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Kölner Ergebnisse : Ein Bauernhaus im Regen, Wäsche im Garten

  • -Aktualisiert am

Bei den Auktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst erzielte Van Ham ein Rekordergebnis. Niedrige Taxen heizten die Bieter an. Die Spitzen bei Lempertz blieben hinter den Erwartungen zurück.

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          In seinen Herbstauktionen mit Moderne und Gegenwartskunst konnte Van Ham 9,4 Millionen Euro umsetzen - das beste Ergebnis in der Geschichte des Hauses. Erwartet waren mindestens sieben Millionen Euro; inklusive Nachverkäufen sind es 9,8 Millionen Euro. Davon setzten die Zeitgenossen allein 6,8 Millionen Euro um. Den Topzuschlag erhielt Heinz Macks „Dynamische Struktur in Weiß auf Grau“ von 1958; das frühe Werk blieb mit 220.000 Euro nahe der unteren Schätzung von 200.000 Euro (bis 300.000). Ein 66 mal 86,5 Zentimeter großes „Lichtrelief“ des Zero-Künstlers von 1964 traf bei 150.000 Euro die obere Taxe. Insgesamt dreizehn Lose wurden im sechsstelligen Bereich abgesetzt, darunter das Großformat „Ochre with Six Collages“ von Antoni Tàpies aus dem Jahr 1973, das ein französischer Händler für 185.000 Euro (100.000/150.000) eroberte.

          Zur Unterstützung der Düsseldorfer Obdachlosenhilfe „fiftyfifty“ kamen sechs Werke Gerhard Richters frisch aus dem Atelier: Die „Cage-Edition“ brachte inklusive Aufgeld 574 720 Euro ein. Den größten Anklang fand „Cage f.ff. Detail aus Cage IV“, ein Farboffset auf Alu, mit 130.000 Euro (70.000/100.000). Provozierend niedrig angesetzt war Karin Kneffels „Ohne Titel #20 (Dalmatiner auf Teppich)“ von 2008: Ein Münchner Sammler stach elf Gegenbieter am Telefon mit finalen 105.000 Euro (20.000/30.000) aus. Die Erwartungen weit hinter sich ließ auch Joseph Beuys’ Aquarell „Granit IV“ von 1949, 14,6 mal 19,2 Zentimeter klein, das auf 130.000 Euro (15.000/20.000) schoss. Einen Auktionsrekord brach „Phases of Nothingness No 8-9“ des japanischen Künstlers Nobuo Sekine, eines Vertreters der Bewegung Mono-ha, der Schule der Dinge. Die „Phases“ von 1971 bestehen aus einem Stein, der an einer Schnur vor einer unbehandelten Leinwand hängt. Die Steigerung auf 100.000 Euro (18.000/24.000) war eine Überraschung, wenngleich eine vergleichbare Arbeit im April 2014 in Genua ähnlich aufstieg.

          Ein Bäumchen auf Rekordkurs

          Die moderne Kunst steuert bei Van Ham drei Millionen Euro bei. An die Spitze setzte sich mit 300.000 Euro (250.000/350.000) Gabriele Münters „Bauernhaus bei Regen“, das sie im Jahr 1914 in Murnau malte; es geht in eine Münchner Privatsammlung. Es folgt Lovis Corinths kürzlich restituiertes Blumenstillleben mit Rosen und Flieder von 1918; das 70,5 mal 60,5 Zentimeter große Bild geht auch nach München, für 210.000 Euro (100.000/150.000). Die untere Taxe bei 200.000 Euro traf Karl Hofers kühles „Stillleben mit Laute“, entstanden 1929/31. Hofers farbenfroheres „Mädchen mit Begonie“, um 1922, war zur unteren Schätzung von 150.000 Euro zu haben. Allerdings bremste der Rückgang von Max Pechsteins „Junges Mädchen am Meer“ von 1923 (300.000/500.000) die Euphorie etwas.

          Die Kölner Konkurrenz Lempertz meldet für ihr Herbstprogramm mit Moderne und Gegenwart, inklusive Fotografie, einen Gesamterlös von neun Millionen Euro. 3,8 Millionen Euro davon setzte die moderne Kunst um. Oben stehen drei Arbeiten von August Macke: Ein „Weiblicher Akt von rückwärts auf rosa Grund“ von 1911 kam auf 360.000 Euro (350.000/450.000), geboten am Telefon, nach Auskunft des Hauses von einem rheinischen Sammler. Die „Wäsche im Garten in Kadern“ von 1907 ging für 210.000 Euro (200.000/250.000) an einen deutschen Händler, während ein süddeutscher Sammler sich die Zeichnung „Spaziergänger unter Bäumen (Leute vor dem Schaufenster)“ von 1914 sicherte bei 220.000 Euro (150.000/200.000).

          Ebenfalls 220.000 Euro (90.000/100.000) waren für Barlachs Bronze „Zweifler“ von 1930/31 zu bieten, einen Lebzeitguss bei Noack in Berlin, der anschließend in der Galerie Flechtheim ausgestellt war. Renée Sintenis’ 108 Zentimeter große Tierbronze eines „Vollblutfohlens“ von 1940 kam auf 170.000 Euro (90.000/120.000). Neben guten Ergebnissen für Dix und Jawlensky traf Hans Purrmanns „Landschaft bei Beilstein“ von 1915 mit 140.000 Euro die obere Taxe. Einen Rekord brach die Fotografie-Sparte, als für Albert Renger-Patzschs „Bäumchen“ von 1929, im originalen Passepartout mit Signatur verwahrt, erst bei 110.000 Euro (20.000/30.000) der Hammer fiel.

          Für die Werke der Zeitgenossen lautet das Endergebnis auf 4,8 Millionen Euro. Reges Interesse ließ ein „Lichtrelief“ Macks, bei Lempertz 170 mal hundert Zentimeter groß und ebenfalls von 1964, auf 250.000 Euro (100.000/150.000) steigen; es geht in die Schweiz. Derselbe Händler hob auch Macks dunkle „Dynamische Struktur Schwarz auf Weiß“ von 1962 auf 200.000 Euro (160.000/180.000) an. Kämpfe entbrannten um vier „Weltempfänger“ von Isa Genzken aus dem Jahr 1987, graue Betonblöcke in unterschiedlichen Formaten, mit Antennen auf Sendung: Alle Telefone im Saal waren im Einsatz, als das Ergebnis schließlich 60.000 Euro (20.000/25.000) für ein Exemplar im Format von 39 mal 29 mal zehn Zentimeter hieß.

          Schmerzlich dürfte nicht nur der Rückgang von Otto Pienes Feuerbild „Retinal Sun“ von 1973 (200.000/250.000) sein, das den Hauptkatalog zierte, sondern auch das Scheitern von Günther Ueckers „Wald“ von 1992, eine große Assemblage aus Ästen, Kohle und Nägeln, die mit geschätzten 450.000 bis 500.000 Euro das Toplos war.

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