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Freuds „Traumdeutung“ : Eines von 600 Exemplaren

Die teuerste „Traumdeutung“ bisher überhaupt kostete ihren Käufer gute 66.000 Euro. Jetzt in der Auktion mit Freudiana bei Bassenge lautet die Schätzung auf gemäßigte 10.000 Euro. Doch das mindert die Faszination dieses Jahrhundertbuches nicht.

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          Daß ein Traum nach Art eines Rebus zu entschlüsseln sei - also nach Art eines Rätsels aus Bildern, die zunächst in Sprache übersetzt werden müssen, ehe die Deutung beginnen kann -, das ist vielleicht die tiefste Erkenntnis des noch jungen Arztes Sigmund Freud. Und wer sie versteht, hat mehr von der Psychoanalyse begriffen als alle ihre Proselyten und ihre braven Feinde.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Es ist ein Jahrhundertbuch, in dem sich diese Überlegung findet, und sein Verfasser hat das gewollt und gewußt: Obwohl Freuds Werk „Die Traumdeutung“ bereits am 4. November 1899 erschien, steht auf seinem Titel: „Leipzig und Wien. Franz Deuticke. 1900“. Auf dem Umschlag des 23 mal 15 Zentimeter messenden Buchs mit 386 Seiten findet sich außerdem der Titel selbst, der Autor „Dr. Sigm. Freud“ und das berühmte lateinische Motto der editio princeps: „Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo“ aus Vergils „Aeneis“, schön getragen übersetzt mit: „Wenn ich die himmlischen Götter nicht erweichen kann, so werde ich die Hölle in Bewegung setzen.“

          Zauber einer Reliquie

          Die „Traumdeutung“ erschien in der ersten Ausgabe mit 600 Exemplaren - und wo immer eines von diesen auftaucht, wirkt der Zauber der Reliquie. Schon 1993, zum Beispiel, nannte das Zürcher Antiquariat Hellmut Schumann 17.200 Mark für ein solches Exemplar, und im Jahr 2000 lautete die entsprechende Auskunft bei Bernard Quaritch Ltd. aus London auf 45.000 Mark; das ließe sich schon als „Schutzpreis“ bezeichnen.

          Jetzt in der Auktion mit Freudiana bei Bassenge lautet die Schätzung - „Titelblatt mit Besitzeintrag und hinterlegtem Ausriß in der rechten oberen weißen Ecke, sonst gutes und fleckenfreies Exemplar“ - auf gemäßigte 10.000 Euro. Die teuerste „Traumdeutung“ bisher überhaupt kostete ihren Käufer gute 66.000 Euro: Sie hatte sich der Berührungen des Surrealisten-Papstes André Breton erfreut - ausgerechnet.

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