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Ermittlungen ausgeweitet : Jetzt doch der Chauffeur

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Wie nur kamen die Angestellten von Picasso in den Besitz seiner Werke? Sind sie wirklich Geschenke oder doch Diebesgut? Nun gerät nach dem Elektriker auch der längst verstorbene Chauffeur wieder ins Visier der Ermittler.

          Nachdem die Staatsanwaltschaft von Grasse in Südfrankreich den Elektriker Picassos, Pierre Le Guennec, und seine Frau Danielle Anfang Mai wegen Hehlerei unter Anklage gestellt hat, werden die Ermittlungen über die Herkunft der 271 Zeichnungen, die der Maler dem Elektriker seinerzeit geschenkt haben soll, die aber weder signiert noch gewidmet sind, auch auf den Besitz von Picassos ehemaligem Chauffeur ausgedehnt. Anfang Juni hat die Polizei mehrere Werke aus dem Nachlass von Maurice Bresnu beschlagnahmt, die im vergangenen Dezember im Drouot versteigert werden sollten; auf Bitten der Erben von Bresnu fand diese Auktion aber nicht statt.

          Maurice Bresnu stand von 1966 bis 1973 im Dienst von Picasso. Er und seine Frau Jacqueline wurden zu Vertrauten des Malers, und Picasso schenkte ihm eine Reihe von Zeichnungen, die er mit Widmungen an „Nounours“ (Bärchen) versah. Wie viele Zeichnungen von Picasso Bresnu insgesamt in seinem Besitz hatte, lässt sich nicht mehr feststellen.

          Er ist 1991 gestorben, seine Frau vor zwei Jahren. Als Erben setzte das kinderlose Ehepaar sechs mehr oder weniger entfernte Verwandte ein, darunter Pierre Le Guennec, einen Vetter von Jacqueline Bresnu. Die „Picasso Administration“ zieht diese Schenkungen eines so großen Konvoluts von oft nicht signierten und nicht mit einer Widmung versehenen Zeichnungen in Zweifel; denn Picasso hatte die Gewohnheit, die Werke, die er verschenkte, zu signieren und mit dem Namen des Beschenkten zu versehen.

          Vom Ehepaar Bresnu heißt es nun, dass es nach dem Tod Picassos in einem südfranzösischen Dorf auf großem Fuße gelebt haben soll. Ein ehemaliger Hausangestellter der Bresnus hat der Polizei gegenüber ausgesagt, Bresnu habe „alles gestohlen“ und auch keinen Hehl daraus gemacht. Die Verwandtschaft der beiden Ehepaare und die Vermutung, dass Maurice Bresnu Le Guennec bei Picasso eingeführt hat, mögen die Zweifel zwar nähren, liefern aber keinen Beweis für einen Diebstahl. Es ist auch unklar, wann Bresnu begonnen hat, Werke Picassos zu verkaufen. Im Jahr 1989 stellte die Galerie Krugier in Genf 44 Zeichnungen aus der Sammlung Bresnu aus.

          Keine Reaktion der Nachlassverwalter

          Zwischen Oktober 1996 und August 1998 organisierte der italienische Kunsthändler Beniamino Levi eine Ausstellung mit rund hundert zum Teil erotischen Zeichnungen, einem Skizzenbuch und Keramiken unter dem Titel „Picasso, die verborgene Sammlung“, die in der Fondazione Trussardi in Mailand, im Ked Museum in Seoul und im Kunsthaus in Wien gezeigt wurde.

          Zu dieser Ausstellung wurde ein Katalog veröffentlicht, und 1998 versteigerte Christie's in New York einen Teil der Zeichnungen. Damals haben die Verwalter des Nachlasses von Picasso nicht reagiert. Die Ermittlungen werden durch die Wirren nach dem Tod Picassos zusätzlich erschwert. Möglicherweise wurde nicht alles, was sich in seinen verschiedenen Wohnsitzen befand, sofort vom Inventar erfasst.

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