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Gute Aussichten für Maastricht : Garantie statt Depositum

  • -Aktualisiert am

Die Tefaf mag einzigartig und erstklassig sein, unabhängig von den Rahmenbedingungen ist die Messe im niederländischen Maastricht deswegen nicht. Das Machtspiel um Steuern und Zölle kommt gerade erst in Gang.

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          Auf der „European Fine Art Fair in Maastricht (Tefaf) war in diesem Jahr das niederländische Steuergesetz ein brisantes Thema für die teilnehmenden Galeristen und Händler. Zum ersten war die Mehrwertsteuer für Kunstwerke auf neunzehn Prozent angehoben worden. Zum zweiten wurde die Einfuhrumsatzsteuer von sechs auf neunzehn Prozent erhöht; sie gilt für alle Werke, die von außerhalb der Europäischen Union importiert werden, wenn sie nach einem Verkauf dauerhaft in den Niederlanden bleiben.

          Nun sind bisher Werke, die sich zunächst nur während der Laufzeit der Messe in Europa befinden, ein sogenannter „temporärer Import“; für sie wird die Einfuhrumsatzsteuer erst bei einem Verkauf fällig. Die neue Forderung der niederländischen Finanzbehörden lautete aber, dass jeder Händler eine Kaution in Höhe dieser (potentiellen) Einfuhrumsatzsteuer vorab zu leisten habe - also ein Depositum in Höhe von neunzehn Prozent des Gesamtwerts aller von ihm von außerhalb der EU (vorübergehend) importierten Kunstwerke.

          Das hätte bedeutet, dass die Teilnehmer an Tefaf enorme Vorleistungen, nicht selten in Millionenhöhe, aufbringen müssten. Die Konsequenz wäre gewesen, dass besonders teure Werke von musealem Rang, die von außerhalb der EU stammen, gar nicht mehr nach Maastricht mitgebracht worden wären. Damit wäre die einzigartige Attraktivität dieser Messe dahin gewesen.

          Als „nicht ganz durchdacht“ bezeichnete deswegen der Londoner Händler Ben Janssens, der Chairman von Tefaf, gegenüber dieser Zeitung solche Forderungen. Aber es sieht schon wieder besser aus; denn die Verhandlungen zwischen der Messe und den niederländischen Finanzbehörden können offenbar erste Ergebnisse vorweisen.

          Das erklärte Konrad O. Bernheimer, ebenfalls Mitglied im Vorstand der Messe, auf Anfrage dieser Zeitung. Bernheimer zufolge konnten sich die Veranstalter von Tefaf und die Behörde darauf einigen, dass jedenfalls kein Depositum für den temporären Import hinterlegt werden muss.

          Endgültige Abschlüsse dann erst im Ausland?

          Die Garantieleistung für die möglicherweise zu bezahlende Einfuhrumsatzsteuer werde vielmehr die Messeorganisation, eine Stiftung nach niederländischem Recht, für die Teilnehmer übernehmen. Angesichts dieser Entscheidung, so Bernheimer, sei er wieder zuversichtlich, dass Tefaf in Maastricht bleiben könne: „Die Niederländer haben großes Interesse daran, die Messe für Maastricht zu erhalten.“ Tatsächlich hatte ein Ortswechsel nach Brüssel oder ins schweizerische Basel bereits im Raum gestanden.

          Noch nicht abgeschlossen sind die Verhandlungen in Sachen der geänderten Mehrwertsteuer, die einen Wettbewerbsnachteil für den Standort Maastricht und niederländische Kunsthändler bedeutet. Zwar lässt sich die hohe Abgabe nicht selten unschwer umgehen: Findet etwa ein deutscher Galerist auf der Messe einen Käufer, wird der endgültige Abschluss sehr wahrscheinlich nicht in Maastricht stattfinden, sondern dann in Deutschland, wo sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten.

          Allerdings darf man nicht vergessen, dass eine Messe ein Handelsplatz ist und für sie deswegen idealerweise Konditionen gelten sollten, die sie als solchen auch funktionieren lassen. Deshalb wäre es zum Beispiel eine gute Lösung für Tefaf, so meinen die Veranstalter, wenn für ihre Dauer eine Steuer-Sonderzone eingerichtet werden könnte. Die gilt schließlich auch für die Blumen-Messe in Maastricht.

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