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Ein riskantes Spiel : Garantien beherrschen den Markt

Die Erzrivalen Christie’s und Sotheby’s gehen immer größere Verpflichtungen ein, um die allerbesten Werke auf den Markt zu treiben. Ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

          Die New Yorker Herbst-Prestigeauktionen mit Impressionismus, Moderne und Gegenwartskunst sind an ihr Ende gekommen. Die von Christie’s und Sotheby’s genannten Summen liegen im Rahmen der hochgespannten Erwartungen, klingen dennoch eindrucksvoll: Sotheby’s meldet einen Gesamtumsatz von 1,153 Milliarden Dollar, Rekord für eine Auktions-Serie der amerikanischen Firma. Das französische Haus Christie’s verzeichnet 1,1 Milliarden Dollar.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Seit dem 4. November wurde in kiloschweren Katalogen gelistete Kunst - beinahe jedes Los mit historischen Vergleichswerken illustriert und mit Kommentaren versehen, als wär’s für die Ewigkeit - verkauft. Tatsächlich wäre „versteigert“ vielfach das falsche Wort, jedenfalls für die höchstdotierten Stücke, für die es, wie berichtet, mit wenigen Ausnahmen zuvor garantierte Mindestpreise gab. Dass die Praxis der den Einlieferern gegebenen, ständig höheren Garantien das Auktionsgeschäft immer weiter verfälscht, ist nur ein Aspekt. So war das teuerste Werk überhaupt, ein „Nu couché“ Modiglianis zum Hammerpreis von 152 Millionen Dollar bei Christie’s in der Spezialveranstaltung „The Artist’s Muse“, ebenso abgesichert wie Roy Lichtensteins „Nurse“ von 1964, die in derselben Auktion bei 85 Millionen Dollar zugeschlagen wurde: Rekord für den Künstler und Höchstpreis für ein zeitgenössisches Werk in der Herbstsaison. Zu den blue chips dieser Liga gehört auch ein Exemplar von Andy Warhols mehr als zwei Meter hohem „Mao“-Porträt von 1972, das bei Sotheby’s ein Gebot von 42,2 Millionen Dollar erforderte. Nur noch überrundet von Cy Twomblys großem grauen „Untitled (New York City)“ von 1968 für 62,75 Millionen Dollar (als einziges unter den genannten Werken ohne Garantieabsicherung).

          Die Klientel im Höchstpreissegment nimmt nur das Beste

          Doch es stellen sich auch Fragen, ob und wie das beinahe erbitterte Kopf-an-Kopf-Rennen weitergehen kann. Geht es so weiter wie bisher, ist die weitere Maximierung der Garantien für die Einlieferer absehbar: Wer nicht verkaufen muss, wird das nur zu exzellenten Bedingungen tun. Das treibt dann wieder die Schätzungen in die Höhe, deren Grenzen in diesem Herbst zumindest gestreift wurden. Irgendwann wird es auch dem Kaufwilligsten zu teuer, und von denen werden ja mehrere gebraucht.

          Hinzu kommt, dass der immense Aufwand, den die Erzrivalen treiben, den Gewinn aus den Auktionen stark mindert: Da sind die Tourneen der Super-Lose bis nach Asien, die Hochglanzkataloge, endlich die Finanzierung ebender Garantien, selbst oder gemeinsam mit Dritten, die dann am möglichen Gewinn daraus beteiligt werden. Auch aus distanzierter Beobachtung ist jetzt zu bemerken: Es könnte ein Ende der Fahnenstange in Sicht sein, zumindest für die auction sales (die längst mit Intensität betriebenen, absolut diskreten private sales folgen anderen Gesetzen).

          Die extrem wählerische Klientel im Höchstpreissegment - auf diesem Plateau läuft das riskante Spiel - nimmt nur das Allerbeste, am liebsten aus dem Feld der Moderne und gut abgehangenen Gegenwart. Hierher gehören Picassos der besten Sorte, attraktive Modiglianis, unzerstörbare Warhol-Ikonen oder, jetzt neu im Club, ein charakteristischer Lichtenstein. Allerdings ist dieser Vorrat erstens endlich, und zweitens müssen die Eigentümer solcher Schätzchen überhaupt bereit sein, sich von ihnen zu trennen.

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