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Jonathan Meese in Florida : Alles Miami, oder was?

„Miami ist total wichtig als revolutionärer Außenposten meiner Diktatur!“: sprach Jonathan Meese. Er ist nicht der einzige Künstler, der den Rummel zur Art Basel Miami für einen eigenen Auftritt nutzt. Ein Erfahrungsbericht.

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          An den Rändern wächst der Spaß. Wer sich nach dem Eröffnungsempfang für die Art Basel Miami Beach noch mit dem freundlich eingesetzten Bus bis nach North Miami mitnehmen ließ, konnte heimatliche Gefühle bekommen. Jonathan Meese stellt im Museum of Contemporary Art aus, den locals noch nicht so ganz bekannt wie unsereinem hier.

          Jedenfalls scheint er, wir haben es selbst nicht mitbekommen, verkündet zu haben: „Miami ist total wichtig als revolutionärer Außenposten meiner Diktatur!“ Das ist dem gediegenen „Art Newspaper“ eine Meldung wert in seiner ersten Messe-Ausgabe. Nun, wir wissen das ja schon länger - und übrigens auch die Sammlergemeinde von Miami; dort ist keiner ohne seinen „Meese“.

          Schnabel hat sich mit Maybach eingelassen

          Aber für ganz Uneingeweihte muss es eine Begegnung der dritten Art gewesen sein, entsprechend war es das für relativ tief Eingeweihte. Denn das abendliche Publikum - das an diesem speziellen Ort Miami für alte Europäer, in seinen besten Momenten, eine Show für sich und von eigenem Reiz darstellt - war seinerseits auch in voller Montur erschienen. Die ganze Meese-Haftigkeit der Welt wurde Gestalt und leibhaftige Gestalten - was nichts anderes sagen will als: Es ist eine schöne Ausstellung mit ausschließlich Plastiken von Jonathan Meese geworden, die im MoCA von beseelten Leuten begrüßt wurde.

          Einen ganz anderen Weg hat Julian Schnabel eingeschlagen für seinen Auftritt als Künstler in Miami Beach, dafür hochmögend in Frank Gehrys Bau auf dem entstehenden Campus der „New World Symphony“. Schnabel hat sich dabei mit Maybach eingelassen und deshalb eine Skulptur geschaffen, die den „Titel Queequeq“ (wir vermuten, eher „Queequeg“) trägt und die von nun an der Daimler-Kunstsammlung angehört. Maybach, das ist kein Museum. Sondern ein ziemlich großes, relativ teures Auto, das in Stuttgart gebaut wird - ein bisschen wie ein ganz dicker Benz.

          Der Titel „Ahab“ war bereits vergeben

          Julian Schnabel sagt, dass ihm dieser Wagen gleich besonders gut gefallen habe, wie eine Skulptur. Also hat er selbst auch eine geschaffen für Maybach. Jetzt hat uns, ganz persönlich, Schnabels Skulptur viel besser gefallen als das skulpturale Auto, das zum Vergleich davor hingerollt wurde, gleich zweifach, in Weiß und Schwarz und zwei verschiedenen Längen. Aber wir haben uns auch gefragt, ob der Name „Queequeg“ so ganz günstig dafür ist.

          Also, mal gemessen an Herman Melvilles Roman „Moby Dick“, in dem der edle Queequeg eben vorkommt. Mit bekanntem argen Ausgang, leider. Indessen wäre „Ahab“ auch nicht erfolgversprechend für ein Auto, außerdem ist das schon der Titel von Schnabels schönem Gemälde im Frankfurter Opernturm, für, jawohl, die Schweizer Bank UBS. Die hübscheste Plastik von Jonathan Meese, wiederum, heißt „Suzie Wong“. Aber das ist auch keine Lösung für den Maybach.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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