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Fotokunst auf der Art Basel : Shermans Preissprung

  • -Aktualisiert am

Vor dreißig Jahren kostete ein Abzug von Cindy Shermans „Untitled Film Stills“ 3000 Dollar. Jetzt offeriert Metro Pictures eines der Bilder auf der Art Basel - für 1,5 Millionen! Welche anderen Vorlieben hat die Messe in Sachen Fotokunst?

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          Es ist dreißig Jahre her, dass ich Cindy Sherman in New York besucht habe, um ihr ein Foto abzukaufen. Doch statt es aus Mappen und Schubladen hervorzuwühlen, schickte sie mich zu ihrer Galerie drei Straßenblocks weiter, Metro Pictures, damals so neu und erst noch auf dem Weg zu ganz großem Ruhm, wie die Fotografin selbst - wobei das eine vom anderen kaum zu trennen ist. Unvorstellbare 3000 Dollar sollte der Abzug kosten, ein kleines Schwarzweißbild aus der Serie unbetitelter Filmszenen, das sich nicht nur durch die beklemmend düstere Situation vom Rest der Arbeiten unterschied, sondern auch dadurch, dass man Cindy Sherman, die immer die Darstellerin ihrer Aufnahmen ist, nur von hinten sieht.

          Jetzt hängt das Bild am Stand von Metro Pictures auf der Kunstmesse in Basel. Es war bereits am zweiten Tag verkauft. Schon der Preis, den die Galeristin nannte, war schockierend. Noch schockierender allerdings war das Selbstverständnis, mit dem sie ihn völlig ungerührt aussprach: 1,5 Millionen Dollar. Dagegen glichen die 330.000 Dollar für ein anderes Motiv aus Shermans Film-Stills-Serie bei Sprüth Magers schon fast einem Mitnahmepreis.

          Die Fotografie oder genauer: das, was in Galerien gern als Fotokunst und Fotoarbeit bezeichnet wird, ist dort angekommen, wo keiner jener Fotosammler, die vor dreißig Jahren von allen Seiten nur milde belächelt wurden, sie selbst bei allergrößtem Optimismus gesehen hätte - jenseits der Preise für Graphik in den Gefilden der Malerei. Umso überraschender ist es, dass außerhalb der reinen Fotogalerien in Basel kaum Fotografien gezeigt werden, und wenn doch, dann ausschließlich solche der ausgesprochenen Lieblinge des Kunstmarkts. Hier zwei riesige Gurskys für knapp je eine Million Euro. Dort neue, großformatige Arbeiten von Thomas Ruff, abstrakte Schemen im knalligen Ton, zu 70.000 Euro. Und fast zum gleichen Preis ähnlich schwer lesbare Aufnahmen von Wolfgang Tillmans, der sich von seinen Beobachtungen auf Reisen und in der großstädtischen Subkultur hin zu abstrakten Mustern bewegt. „Alles fotografiert!“, hob er deshalb vor nicht allzu langer Zeit eigens hervor. Außerdem Tableaus von den Bechers, Stillleben von Penn, eine Straßenszene von Robert Frank - dies alles im höheren sechsstelligen Bereich.

          Dass er für Einsteiger nichts habe, sondern sich mit seiner Ware an Museen wende, bringt Edwynn Houk aus New York die Ausrichtung der acht Fotogalerien auf den Punkt, die in Basel gemeinsam einen Gang bespielen. Während anderswo in den Kojen die Fotografien ganz unspektalulär zwischen anderen Bildern hängen, werden die Abzüge hier bisweilen geradezu zelebriert. Kicken aus Berlin gibt dabei mit einer kleinen, wunderbaren Inszenierung den Ton an. Um Alfred Stieglitz’ Aufnahme von 1915 einer Ausstellungssituation in seiner eigenen Galerie (350.000 Euro) gruppiert Kicken eine Skulptur der Bakota, eine Graphik von Picasso sowie ein Wespennest, geradeso, wie die Dinge damals bei Stieglitz präsentiert wurden.

          François Sage aus Paris konzentriert sich in einer finsteren Koje auf Aufnahmen der Nacht - mit gespenstisch wirkenden Leuchtkästen von Naoya Hatakeyama und alten Abzügen aus Paris von Brassaï, Man Ray und Ilse Bing (Preise von 10.000 bis 35.000 Euro). Der Kölner Thomas Zander füllt die Wände mit teils riesigen Tableaus - etwa der Serie „Evidence“ von Larry Sultan und Mike Mandel (195.000 Euro), zehn Farbbildern von Stephen Shore aus der Reihe „Uncommon Places“ (750.00 Euro) oder 25 Schwarzweißbildern von Lewis Baltz - verkauft für 180.000 Euro an einen Sammler, der sie mit seinen Stücken der Minimal Art kombinieren will. Wunderbar würde sich daneben auch das riesige Hochformat von Hiroshi Sugimoto aus der Reihe „Revolution“ machen, eine Studie von Grau- und Schwarztönen samt Mond (bei Jeffrey Fraenkel für 400.000 Dollar).

          Eine Entdeckung aber kann man am Ende in Basel doch machen: Aino Kannisto, eine junge finnische Fotografin, die sich selbst Modell ist für beklemmende Szenen, die aussehen wie melodramatischen Filmen entnommen. Als Großformate kosten die Arbeiten bei der Galeriem aus Bochum 4000 Euro. Für weniger bekommt man auf der ganzen Messe kein Foto.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

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