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Die Schweiz regelt den Markt : Der Geldkoffer bleibt zu Hause

  • -Aktualisiert am

Die Schweiz beschränkt das Bezahlen mit Bargeld. Das löst im Kunstmarkt Unruhe aus. Angeblich aber spielt dort Geldwäsche keine Rolle. Stimmt das?

          Auch in der Schweiz soll das Bezahlen mit Bargeld eingeschränkt werden. Die von der „NZZamSonntag“ verbreitete Meldung, die Regierung plane, eine Obergrenze von 100 000 Franken einzuführen, hat in verschiedenen Branchen für Aufregung gesorgt. Die Immobilienmakler zum Beispiel wehren sich: Dass superreiche Ausländer mit einem Koffer voller Geldscheine kämen und ein Objekt kauften, sei eine sehr, sehr seltene Ausnahme. Und rechtfertige, ergo, keine gesetzliche Regelung. Ähnlich argumentieren die Verkäufer von Luxusuhren und Schmuck. Der Zweck einer Begrenzung sei nur, ständig nach unten geschraubt zu werden. Wie in den europäischen Ländern, die immer strengere Auflagen erlassen.

          Druck des Auslands

          Die Schweizer Regierung handelt tatsächlich unter dem Druck des Auslands. Das Bankgeheimnis wurde praktisch aufgegeben. Sogar die Steuerhinterziehung soll künftige als Betrug geahndet werden. Das Land setzt auf eine Weißgeldstrategie, und der automatische Datenaustausch scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Bleibt als letztes Schlupfloch die Bargeldzahlung? Das betrifft ganz unmittelbar den Kunstmarkt, der regelmäßig der Geldwäscherei bezichtigt wird. Eine „Phantasievorstellung“ nennt der Präsident des Kunsthandelsverbandes der Schweiz, Claudius Ochsner, diese Unterstellung. Bereits jetzt würden keinen Barzahlungen über 25 000 Franken angenommen.

          Bagatellisierung der Geldwäsche

          Auch in einer Studie eines Zürcher Anwalts wird die Gefahr der Geldwäscherei bagatellisiert: Der Kunsthandel erfordere zu viel Spezialwissen, zu hoch seien seine Transaktionskosten. Es ist kaum möglich, sich von der Lage ein realistisches Bild zu machen. Denn es gibt - außer dem schwarzen und grauen - kaum einen Markt, der so undurchsichtig ist wie der Kunsthandel. Regelmäßig werden Rekordpreise, die an Auktionen erzielt wurden, veröffentlicht. Doch von den Galerien sind keine Zahlen zu bekommen. Und Statistiken, sagt ein Kenner, sind wie Kaugummi: Man kann sie in alle Richtungen dehnen. Zehnmal schneller als die restliche Wirtschaft habe sich der Kunstmarkt in der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt, schreiben Experten.

          Zehnmal schnellerer Wachstum als die Wirtschaft

          Jetzt haben die eidgenössischen Zollbehörden ihre Zahlen für 2012 publiziert: Für insgesamt 317 Millionen Euro seien Kunstwerke aus der Schweiz exportiert worden. Das ist das beste Ergebnis seit 23 Jahren, kommentiert der Ökonom der Zollverwaltung Matthias Pfammatter: 1990 waren es fast 400 Millionen Euro. Es handelt sich um die Summe der bei der Ausfuhr deklarierten Werte. Es wäre falsch, die Zahl für bare Münze zu nehmen. Aber sie belegt zumindest, dass es dem Schweizer Kunstmarkt gutgeht. Und dass er unter der Finanzkrise und dem hohen Franken nicht gelitten hat. Vielleicht sind die Zahlen des Zolls aber auch nur eine Folge der Maßnahmen gegen die Geldwäsche: weniger Verkäufe gegen Barzahlungen, ehrlichere Deklarationen. Lionel Latham, Vizepräsident des Kunsthändlerverbands, hat 2012 in seiner Genfer Galerie nicht mehr verkauft als in den Vorjahren: „Aber die Exporte haben zugelegt.“

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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