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Kommentar : Der nächste Papst, bitte!

Insgesamt 50 Paraphrasen zum berühmten Porträt des Barockpapstes Innozenz X. von Velazquez hat Francis Bacon gemalt. Drei von ihnen wurden in den letzten eineinhalb Jahren versteigert. Ein viertes steht am 15. Mai bei Sotheby's in New York für geschätzte 30 Millionen zum Gebot.

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          Nun steht also der vierte Papst in gerade eineinhalb Jahren zur Wahl: Auch dieses extravagante Geschehen verdankt sich dem Kunstmarkt. Die Rede ist von einer weiteren Paraphrase zum berühmten Porträt des Innozenz X., das Diego Velazquez 1650 malte, von der Hand Francis Bacons. Und Bacons Päpste haben wahrhaft exquisite Liebhaber angezogen. Der erste in der aktuellen Suite trat im November 2005 bei Christie's in New York auf, und er ist der, der seinem Vorbild auf beängstigende Weise am nächsten kommt: Mit neun Millionen Dollar spielte damals die "Study for a Pope I" aus dem Jahr 1961 einen neuen Bacon-Rekord ein.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das kapitale Werk stammt aus der Sammlung von Gunter Sachs, der es bereits 1966 bei der Marlborough Galerie erwarb - damals war Francis Bacon noch nicht Kult, sondern Kennern vorbehalten - und fast vier Jahrzehnte behielt. Käufer war im Herbst 2005 Heinrich zu Hohenlohe, der für die Londoner Händler Dickinson Roundell arbeitet. Der nächste Papst stand aber schon in der Warteschleife; er schillert im Grünlich-Bläulichen, kommt aus dem Jahr 1959 und trat im Februar 2006 bei Christie's in London auf, seit 1971 in ungenanntem Privatbesitz - und nun entsprechend auf fünf Millionen Pfund taxiert. Zugeschlagen wurde diese "Study from Portrait of Pope Innocent X by Velazquez" bei 4,6 Millionen Pfund, rund 8,18 Millionen Dollar also, an einen ebenfalls nicht bekannten Käufer.

          Gerüchte um den Barockpapst

          Der nächste Innozenz - tatsächlich aber ein früherer - betrat dann genau ein Jahr später die Bühne, wieder in London bei Christie's, jetzt als "Study for a Portrait II" aus dem Jahr 1956 ausgewiesen. Anfang Februar dieses Jahres wurde er für 12,5 Millionen Pfund - das sind knapp 24,6 Millionen Dollar - einem Vertreter der Richard Gray Galerie zugeschlagen, im Auftrag eines anonymen Kunden. Inzwischen lag übrigens auch schon seine Schätzung genau in dieser Höhe. Der Rumor um diesen Barock-Papa - als ganz tragische Figur frontal aufgefasst, in eher violette Töne gehüllt und in von starken Farben durchschossenes Weiß gewandet - will, dass er just direkt aus dem Besitz der italienischen Nationalheiligen Sophia Loren und ihres gerade verstorbenen Gatten Carlo Ponti zur Auktion kam. Im Katalog stand nur, dass sein (vermutlich) direkter Einlieferer das Werk Mitte der sechziger Jahre erworben hatte. Und so fielen in eins ein neuer Bacon- und ein neuer Innozenz-X.-Rekord.

          Aber nicht genug damit. Wieder ist der Nachfolger schon angekündigt, für den 15. Mai bei Sotheby's in New York, in Gestalt der "Study from Innocent X" aus dem Jahr 1962: Dieser Variante werden jetzt sage und schreibe dreißig Millionen Dollar zugetraut. Schwer im Schwange ist also der Papst - im Mai wieder in Rot gewandet wie seine Velazquéz-Vorlage, zugleich typisch à la Bacon torsiert und sichtlich arg im Stress. Seine mehr als dreißigjährige private Herkunft indessen ist (noch) nicht gelüftet, sondern einstweilen unter dem wärmenden Mantello verborgen. Ob er wohl eine Art avignonesisches Exil in Amerika verbracht hat? Und ob er im New Yorker Frühsommer so gut weggehen wird wie seine Vorgänger in den Londoner Wintern, allerdings auch kein naheliegender Ort für katholische Oberhirten? Hier jedoch Gemach: Francis Bacon hat schließlich an die fünfzig Paraphrasen nach dem Bildnis des spanischen Großmeisters geschaffen, das heute, der familiären Herkunft von Innozenz X. angemessen, in der Galleria Doria Pamphilii in Rom hängt. Auch wenn der wilde Künstler einige der frühen "Studien" später selbst vernichtete, bleiben noch so manche Innocentes, wie er sie auf seine Art gern so drehte und wendete, die demnächst vor ihre Gemeinde treten könnten.

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