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Französischer Galeristenverband : Eine Studie macht Galeristen froh: Stimmungshoch in Frankreich

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Die Studie, die das unscharfe Erscheinungsbild der Branche korrigieren sollte, hat zur Überraschung ihrer Auftraggeber, dem „Comité Professionnel des Galeries d'Art“, ein überaus positives und dynamisches Bild ihres Berufsstands hervorgebracht.

          Erkenne Dich selbst! Diese Aufforderung der sieben Weisen der Antike hat der französische Galeristenverband „Comité Professionnel des Galeries d'Art“ beim Wort genommen und das Markt- und Meinungsforschungsinstitut CSA mit einer Studie über die Lage und Befindlichkeit der französischen Galeristen für moderne und zeitgenössische Kunst beauftragt.

          Ausgangspunkt für die Untersuchung, bei der im November und Dezember vergangenen Jahrs 230 Galeristen aus dem ganzen Land befragt wurden, war die scheinbar weitverbreitete, immer wieder zitierte „Stimmung auf Halbmast“ der französischen Galerienszene in einem allgemein eher trüben, ökonomischen Kontext. Wenn in der Öffentlichkeit vom Kunstmarkt die Rede sei, erklärt der Verbandsvorsitzende Patrick Bongers, dann gehe es meist um Auktionen. Die Galerien werden weit weniger beachtet, so Bongers, weil sie den Auktionsrekorden keine handfesten Zahlen entgegenzusetzen haben.

          Die Studie, die das unscharfe Erscheinungsbild der Branche korrigieren sollte, hat zur Überraschung ihrer Auftraggeber ein sehr positives und dynamisches Bild ihres Berufsstands hervorgebracht: Ganze 88 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrem Beruf zufrieden zu sein, und 72 Prozent sind optimistisch, was die Zukunft ihrer eigenen Galerie angeht. Im Sinne positiver Zukunftsaussichten der gesamten Branche spricht sich, mit 55 Prozent, immerhin noch die Mehrheit aus. Von einem Jammertal der Kunstgalerien kann also nicht die Rede sein.

          Jahresumsatz von mehr als sechshundert Millionen Euro

          Die größte Überraschung aber lieferte die Auskunft über das eigene, unvermutete ökonomische Gewicht: Das Institut errechnete für das Jahr 2004 einen durchschnittlichen Umsatz von knapp 800 000 Euro pro Galerie (acht Prozent aller Galerien setzen weniger als 76 000 Euro um, drei Prozent mehr als drei Millionen Euro). Die Zahlen werden als schlüssig angesehen, auch wenn nur 41 Prozent der Befragten - Diskretion verpflichtet - auf die Frage nach dem Umsatz antworten mochten.

          Auf 758 Galerien, die bei der Künstlersozialversicherung eingetragen sind, hochgerechnet, ergibt sich für die gesamte Branche ein Jahresumsatz von mehr als sechshundert Millionen Euro - eine Zahl, die Patrick Bongers ein stolzes Lächeln aufs Gesicht zaubert, angesichts der rund 127 Millionen Euro, die laut Jahresbericht des Versteigerungsrats 2004 auf französischen Auktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst umgesetzt wurden.

          Ein neues Selbstbewußtsein

          Darüber hinaus räumt die Studie mit einigen Klischees auf, die den französischen Kunstmarkt begleiten: Mit nicht mehr als durchschnittlich sechs Prozent Verkäufen an Institutionen hängt die Galerienszene nicht so stark „am staatlichen Tropf“, wie gern behauptet wird. Und mit 66 Prozent Transaktionen mit Privatkäufern in Frankreich liegt der einheimische Markt lange nicht so brach, wie man immer wieder hört. Eine Galerie arbeitet im Durchschnitt jährlich mit fünfzehn verschiedenen Künstlern, die zu zwei Dritteln in Frankreich leben; sie richtet acht Ausstellungen aus, veröffentlicht zwei Kataloge und verzeichnet 93 Besucher pro Woche (die Avantgarde-Galerien mit 104 Besuchern noch einige mehr).

          Das Ergebnis der Studie, die belegt, daß die französischen Galerien für moderne und zeitgenössische Kunst ein wichtiger ökonomischer und kultureller Faktor im Land sind, verleiht der Branche ein neues Selbstbewußtsein, das sich nicht zuletzt bei Verhandlungen mit den Behörden als nützlich erweisen könnte. Doch zunächst sonnt man sich genüßlich im Lichte neugewonnener Selbsterkenntnis: „Wir sind die Hauptakteure des Markts“, frohlockt Patrick Bongers, „uns gibt es!“

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