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Kölner Ergebnisse I : Teure gefährliche Liebschaften

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Die Auktionen Alte Kunst und 19. Jahrhundert, Moderne, Gegenwart und Fotografie bei Lempertz hielten einige Überraschungen bereit - darunter einen neuen Künstlerrekord

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          Die Auktion mit Alter Kunst und 19. Jahrhundert bei Lempertz in Köln spielte 6,5 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) ein, die Gesamttaxe hatte bei 6,8 Millionen Euro gelegen. „Das Hochzeitsmahl im Freien“ von Pieter Bruegheld.J., mit einer Schätzung von einer bis 1,2 Millionen Euro das Toplos bei der Alten Kunst, erreichte – nach aufgelöstem Vorbehalt – 900 000 Euro. Andere Niederländer hatten weniger Glück und gingen zurück, darunter zwei Landschaften von Jan Brueghel d. Ä. (Taxen 200 000/250 000; 60 000/80 000 Euro). Zweitteuerstes Werk wurde Nicolas Poussins „Landschaft mit Apoll und Marsyas“, ein vermutlich 1627 entstandenes Ölgemälde; es ging an einen belgischen Sammler, blieb jedoch mit 170 000 Euro unter der Taxe von 200 000 bis 250 000.

          Beim 19. Jahrhundert lief es deutlich besser: Friedrich Nerlys magische „Piazzetta di San Marco bei Mondschein“ konnte mit einem Zuschlag bei 400 000 Euro (280 000/300 000) die Erwartungen deutlich hinter sich lassen. Die in violettes Licht getauchte Szenerie aus dem Jahr 1849 wechselte in eine süddeutsche Sammlung. Auch Carl Spitzwegs „Schulkinder im Gebirge“ und Carl Rottmanns „Der Dachstein bei Gosau im Salzkammergut“ gingen gut: Spitzwegs Gemälde kam gegen das Gebot von 100 000 Euro (80 000/90 000) zu einem deutschen Sammler; Rottmanns Bild wird für 56 000 Euro (40 000/60 000) in eine süddeutsche Sammlung wandern. Für großes Erstaunen sorgte das 64 mal 79 Zentimeter große, 1885 entstandene „Stillleben mit Blumen und Äpfeln“ von Carl Schuch, der Hammer fiel dafür erst bei 110 000 Euro (30 000/40 000).

          Überreife Pfirsiche und ein farbenfrohes Scheibenbild

          Es folgten bei Lempertz die Auktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst und mit Fotografie; dabei wurden insgesamt zehn Millionen Euro umgesetzt, was der Mindestschätzung entspricht. Spitzenstück bei der Moderne blieb, der höchsten Taxierung entsprechend, Vincent van Goghs „Femme semant“, die 62 mal 47 Zentimeter große Papierarbeit mit der Darstellung einer säenden Frau. Das Blatt aus dem Jahr 1881 erreichte 850 000 Euro (800 0000/ 900 000). Mit einem Zuschlag von 250 000 Euro (240 000/290 000) wurde Giovanni Giacomettis farbintensives Selbstbildnis von 1916 zum zweitteuersten Werk. Edvard Munchs Lithographie auf Japanbütten mit dem Titel „Loslösung II“ landete bei 50 000 Euro (30 000/ 40 000). Das wunderschöne, 73 mal 59 Zentimeter große, ganz in zarten Rosa-tönen strahlende „Blumenstillleben“ von Cuno Amiet aus dem Jahr 1908 lockte zahlreiche Bieter und ging schließlich für 140 000 Euro (80 000/120 000) in den Schweizer Handel. Unverkauft blieb ein 1911 entstandenes „Stillleben mit schwarzer Schale“ von Gabriele Münter (190 000/250 000). Auch Georg Kolbe war kein Glück beschieden, seine erst kürzlich wiederentdeckte lebensgroße Steinskulptur „Zorn“ (60 000/80 000) von 1922/23 blieb unverkauft, ebenso seine kleine Bronze einer „Nonne“ (30 000) aus demselben Jahr. Otto Muellers „Sitzendes Mädchen am Wasser“ von 1920 hingegen war sehr begehrt, die farbige Zeichnung verdoppelte beim Zuschlag von 88 000 Euro deutlich ihre untere Taxe von 40 000 Euro (bis 50 000).

          Bei den Zeitgenossen überzeugten die figurativen Werke deutlich, allen voran Konrad Klaphecks „Gefährliche Liebschaften“; die hyperrealistische Hommage an das Schnurtelefon von 1968 überraschte mit einem Zuschlag bei 270 000 Euro (120 000/150 000). Karin Kneffels überreife, zwei mal zwei Meter großen „Pfirsiche“ von 1995 brachten 170 000 Euro (150 000/200 000). Jonas Burgerts, den Katalogtitel schmückendes Öl-Triptychon „Zyklus-Potsdam (Teil II)“ wechselte bei 100 000 Euro (80 000/ 120 000) zu einem deutschen Besitzer. Seine Erwartungen überstieg klar das 75 mal 86 Zentimeter große und farbenfrohes Scheibenbild „Vega“ von Ernst Wilhelm Nay: Es wurde mit 300000 Euro (150 000/200 000) zum teuersten Los überhaupt der Versteigerung. Andere abstrakte Werke hatten weniger Erfolg, auffallend darunter solche der Zero-Künstler. Über das höchsttaxierte Los, Otto Pienes unbetiteltes hölzernes Rasterbild mit Feuerspuren (200 000), waren zu Redaktionsschluss die Nachverhandlungen noch nicht abgeschlossen, Heinz Macks Aluminiumbild „Pyramide+Horizont“ von 1972 (150 000/200 000) fiel durch.

          Bei der Fotografie sorgte die starke Nahsicht auf einen „Natterkopf“ von Albert Renger-Patzsch aus dem Jahr 1925 mit einem Zuschlag bei 120 000 Euro (15 000/20 000) für einen neuen Künstlerrekord.

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