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Ketterer in München : Schnalzen und Schlecken

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Die Löwengruppe am Urwaldbach von Wilhelm Kuhnert ist ein Highlight der Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts bei Ketterer in München.

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          In der Frankfurter Schirn war 2018/19 die große Ausstellung mit Werken von Wilhelm Kuhnert zu sehen. Er studierte die Wildtiere für seine Gemälde nicht im Zoo, sondern in ihrer natürlichen Umgebung. Seine Erlebnisse in Deutsch-Ostafrika beschrieb er in dem Buch „Im Lande meiner Modelle“. Die Passage, wie er einen Löwen an der Tränke beobachtet, das „Schnalzen und Schlecken“ hört, mit dem das Tier seinen Durst löscht, könnte auf das Bild von 1911/12 passen, das Ketterer in der Auktion zum 19. Jahrhundert am 22. November in München versteigert. Man sieht „Löwen am Urwaldbach“, hinter dem männlichen Tier nahen noch drei weibliche aus dunklem Dickicht. Zwar war Kuhnert auch als Großwildjäger unterwegs, aber man kann hoffen, dass er diese Gruppe verschonte, denn: „Mit angehaltenem Atem sitze ich da und verschlinge in wahrer Gier den seltenen Anblick dieses königlichen Tieres“, freute er sich an der Begegnung; ihr Ergebnis ist mit einer Schätzung von 80.000 bis 120.000 Euro versehen.

          Während sich Kuhnerts Gemälde jahrzehntelang in Familienbesitz befand, ist Max Liebermanns verschollen geglaubter „Schreitender Bauer“ (Taxe 50.000/70.000 Euro) eine Wiederentdeckung nach ebenfalls langer Zeit. Die großformatige Studie zum gleichnamigen, 1944 im Museum Königsberg kriegsbedingt zerstörten Bild eines holländischen „Kaaskopers“, eines wandernden Käseverkäufers, gehörte dem Berliner Sammler Max Böhm, der im selben Jahr 1944 in Theresienstadt starb. 1930 hatte Böhm seine Sammlung in der Preußischen Akademie der Künste gezeigt, bevor er sie im Folgejahr bei Rudolph Lepke versteigerte. Ebenfalls bei Lepke ließen die Nationalsozialisten dann 1934 die beschlagnahmte Sammlung von Rudolf Mosse beziehungsweise von dessen Tochter und Erbin zwangsversteigern. Darunter Eduard von Grützners „Vorstadtkneipe/Münchner Bierbeisl“, gemalt um 1898, das nun in Folge einer fairen und gerechten Lösung mit Zustimmung der Erben nach Felicia Mosse auf 20.000 bis 30.000 Euro taxiert zum Aufruf kommt.

          Mehr Münchner Kunst bietet Carl Spitzwegs stimmungsvolles Gemälde „Blick ins Tal (Zwei Mädchen auf einer Alpe)“, um 1860: Dort unten liegt Dunst über Ammersee und Starnberger See, der am Horizont mit dem Himmel verschwimmt (50.000/ 70.000). Wie Spitzweg stieg Edward Theodore Compton für seine Motive auf die Berge, am frühen Morgen schon steht er über dem Nebelmeer am schneebedeckten Rimpfischhorn in den Walliser Alpen und blickt zum Monte Rosa (30.000/50.000). Franz von Lenbach malte lieber im Atelier seiner prächtigen Künstlervilla; dorthin kam Mary Victoria Lady Curzon, die Dame, die Schildkrötensuppe mit Sherry verfeinerte, um sich von dem berühmten Porträtisten lächelnd und von Seide umhüllt konterfeien zu lassen (10.000/15.000). Franz von Stuck malte immer wieder sein Töchterchen Mary, auf dem nun angebotenen Bild von 1912 im achteckigen Originalrahmen trägt die Sechzehnjährige ein Velázquez-Kostüm (30.000/40.000). Landschaften von Louis Gurlitt, Carl Hummel oder Johann Wilhelm Schirmer runden ein Angebot ab, das auch Freunde von Alexander Koesters Enten nicht zu kurz kommen lässt. Diesmal schwimmen sogar Küken mit; die flauschige Schar liegt bei 25.000 bis 30.000 Euro. Dass Koester mehr konnte als Enten, belegt die Rückenfigur eines Bauernjungen mit Erntekorb, der zu „Brixlegg im Zillertal“ hinschaut (7000/9000).

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