegele anstatt, wie andernorts, in Maastricht, London oder Basel, nach der Erfolgsformel „jede Konzession, keine Kompromisse“ die Aussteller als Kunden zu umwerben, die hohe Standmieten für erstklassiges Ambiente zahlen. Alternativen gibt es genug: Die Rheinischen Kunsthändler überlegen, „klein, aber fein“ und auf eigene Faust in den Gürzenich umzuziehen. Den angestammten Frühjahrstermin hält die in Düsseldorf wieder belebte „Art & Antique“ - doch mancher Händler wünscht sich Klarheit darüber, „wem eigentlich der verbürgte Name Westdeutsche Kunstmesse gehört“.

          Auch mit wenig profilierten Veranstaltungen lässt sich derzeit Gewinn machen. Nur so lässt es sich erklären, dass der Geschäftsführer der Kölnmesse, Oliver P. Kuhrt, in einem gleichfalls offenen Brief antwortet, er werde den Dialog mit den Kritikern fortsetzen um „auch weiterhin die positive Entwicklung voranzutreiben“. Ein Satz, den nicht wenige als „Schlag ins Gesicht“ empfanden, zumal sich der Künstlerische Direktor der Art Cologne, Gérard Goodrow, bisher gar nicht regte. Halbbewusst und verantwortungslos verwaltet man in Köln ein Erbe, das man nicht schätzen kann - und lediglich als „Glanz und Glamour im Messe-Portfolio“ verbucht, anstatt, wie es die Galeristen fordern, der Art Cologne „den Stellenwert zurückzuerobern, der ihrer Tradition und dem Kunststandort Köln gerecht wird“.

          Ehrung der „Art Fair“

          Der Oberbürgermeister des kriselnden Kunststandorts war am ersten Ausstellungstag jedenfalls äußerst engagiert - doch nicht auf der Cologne Fine Art. Fritz Schramma gratulierte der „Artfair“ zum fünfjährigen Bestehen, einer vollkommen unbedeutenden Nebenmesse, deren Betreiber in Düsseldorf mit der duesseldorf contemporary der Art Cologne zur Konkurrenz heranwachsen wollen; in seinem Grußwort heißt es, nach Albert Schweitzer: „Kultur fällt uns nicht wie eine reife Frucht in den Schoß. Der Baum muss gewissenhaft gepflegt werden, wenn er Frucht tragen soll.“

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