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Foto-Editionen : Empfindliche Werte

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Einigen sich Künstler und Sammler auf die Neuproduktion eines Exemplars einer Foto-Edition, wirft dies Fragen mit Blick auf die weiteren Exemplare auf. Denn die Neuproduktion ist in der Praxis selten eine „reine“ Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands der Arbeit. Wird etwa ein Fotowerk aus den frühen neunziger Jahren neu produziert, stehen dem Künstler heute ganz andere technische Verfahren zur Verfügung, Techniken, die das Foto brillanter und vor allem länger haltbar machen. Teils sind die alten Verfahren gar nicht mehr oder nur noch mit unverhältnismäßigem Aufwand wiederholbar. So unterscheidet sich die Neuproduktion oft schon technisch von der ursprünglichen Arbeit.

Das neu produzierte Exemplar „ersetzt“ das ursprüngliche

Manche Fotokünstler nehmen sich darüber hinaus die Freiheit, ihre Werke im Zuge der Neuproduktion einer Neubewertung oder Aktualisierung zu unterwerfen, die unabhängig von technischen Zwängen zu einer ästhetischen Veränderung des Werks führt. Diese Veränderungen können etwa die Größe der Weißrahmen um das eigentliche Foto betreffen, aber auch den konkreten Bildausschnitt und Bildmaße. Konstante des Werks bleibt dann nur noch das eigentliche Bildmotiv. Künstlerisch ist gegen eine solche Neubewertung des Werks durch den Künstler selbst - die übrigens auch die noch nicht veräußerten Exemplare der Edition betreffen kann - nichts einzuwenden. Bei einem Maler gilt es als selbstverständlich, dass er Bilder im Atelier nachträglich verändern kann. Wenn ein Fotokünstler für sich entscheidet, sein Werk nicht als statisch und abgeschlossen zu betrachten, müssen solche nachträglichen Änderungen grundsätzlich auch ihm freistehen.

Das ursprüngliche Exemplar wird in der Regel durch das neu produzierte Exemplar „ersetzt“: Das neue Exemplar trägt die für das ursprüngliche Exemplar vergebene Editionsnummer. Die Neuproduktion trägt üblicherweise weiterhin das Entstehungsjahr der ursprünglichen Fassung. Häufig wird auf der Neuproduktion zusätzlich das Jahr ihrer Anfertigung vermerkt. Rechtliche Ansprüche der Besitzer der nicht neu produzierten Exemplare folgen aus diesem Austausch grundsätzlich nicht - jedenfalls dann nicht, wenn das ersetzte Exemplar dem Markt entzogen wird.

Wichtig sind klare Regelungen im Vorfeld

Dann nämlich wird die Begrenzung der Auflage nicht überschritten und die Eigentümer der ursprünglichen Exemplare erleiden keinen Schaden. Im Gegenteil lässt sich sogar argumentieren, dass durch die Individualisierung innerhalb der Edition der Wert der verbleibenden ursprünglichen Exemplare steigen könnte. Um - auch im Hinblick auf den Markt - für Klarheit bezüglich der Auflagenbegrenzung zu sorgen, kann es ratsam sein, das ersetzte ursprüngliche Exemplar zu zerstören. Einige Künstler bestehen auf dem Nachweis der Zerstörung (Fotodokumentation oder Lieferung der ausgeschnittenen Signatur), bevor sie die Neuproduktion freigeben.

Den Beteiligten ist zu raten, die Modalitäten einer Neuproduktion im Vorhinein klar festzulegen. Das Einverständnis zu einer Neuproduktion sollte dabei nicht nur der Künstler, sondern auch der Eigentümer des jeweiligen Werks gründlich abwägen. Zwar mag die Makellosigkeit eines Werks auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt eine wichtige Rolle spielen, vor allem beim Verkauf über ein Auktionshaus. Ein Museum hingegen wird möglicherweise den kunsthistorischen Wert des „natürlich“ gealterten Werks höher schätzen als eine brillante Neuproduktion. Die Frage aber, wie sich der künstlerische Wert der Neuproduktion gegenüber dem des ursprünglichen Exemplars langfristig entwickelt, wird überhaupt erst im Rückblick beantwortet werden können.

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