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Die Münchner Messe-Szene : Das große Bröckeln

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Vielfalt, die keine Freude bringt: An der Kunstmesse München führte einst kein Weg vorbei. Jetzt buhlen vier Veranstaltungen für Kunst und Antiquitäten in der Stadt um Aufmerksamkeit.

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          Statt einer kapitalen Kunstmesse, die ein paar Tage lang von antiker Skulptur bis zu zeitgenössischer Malerei alles unter einem Dach vereint, was eine anspruchsvolle Klientel sich wünscht, besetzten in München in diesem Herbst vier messeartige Veranstaltungen einen ganzen Monat. Ortsansässige mochten sich da noch hindurchwursteln, aber Auswärtigen war deutlich zu viel logistische Feinabstimmung abverlangt, wenn sie alles sehen wollten.

          Dabei beherbergte München lange die unangefochtene Nummer eins unter den Messen für Kunst und Antiquitäten in Deutschland. Die galt als Pflichtveranstaltung für einschlägig Interessierte und bewies internationale Anziehungskraft. Damit ist es vorerst vorbei. Doch der Niedergang kam nicht aus heiterem Himmel. Zur Erinnerung: Nachdem Konrad O. Bernheimer seine Pläne für eine internationale Elitemesse in München nicht durchsetzen konnte, erfand er vor ein paar Jahren die „Munich Highlights“, von Spitzenhändlern in ihren Innenstadt-Galerien mit Gast-Kollegen veranstaltet, eine kostengünstige Werbeschau.

          Bescheidenheit bevorzugt

          Auf diesen ersten empfindlichen Aderlass der Kunst-Messe folgte stetiges Abbröckeln: So blieb etwa der Biedermeier-Spezialist Axel Schlapka nicht der Einzige, der die bescheidenere, alteingesessene Kunst & Antiquitäten-Messe im Paulaner am Nockherberg vorzog, die sich früher im Traum keiner als Alternative hätte einfallen lassen. In diesem Jahr kam dann der zweite massive Aderlass, als eine Gruppe um den Bamberger Antiquitätenhändler Ulf D. Härtl mit der „Fine Art & Antiques“ auf einen Neustart im Haus der Kunst setzte, dem vielgeliebten, aber längst ausgewachsenen Altdomizil am Englischen Garten. Und es bröselt weiter. Was sind die Gründe für die Zersplitterung?

          Liegt es an der vielkritisierten Politik des Leiters der Kunst-Messe München, Peter Henrich, den andere als begabten Organisator loben? Sind die nüchternen Hallen, das Messegelände am Stadtrand in Riem schuld? War das Niveaugefälle dort für die Besten inakzeptabel geworden? Wurde, falls die Aufnahme der Moderne in Riem der richtige Weg war, nicht die richtige Mischung gefunden? All diese Fragen werden bejaht; es kommt nur auf die Perspektive dessen an, den man fragt. Was bringt die Zukunft in dieser zerrütteten Situation, die keiner anstrebte, aus der sich aber momentan kein Weg zurück abzeichnet?

          Zerteilung als Gefahr

          Henrich klingt nicht optimistisch: Wenn die „bornierte Protestveranstaltung“ im Haus der Kunst weitere zehn bis fünfzehn Händler für Alte Kunst abzöge und sich nicht genügend Nachrücker fänden, so sagt er auf Anfrage dieser Zeitung, sei „die Messe hin“. Die Gefahr ist realistisch; die neue Fine Art & Antiques konnte sich für 2009 im Haus der Kunst längere Laufzeit und 400 Quadratmeter mehr sichern: gerade gut für einen Salon, keine Lösung für eine große Messe. Außerdem gefährdet eine anstehende Generalsanierung am Haus den dauerhaften Verbleib von Fine Art & Antiques.

          Munich-Highlights-Initiator Bernheimer äußerte kürzlich, an der Kunst-Messe nur wieder teilnehmen zu wollen, falls eine „wirklich gute Location“ in der Innenstadt gefunden sei. Nach einem solchen Ort wird schon lange fruchtlos gefahndet. Niemand mag auf den anerkannten Kunsthandelsstandort München verzichten, aber mit ihren Einzelgängen riskieren alle seine Schwächung. Gertrud Rudigier, die der Kunst-Messe lange treu war, gibt nicht zuletzt „Hahnenkämpfen“ die Schuld an dem ganzen Ärger. Sie hat beschlossen, nächstes Jahr an der Berliner „Sculptura“ teilzunehmen - und denkt selbst intensiv über Lösungen des Münchner Durcheinanders nach.

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