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Gute Kunst in schlechter Zeit : Berlin hat die Lage erkannt

Das Gallery Weekend in Berlin ist dieses Jahr zwar kein Tanz auf dem Vulkan mehr, aber trotzdem ein Fest für die Kunst.

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          Vor dem Eingang für die Öffentlichkeit zum Kunstbunker der Sammlung Boros liegt jetzt ein drei Tonnen schwerer Stein. Die Alternative heißt Rückzug oder Überwindung, Festhalten am Wunsch nach der Kunst oder Resignation angesichts des Hindernisses. Der südafrikanische Künstler Mandla Reuter mag mit seiner auf den Ort bezogenen Arbeit nicht die allgemeine Lage thematisiert haben, aber er trifft sie schon: Überstehen ist alles, ließe sich mit Rilke, dem Dichter, formulieren.

          Berlin jedenfalls hat sich bereit dafür gemacht. Das steht fest - schon ehe am gestrigen Freitagnachmittag die 38 Galerien, die sich in diesem Jahr zum Gallery Weekend zusammengefunden haben, die Eröffnungen ihrer Ausstellungen zelebriert hatten. Hier gibt eine Stadt ihr Bestes in Sachen Kunst. Aber gar nicht inszeniert als fiebrigen Tanz auf dem Vulkan, sondern als souveräne Stellungnahme zur Lage.

          Rückbesinnung auf die Portalsfiguren

          Die Szene zeigt die Instrumente vor. Und das mit langem Atem und mit Bedacht; denn kaum eine dieser aktuellen Präsentationen wurde in den paar Monaten zusammengebracht seit dem September 2008. Ausstellungen wie Darboven oder Pfahler, Starling oder Manglano-Ovalle brauchen längere Vorläufe. Es kann also nicht allein die prekäre Situation in der jüngsten Zeit gewesen sein, die zur Rückbesinnung auf die frühen Jahre, auf die wichtigen Portalsfiguren der Zeitgenossenschaft führte, sondern ein Unbehagen an der herrschenden Marktkultur muss sich schon zuvor formiert haben.

          Berlin hat darauf reagiert. Vom heutigen Samstag an wird sich der Lohn der Mühe zeigen, sein Maß ist die Kaufbereitschaft. Dass, nolens volens, das Modell Gallery Weekend im Schlepptau beinah sämtliche Galerien Berlins auf den Plan ruft, ist nicht verwunderlich. Schon immer ist aus Sezessionen das Neue entstanden. Und der Eingang in den Boros-Bunker ist übrigens um die Ecke.

          Rose-Maria Gropp
          (rmg), Feuilleton, Kunstmarkt

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