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Fälschungen : Perfekte Kopien und grobe Nachempfindungen: Miró und seine Fälscher

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Die Polizei verhaftete in Madrid einen jungen Mann, der sich in ein luxuriöses Hotel einquartiert hatte und ausländischen Kunden für sieben Millionen Euro ein angebliches Werk von Joan Miró anbot: „General Marino 1933“, eine erfundene Komposition mit für Miró typischen Elementen.

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          Der große katalanische Maler Joan Miró, dessen eingängige Symbole auf Briefmarken, Kaffeetassen und T-Shirts zu werbewirksamen Markenzeichen geworden sind, ist ein beliebtes Opfer von Fälschern: Gerade legte der gutgläubige Besitzer einer Studie Mirós die Papierarbeit zwecks Restaurierung in die Hände eines begabten Malers in Barcelona. Dieser ließ sich für das Original von der Miró-Stiftung eine Expertise ausstellen, fälschte das Blatt - und gab dem Besitzer die Fälschung plus gefälschter Expertise zurück. Es handelte sich um eine sehr perfekte Kopie, nur die Wasserzeichen stimmten nicht überein.

          In der nordspanischen Region Navarra wurde ein Ring von Geschäftsleuten ausgehoben, der gefälschte Bilder aus Kuba einschmuggelte und weiterverkaufte, unter anderen von Goya, Picasso, Sorolla - und Miró: Die Kunden waren in diesem Fall nicht anständiger als die Verkäufer; sie hatten alle mit Schwarzgeld bezahlt. Im Dezember 2000 hatten spanische und italienische Gauner so viel gefälschte Graphik auf den Markt geworfen, daß die Miró-Stiftung in Barcelona stutzig wurde: In Barcelona, Bilbao und Mailand kam es zu Festnahmen.

          Einen besonders schwunghaften Handel betrieb eine spanische Großfamilie, die auf dem Madrider Flohmarkt, in Marbella und Jaén tätig war: Als die acht Familienmitglieder und drei Helfer im Juni 2001 festgenommen und 186 Bilder - darunter viele falsche Mirós - beschlagnahmt wurden, hatten sie eine so hohe Anzahl von Werken in Umlauf gebracht, daß die Polizei eine Telefonnummer zur Verfügung stellte, damit zweifelnde Kunden ihre Schnäppchen testen lassen konnten.

          Im August fiel der Polizei ein junger Mann von den Kanarischen Inseln auf, der für seine vierundzwanzig Jahre allzu großspurig auftrat: Er hatte sich in ein luxuriöses Hotel in Madrid einquartiert und lud ausländische Kunden im großen Stil ein, um ihnen für sieben Millionen Euro ein angebliches Werk von Joan Miró anzubieten. Auf 38 000 Euro belief sich die Rechnung des Hotels, als der junge Mann jetzt verhaftet wurde: „General Marino 1933“, eine erfundene Komposition mit für Miró typischen Elementen, war vor zwei Jahren in Havanna aufgetaucht, wahrscheinlich auch in anderen lateinamerikanischen Städten gezeigt worden und sollte nach Paris weiterreisen. Das hat die Polizeiaktion nun verhindert.

          Der Enkel Mirós, Joan Punyent, erklärte, die einzelnen haarfeinen Pinselstriche seien zu erkennen; das wäre für Miró undenkbar. Auch stimmten die Farbtöne nicht mit den 1933 vom Maler benutzten überein. Es war Elmyr de Hory, der begnadete ungarische Fälscher, der auf Ibiza lebte und arbeitete und mit seinem Schaffen weltweit wichtige Sammlungen und Museen belieferte, der sich weigerte, Miró zu kopieren, weil ihm das zu einfach erschien. Der Künstler, der die grobe Nachempfindung „General Marino 1933“ schuf, verdient den Namen nicht.

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