https://www.faz.net/-gyz-10cbz

Glosse : Nichts als Fälschungen!

Entdeckungen der falschen Art: Die Internetseite artfakes.dk unterstützt denjenigen, der sich beim Kunstkauf nicht auf die eigene Kennerschaft verlassen will. Akribisch werden dort dubiose Werke bei einem Online-Auktionshaus entlarvt.

          1 Min.

          Gegen Windmühlen anzurennen ist kein ehrenrühriges Unterfangen. In dem Versuch, Kunstfälschungen flächendeckend aufzuspüren, liegt eine ehrenwerte Nachfolge dieses ritterlichen Tuns. Eine gewisse territoriale Einschränkung tut dabei freilich not: Entsprechend hat sich eine tapfere kleine Website, die in Dänemark beheimatet ist, ihr Feld abgesteckt und konzentriert sich auf den Internetgiganten Ebay, genauer: auf die dort vertretenen Kunstschwindler unter den Verkäufern und auf deren Produkte - wahrlich keine geringe Aufgabe. Also hat die Website www.artfakes.dk etwas zugleich Rührendes und Aufrechtes.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Ein Angebot für Amateure

          Rührend, weil die von ihr enttarnten Fälschungen erstens offensichtliche, sagen wir: Irrtümer sind, und zweitens weil sie nur Tropfen auf dem heißen Stein des globalen Marktplatzes sind, auf dem auch und gerade die sogenannte Kunst ihren Verkehr hat. Aufrecht, weil artfakes sich unverdrossen an Leute wendet, die nicht Kenner sind, sondern womöglich viel Geld verlieren könnten, geblendet von falschen Provenienzen, Besitzvermerken und Expertisen. Eine gewisse Komik hat die Sache aber zusätzlich: Mit der Parole „Today's Art Forgery“ im Panier tritt - aller Wahrscheinlichkeit nach, die Google erlaubt - der dänische Kunstpublizist Preben Juul Madsen, Jahrgang 1937, an.

          Es mag ihm ernst sein mit seinem Anliegen; so ganz mag man's dann aber auch wieder nicht glauben, will man ihn ganz ernst nehmen. Immerhin zeugen seine Kommentare gelegentlich von gutem Humor. So sollte eines der jüngsten Objekte der Enttarnung auf artfakes - vom 3. September - ein Picasso-Aquarell sein, auf dem ein adipöser weiblicher Akt sich vor einem klein geratenen Chevalier räkelt. 8000 Dollar nannte der Startpreis für diese, selbstredend unverkaufte, Farce. „Was für ein hübsches Geburtstagsgeschenk für Ebay!“, lautet der boshafte Kommentar des Autors von artfakes. Tatsächlich soll die Internetplattform Ebay am 3. September 1995 das Licht der Netz-Welt erblickt haben. Preben Juul Madsen rennt womöglich nicht gegen Windmühlen an, sondern gegen den Wind.

          Weitere Themen

          Supermans Umhang unter dem Hammer Video-Seite öffnen

          Aus erstem Film : Supermans Umhang unter dem Hammer

          Der erste Superman-Umhang aus einem Hollywood-Film und die Pfeife des Bilbo Beutlin aus Herr der Ringe kommen bei einer großen Hollywood-Auktion unter den Hammer.

          Nennen wir es Innigkeit

          Raffaels Madonnen in Berlin : Nennen wir es Innigkeit

          Die Berliner Gemäldegalerie läutet die Feierlichkeiten zum fünfhundertsten Todestag des Malergenies Raffael mit einer Kabinettausstellung seiner Madonnenbilder ein. Dabei wäre auch ein größerer kulturhistorischer Überblick möglich gewesen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.