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Ausverkauf : Ernst Beyeler zieht sich zurück

„Er ist noch immer der Boss“: Für die Kunstwelt ist Ernst Beyeler eine zentrale Figur. Jetzt gibt er seine legendäre Basler Galerie auf, und ein Freund unterstützt ihn bei der Verwaltung seines Vermögens.

          Ernst Beyeler zieht sich zurück. Die Galerie wird abgewickelt, die Zukunft des Museums scheint gesichert: „Er ist noch immer der Boss“, sagen alle, die mit ihm zu tun haben. Sie verehren und respektieren ihn: Ernst Beyeler, 88 Jahre alt, Galerist in Basel, Stifter eines einzigartigen Museums in Basel Riehen, das seinen Namen trägt und von Renzo Piano gebaut wurde. Zur Eröffnung 1997 kaufte er für 25 Millionen Euro das Bild „Madame Cézanne“. Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ zählt ihn zu den reichsten Schweizern und schätzt sein Vermögen auf zwei bis drei Milliarden Franken. Es stammt aus dem Kunsthandel, den Ernst Beyeler seit dem Kriegsende betrieb. Manet, Matisse, Giacometti, Picasso: „Immer nur das Beste für mich und meine Kundschaft.“

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Sein Museum, sein Erfolg und sein Geld machten Beyeler, der aus bescheidenen Verhältnissen stammt und das Leben in vollen Zügen genießt, zu einer öffentlichen Figur. Spätestens seit dem Tod seiner Frau vor einem Jahr wird über das Testament des kinderlos gebliebenen Galeristen spekuliert. Jetzt hat sich der Boulevard des Themas angenommen. Tatsächlich hat das märchenhafte Leben im Glanz der Kunst im Alter eine traurige Wendung genommen. „Ernst Beyeler entmachtet“, titelte der „Sonntags-Blick“. Die Vormundschaftsbehörde von Basel habe ihm einen Beistand gegeben: „Der größte Schweizer Kunstmäzen darf sein Vermögen nicht mehr selber verwalten.“

          Ein Freund als Beistand

          Die Story - mit vielen Fehlern und einigen traurigen Details aus dem Alltag eines alten Mannes - wird von den Feuilletons mit der obligaten Empörung über den Boulevard weitergestrickt. Der Rummel erweckt fast schon den Eindruck, als hätte Beyeler vor Erbschleichern geschützt werden müssen. Er wird als sehr generös geschildert und die Ernennung eines Beistands als Schutz- und Vorsichtsmaßnahme dargestellt. Die Aufgabe wird von Edgar Fluri wahrgenommen, Professor für Wirtschaftsprüfung an der Universität Basel und ein Freund Beyelers. Ohne Fluris Zustimmung darf Beyeler nichts kaufen und nichts verkaufen.

          Sein Privatvermögen entspreche in keiner Weise den Summen, die in der „Bilanz“ genannt worden seien: „Das meiste hat er weggeben.“ Der Rest werde für den Lebensunterhalt gebraucht. Nach wie vor in seinem Privatbesitz befindet sich die legendäre Galerie in Basels Bäumleingasse. „Vor wenigen Tagen habe ich ihn dort besucht“, schreibt die Kunstkritikerin Annemarie Monteil in der „Basler Zeitung“: „Beim Thema Kunst erwacht das alte Interesse, beim Thema Natur die Begeisterung. Vorläufig sind denn auch die oft unkenhaften Mutmaßungen über den Fortbestand des Beyeler-Imperiums müßig.“

          Doch das Ende der Galerie ist programmiert. Beyeler will nicht, dass sie ohne ihn weitergeführt wird. „Es handelt sich noch immer um ein stattliches Depot“, sagt die Geschäftsführerin Claudia Neugebauer, will aber die Bestände nicht im Detail bekannt geben. Der Ausverkauf hat begonnen, Neuerwerbungen werden kaum noch getätigt. In fünf oder zehn Jahren wird es die Galerie nicht mehr geben. Der Erlös aus der Abwicklung fließt in die Stiftung, in der sich Beyeler auf das Ehrenpräsidium zurückgezogen hat. Der Unternehmer Hansjörg Wyss, der das Museum seit langem unterstützt, will als neuer Vorsitzender die Zukunft des Hauses für die Zeit nach dem Ende der Quersubventionierung durch die Galerie absichern.

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