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Foto-Editionen : Empfindliche Werte

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Es ist jedoch nicht von vornherein zu beanstanden, wenn der Künstler über die Edition hinaus zusätzliche Kopien seiner Werke besitzt: Anerkannt ist etwa die Existenz zusätzlicher (nicht numerierter) Ausstellungskopien, die der Künstler Dritten für Ausstellungen zur Verfügung stellt. Viele Sammler verleihen ihre lichtsensible Fotokunst wegen ihres hohen Werts nur noch ungern. Zudem können schon Transport und Versicherung die Kosten einer Neuproduktion übersteigen. Viele große Ausstellungen wären ohne Ausstellungskopien aus dem Eigenbesitz der Künstler deshalb überhaupt nicht zu realisieren. Solange die Ausstellungskopien nicht in den Handel geraten, ist ihre Existenz unproblematisch. Um die Abgrenzung zur verkäuflichen Auflage zu wahren, ist zu empfehlen, dass die Ausstellungskopien als solche gekennzeichnet werden.

Wenn die Regeln der Üblichkeit nicht mehr gelten dürften

Welche Ansprüche aber hat ein Sammler, dessen für viel Geld erworbenes Foto langsam zu verblassen droht? Kann er Ersatz durch einen neuen Abzug verlangen? C-Prints aus den neunziger Jahren etwa gelten als anfällig dafür, dass die Farbintensität der Bilder mit der Zeit nachlässt. Sie bleichen aus; was manche Sammler als normale Patina schätzen, ist anderen ein Ärgernis. Es gilt auch hier das Mängelgewährleistungsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs: Ein Kunstwerk als Sache ist frei von Sachmängeln, wenn es bei Gefahrübergang (in der Regel Übergabe an den Transporteur des Käufers) die vereinbarte Beschaffenheit hat. Fehlen konkrete Absprachen über die Beschaffenheit und die Verwendung des Kunstwerks, ist letztendlich die übliche Beschaffenheit maßgeblich, die der Käufer nach der Art der Sache erwarten darf.

Gerade bei analogen Farbabzügen ist allgemein bekannt, dass Farbintensität und Kontraste im Laufe der Zeit - beeinflusst von den Umständen der Lagerung - abnehmen. Normale Verfallserscheinungen eines Fotokunstwerks, die bei einer gängigen Abzugstechnik regelmäßig auftreten, begründen daher regelmäßig keine Mängelansprüche. Mangelhaft kann ein Werk der Fotokunst allerdings dann sein, wenn bei seiner Herstellung die geltenden Regeln der Technik nicht eingehalten wurden, etwa im Fall einer fehlerhaften Fixierung. In diesem Fall können dem Sammler Ansprüche auf Nacherfüllung und Schadensersatz zustehen. Auch diese Regel kennt Ausnahmen, wenn etwa ein Künstler den vorzeitigen Verfallsprozess bewusst herbeiführt und als künstlerisches Mittel einsetzt.

Diesen Topos findet man auch in der Malerei: Gerhard Hoehme zum Beispiel ließ sich ein „Hoehme-Weiß“ mischen, das zu einer vorzeitigen Rissbildung (Craquelé) seiner Bilder führte. In solchen Fällen dürften die Regeln der Üblichkeit nicht mehr gelten: Einem Sammler sollten keine Ansprüche wegen eines vom Künstler gewollten Effekts zustehen. Um Streitigkeiten zu vermeiden, ist allerdings zu empfehlen, auf solche gewollten Sondereffekte schon beim Kauf hinzuweisen. Dem zweifelnden Käufer des nun vergilbten Beuys-Fotos wollte der Galerist erst nachträglich weismachen, dass Joseph Beuys diesen Effekt sicher geschätzt hätte.

Was passiert bei Neuproduktionen?

In der Praxis werden Mängelansprüche wegen verblassender Fotokunst indes häufig schon durch die Verjährung abgeschnitten, die auch bei Kunstwerken regelmäßig bereits zwei Jahre nach dem Kauf eintritt - sofern sich der Verkäufer darauf beruft. Somit ist ein Sammler, der eine Neuproduktion eines verblassten Fotowerks begehrt, in aller Regel auf das Wohlwollen des Künstlers angewiesen. Der Sammler mag dabei hoffen, dass es auch im Interesse des Künstlers liegt, nur farbfrische Exemplare seiner Werke ausgestellt zu sehen. Umgekehrt kann aber auch der Künstler den Austausch einer verkauften Arbeit in aller Regel nicht gegen den Willen des Sammlers durchsetzen. Sein Eigentum berechtigt den Sammler grundsätzlich, auch das gealterte Foto öffentlich auszustellen. Etwas anderes ist nur denkbar, wenn die Ausstellung das Urheberpersönlichkeitsrecht des Künstlers verletzen würde: etwa bei außergewöhnlichen Schäden, welche die Reputation des Künstlers erheblich beeinträchtigen würden. Übliche Alterungserscheinungen genügen dafür regelmäßig nicht.

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