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Expressionimus-Auktionen : Mit sicheren Werten ganz nach oben

  • -Aktualisiert am

Der Hammer fiel bei 2,1 Millionen Euro: August Mackes Ölgemälde „Mädchen mit blauen Vögeln“ in den Händen von Mitarbeiterinnen des Auktionshauses. Bild: dpa

Sechs Millionen Euro spielten alleine Expressionisten aus der Sammlung Gerlinger ein: Die Moderne-Auktion bei Ketterer zeigt, wie hoch die Nachfrage nach Arbeiten marktbewährter Künstler ist und bringt das Haus abermals an die Spitze der Branche.

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          Die Nachfrage ließ nichts zu wünschen übrig; gleich zu Beginn der Ketterer- Abendauktion mit Werken von Klassischer Moderne bis zur Gegenwart konnte die erste Tranche der umfangreichen, auf Werke der Brücke-Künstler fokussierten Sammlung Hermann Gerlinger ohne Rückgang veräußert werden. Inklusive Aufgeld spielte sie 6 Millionen Euro ein, die Summe der Obertaxen hatte auf gut 4 Millionen Euro gelautet.

          „Brücke“ in die USA

          Teuerstes Los wurde hier erwartungsgemäß Erich Heckels Ölbild „Kinder“ von 1909/10, das der Hammer einem Privatbieter im Saal für 1,1 Millionen Euro zusprach (Taxe 600.000 bis 800.000 Euro). Auch Papierarbeiten schafften Erstaunliches, etwa Kirchners gezeichnetes Selbstbildnis mit Modell von 1910: Es kam auf 420.000 Euro (200.000/300.000), und Kirchners seltener Farbholzschnitt „Wintermondnacht -Längmatte bei Monduntergang“ von 1919, den der Künstler selbst abzog, ließ mit 500.000 Euro die Taxe weit hinter sich (250.000/350.000). Gleich drei Brücke-Werke gingen an amerikanische Museen, während sich deutsche Museen hier nicht engagierten.

          Erich Heckels Ölbild „Kinder“ von 1909/10, 58,5 mal 77,5 Zentimeter, zugeschlagen bei 1,1 Millionen Euro (Taxe 600.000 bis 800.000 Euro).
          Erich Heckels Ölbild „Kinder“ von 1909/10, 58,5 mal 77,5 Zentimeter, zugeschlagen bei 1,1 Millionen Euro (Taxe 600.000 bis 800.000 Euro). : Bild: Ketterer

          97 Prozent der 101 Lose waren am Ende des Abends veräußert und 27 Millionen Euro in der Kasse, das Aufgeld eingerechnet. Der Hammer besiegelte vier Millionenzuschläge - eine stolze, in Deutschland nicht eben häufige Strecke. Zuoberst rangiert August Mackes Idylle „Mädchen mit blauen Vögeln“ für die ein deutscher Privatsammler mit 2,1 Millionen Euro die untere Schätzung leicht überbot. Plus Aufgeld addiert sich der Preis für das 1914 kurz vor Mackes frühem Tod entstandene Werk auf gut 2,5 Millionen Euro. Privates Engagement hob auch Emil Noldes Farbenmeer aus „Rittersporn und Silberpappeln“ mit 950.000 Euro weit über die Obertaxe von 700.000 Euro oder Georg Baselitz' „Waldweg“ von 1974 auf 1,1 Millionen Euro, womit er deutlich über die Erwartung hinauswuchs (700.000/900.000). Gerhard Richters „Abstraktes Bild“ von 1988 hievte eine New Yorker Investorengruppe auf 1,4 Millionen Euro (600.000/800.000).

          Erreichte 1,1 Millionen Euro: Georg Baselitz, „Waldweg“, 1974, Öl auf Leinwand, 190 mal 97 Zentimeter.
          Erreichte 1,1 Millionen Euro: Georg Baselitz, „Waldweg“, 1974, Öl auf Leinwand, 190 mal 97 Zentimeter. : Bild: Ketterer / VG Bildkunst, Bonn 2022

          Die Spitzengruppe zeigt ein durchgängiges Muster: Gefragt waren „sichere Werte“, sprich gute Arbeiten renommierter und marktbewährter Künstler quer durch die Epochen. Die Nachkriegsmoderne etwa punktete mehrfach mit Ernst Wilhelm Nay. Sein „Omikron“ von 1952, eine nur im Titel zur Zeit unangenehme Assoziationen weckende, beschwingte Improvisation, erlöste 380.000 statt erwarteter 150.000 Euro. Der impulsive „Ciclo 1962 BB4“, den Emilio Vedova auf die Leinwand schmetterte, brachte es mit 510.000 Euro sogar auf mehr als verdreifachte Taxe. Als komplette Folge und „matching set“ schoss Andy Warhols Farbserigrafie-Vierteiler „Goethe“ rasant auf 600.000 Euro (180.000/240.000). Das gleiche Ergebnis, wiewohl erwartet, fuhr ein Detail aus Roman Opalkas 1965 begonnenem gigantischem Zählwerk ein. Am 7. Januar 2020 signierte der heute über hundertjährige Pierre Soulage, um den es eine Weile recht still geworden war, eine schwarz-weiße mit 380.000 Euro entlohnte „Peinture“ (220.000/320.000). Zu den neueren Glanzstücken gehörten auch Karin Kneffels „Äpfel“ von 1996, die bei 150.000 Euro den Besitzer wechselten (90.000/120.000).

          Den Umsatz seiner zweitägigen Auktionen plus jener der Online-Auktionen, der Hamburger Buchauktion und der Privatverkäufe addiert Ketterer in diesem Frühjahr auf 44 Millionen Euro. Damit errechnet sich das Haus zum achten Mal in Folge das beste Saisonergebnis der deutschen Kunstversteigererbranche. Von Schwächeln auf dem Auktionsmarkt kann weiterhin kaum die Rede sein, vorausgesetzt die Ware ist hochklassig.

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