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Ketterer : Mit Nixen

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Bei Ketterer in München wird Kunst aus dem 19. Jahrhundert versteigert.

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          Zur Spezialauktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts präsentiert Ketterer in München am 24. Mai ein nach mehr als hundert Jahren wiederentdecktes Spitzweg-Gemälde. Der aus Südafrika zurückgekehrte „Nixenfang“ erwies sich außerdem als bislang unbekannte Version eines Motivs, das der Künstler mehrfach verwendete: Da badet am tiefen Grund einer mit Burgruinen besetzten Schlucht eine Gruppe Frauen; eine von ihnen angelt sich soeben ein orientalisch gekleideter Mann auf eine Burgterrasse empor (Taxe 40.000/60.000 Euro). Genauso lang wie die Nixen war Friedrich Kallmorgens prächtiger „Sommergarten“ verschwunden. Der Mitbegründer des sezessionistischen Karlsruher Künstlerbunds malt da um 1895 Mohn und Kletterrosen im eigenen Garten, mit Blick über das badische Malerdorf Grötzingen (10.000/ 15.000). Wie Kallmorgen zählt Karl Hagemeister zu den Künstlern in Deutschland, die der französische Impressionismus bewegte: Man spürt förmlich den frischen Wind, der auf seiner „Kemnitzer Heide“ durchs Schilf und übers Wasser der Havellandschaft streicht (25.000/35.000). Mit Naturbeobachtungen in locker gemalter Art gehört der in Frankreich ausgebildete Holländer Johan Barthold Jongkind zu den Wegbereitern des Impressionismus: „Ihm verdanke ich die Schulung meines Auges“, sagte Claude Monet über den Schöpfer einer 1869 gemalten Ansicht der von Segelschiffen befahrenen Schelde bei Antwerpen (20.000/30.000).

          Die höchste Erwartung unter 95 Losen gilt mit 100.000 bis 150.000 Euro Franz von Stucks „Faun und Bacchusknabe“. Gekonnt passt Stuck den Bocksbeinigen und das Bübchen, das jener mit frisch in seinen Händen gepressten Weintrauben tränkt, ins achteckige Bildformat ein. Geschaffen wurde das Ölbild von 1905 im originalen quadratischen Goldrahmen als Füllung für Wandvertäfelungen.

          Lust auf Sommer machen hohe „Schwarzwaldtannen“, unter denen Hans Thoma Beerenpflückerinnen bei herrlichem Wetter beobachtet (18.000/ 24.000). Rückblicke auf den Winter, das im großen Format, bieten 1902 Edward Comptons eisstarrender „Lyskamm“ im Monte-Rosa-Massiv der Walliser Alpen (18.000/24.000) und eine „Wintersonne im Engadin“, die der Däne Peder Mork Mönsted 1914 fotorealistisch präzis auf zwei Meter breiter Leinwand in einem tiefverschneiten Bachtal festhielt (40.000/60.000). Auch dieses Bild hielt einen Dornröschenschlaf, nicht anders als Koesters „Enten, Reichenau“: Sie tauchen nun „erstmals seit hundert Jahren auf dem Auktionsmarkt“ auf, der aber zwischenzeitlich absolut keinen Mangel an Koester-Geflügel litt (40.000/60.000).

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