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Das Art Forum ist Geschichte : Später Zorn

  • -Aktualisiert am

Immer lauter erhebt sich die Klage um das Ende des Berliner Art Forums. Sie kommt spät, denn das Aus für die Messe ist keine Überraschung. Doch wie wird es weitergehen in Berlin?

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          Was ist nur los in Berlin? Die Messe für zeitgenössische Kunst, das Art Forum, ist abgeschafft worden, nachdem eine Fusion mit der experimentellen Verkaufsschau Art Berlin Contemporary (abc), organisiert von einer Gruppe alteingesessener Galeristen der Stadt, gescheitert war. In Köln wird man das Art Forum gewiss nicht vermissen. Aber in Berlin ist das Entsetzen bei einigen lokalen Galerien plötzlich groß, für die das Art Forum einziger Repräsentationsort in der Stadt war, weil sie von den Exklusivschauen, wie dem Gallery Weekend im Frühjahr oder eben der abc, ausgeschlossen sind. Doch warum entrüsten sie sich erst jetzt und nicht sofort, als die Fusion von Art Forum und abc angekündigt wurde: Mit diesem Schritt war doch unabwendbar klar, dass es das Art Forum nicht mehr geben werde.

          Dass die abc das Art Forum verschlucken, nichts mehr davon übrig lassen werde. Schon die Entscheidung 2010, mit der abc zu kooperieren, bedeutete ein Ende auf Zeit für diese traditionelle Messeform in einer Stadt wie Berlin, die Veränderung im Sekundentakt einfordert, aber nur ungern langfristige Projekte unterstützt. Das Art Forum gestand damit ein, dass es selbst nicht mehr an seine unabhängige Kraft glaubt. Als die künstlerische Leitung des Art Forum 2009 ausgewechselt wurde und Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch eine Revolution versprachen, dann aber nur alte Brötchen anboten, gar die Sektion Focus von ihrer Vorgängerin Sabrina van der Ley als Innovation verkauften, schwante einigen die Konsequenz.

          Eine Reihe von Niederlagen

          Damals lautete das Urteil: Ein zweites lokales Event für Berlin, neben dem Gallery Weekend im Frühjahr, werde auf Dauer so nicht zu halten sein. Man gestattete dem Art Forum ein Probejahr, doch der Relaunch blieb aus; zu zaghaft, zu wenig originell blieb die Messe. 2010 war dann alles entschieden. Es ist ihnen einfach nichts eingefallen. Hoffentlich findet bald einer wie Daniel Hug, der Retter der Art Cologne, den Weg nach Berlin, einer, der sich nicht beirren lässt von Bürokratie, städtischer Verzagtheit und mächtigen Galeristen.

          Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch haben alle diese Kämpfe verloren: gegen die Konkurrenz in Köln, gegen die Pariser Fiac und die Londoner Frieze, mit denen sie wegen des engen Herbsttermins konkurrierten, und gegen die abc. Vielleicht sollte Berlin das radikale Ende nutzen und jenseits dieser Schauplätze etwas Anderes wagen. Jedes Kartell wird irgendwann schwächer, wie damals sogar der unverwüstliche Kölsche Klüngel. Der Absturz war erschütternd. Und trotzdem geschah das Unerwartete: Der deutsche Kunstmarkt hat jetzt wieder seine wichtigste Messe in Köln - nicht zuletzt aufgrund starker Gruppenbildungen.

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