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James Rich und sein Versprechen : Missverständnis mit Folgen

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Eigentlich sollte Sammler James Rich das „Red Boat“ von Peter Doig dem Carnegie Museum schenken. So stand es im Vertrag mit der Galerie Michael Werner. Doch Rich wollte das Bild versteigern. Die verrückte Geschichte, wie sich am Ende alle Seiten einig wurden.

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          Kunst gilt in manchen Kreisen als Währung, die es gilt, besonders geschickt einzusetzen. Durch Schenkungen an Museen winken in den Vereinigten Staaten erhebliche Steuervorteile. Die explosionsartigen Wertsteigerungen von manchen Künstlern, wie die des in Trinidad lebenden Schotten Peter Doig, verleiten jedoch auch viele Sammler dazu, ihr Glück mit seinen Werken auf den Auktionen zu suchen. Im engen Netz des Gewinnstrebens kann man sich jedoch ganz schön verheddern.

          So ging es gerade dem amerikanischen Sammler James Rich, gegen den die New Yorker Galerie Michael Werner geklagt hat. Rich, der ein Trustee des Carnegie Museum of Art in Pittsburgh ist, hatte im Jahr 2004 bei Michael Werner für 162.000 Dollar eine große, gerade erst vollendete karibische Flusslandschaft mit dem Titel „Red Boat (Imaginary Boys)“ des schottischen Künstlers Peter Doig gekauft und dabei versprochen, dass er das Bild dem Carnegie Museum vermachen würde.

          Zunächst reiste es als Teil einer Doig-Ausstellung in die Münchner Pinakothek der Moderne, nach Hannover in die Kestner-Gesellschaft und bis 2005 ins Carnegie Museum. Vor wenigen Monaten landete das Bild aus der Sammlung Rich allerdings zur Überraschung von Michael Werner bei Christie's und nicht im Carnegie Museum. Nächste Woche soll „Red Boat (Imaginary Boys)“ in London im Rahmen der Abendauktion zeitgenössischer Kunst versteigert werden, für geschätzte 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund. Aus diesem Grund klagte die Galerie Werner gegen Rich, denn seine ursprüngliche Absicht, das Werk dem Museum zu vermachen, war sogar Teil des Kaufvertrages.

          Daraufhin sucht Rich nach einer Ausflucht: Er legte dar, dass er dem Museum einen gewissen Prozentsatz des Kunstwerks geschenkt habe, diesen Prozentsatz aber vom Museum zurückgekauft habe. Christie's berief sich jedoch auf den bindenden Einlieferungsvertrag mit James Rich. Anfang Juni dann erwirkte die Galerie sogar eine einstweilige Verfügung gegen die Versteigerung. Verzwickt. Jetzt wurde eine Lösung gefunden, mit der alle zufrieden sind. Die Einlieferung zur Auktion, so heißt es jetzt in einer gemeinsamen Presseerklärung der Galerie und des Sammlers, beruhe auf einem „Missverständnis“, aber die Galerie akzeptiere jetzt die Auktion unter folgenden Bedingungen: Sollte das Gemälde keinen Käufer finden, geht es als Schenkung von James Rich an das Museum.

          Sollte es verkauft werden, dann wird Rich ein neues, bedeutendes Werk von Peter Doig erwerben und es dem Museum übergeben. Abgesehen davon, werde er zusätzlich eine substantielle Geldsumme stiften und das Museum auch in Zukunft fördern. Galeriedirektor Gordon Veneklasen lässt verlauten: Das Ziel des Künstlers und der Galerie sei es gewesen, dass das Carnegie Museum ein bedeutendes Gemälde von ihm erhalte. Dieses Ziel sei jetzt erreicht. Ein Happy End mit Umwegen.

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