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Kommentar : Garantiert!

Im dramatischen Konkurrenzkampf der Auktionshäuser will der Einlieferer hochrangiger Kunstwerke heftig umworben sein. Deshalb garantieren ihm die Auktionsfirmen einen Mindestpreis, selbst wenn sein Los unverkauft bleibt. Es ist die Stunde des Einlieferers auf dem internationalen Kunstmarkt.

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          Das Wort „Garantiesumme“ steht zurzeit im Zenit seiner Karriere auf dem internationalen Auktionsmarkt. Garantiesumme meint zunächst dieses: Das Auktionshaus bezahlt dem Einlieferer eines Kunstwerks einen Mindestpreis dafür, unabhängig vom Ausgang der Versteigerung - also auch im Fall eines Rückgangs. Dieser vereinbarte Preis wird nicht bekanntgegeben. Erfahren lässt er sich folglich nur vom Einlieferer selbst, und der ist gemeinhin unbekannt. Was hat es mit dieser Garantie aber auf sich? Auf der Seite des Einlieferers ist zunächst das Risiko wesentlich reduziert; denn selbst wenn das von ihm eingereichte Los unverkauft bleibt, hat er sein Geld - und keine Last mehr mit einem, durch den Rückgang in der Auktion doch beschädigten Werk.

          Rose-Maria Gropp
          (rmg), Feuilleton, Kunstmarkt

          Was aber geschieht, wenn das Los wesentlich teurer wird als erwartet? Für diesen Fall hat der Einlieferer mit dem Auktionshaus zuvor einen Modus vereinbahrt, dem gemäß die gewonnene Summe dann zwischen beiden geteilt wird: Das Prinzip, man begreift es, ist simpel, seine Wirkung indessen enorm. In den Auktionskatalogen müssen nach angelsächsischem Recht die garantierten - im Klartext mithin, vom Auktionshaus bereits gekauften - Lose markiert sein. Mit sonst nicht gerade üblicher Dezenz findet der Katalogleser hauchzarte Kringel neben der Beschreibung solcher Lose.

          Wer ist der gegenwärtige Besitzer?

          Jetzt müssen nur noch die Angaben zur Provenienz einer angepassten Deutung unterzogen werden: Denn wer ist dort nun jener „present owner“ eigentlich, der gegenwärtige Besitzer? Der Einlieferer kann es, genau genommen, ja nicht mehr sein: Fragen über Fragen! In der New York Times wird spekuliert, dass Sotheby's in diesem Frühjahr und Sommer auf eingelieferte Werke Garantien in Höhe von 300 Millionen Euro abgegeben habe und die Konkurrenz Christie's in ähnlichem Umfang. Der Grund dafür ist ebenfalls denkbar geheimnislos: Die dramatisch konkurrierenden Auktionsfirmen müssen ihre Einlieferer von hochrangigen Kunstwerken bei Laune halten.

          Das kann so aussehen, dass sie für ein sehr begehrtes Stück gewissermaßen eine Kröte zusätzlich schlucken müssen - irgend etwas mit Tendenz zum Ladenhüter, das der Einlieferer auf diese Art elegant los wird. Aber es lässt sich auch anders sehr apart gestalten, nämlich so, dass die Aufteilung des möglichen Gewinns prozentual derartig großzügig zugunsten des Einlieferers ausgehandelt ist, dass dieser sich entspannt zurücklehnen kann und kein bisschen mehr mitfiebern muss. Was für manchen, dem das Zocken doch auch Teil des Spiels ist, den Spass an der Sache schon wieder mindern mag. Von welcher Seite her man auch darüber nachdenkt: Es ist die Stunde der Einlieferer.

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