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Kein Mangel an Käufern : Jahresbilanz der Auktionshäuser in Frankreich

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Das französische Auktionshaus Artcurial schloss mit 149,2 Millionen Euro Umsatz und einem Rückgang um 26 Prozent ab. Im Gegensatz zu den globalen Häusern vermittelt Artcurial nur in geringem Umfang private Geschäfte und blieb bis zum Ausbruch der Covid-Krise auch im digitalen Bereich zurückhaltend. Das den Umständen entsprechend zufriedenstellende Ergebnis konnte nicht zuletzt durch Nischen-Auktionen wie Urban Art, skandinavisches Design oder Comics, aber auch durch die Büros in wichtigen europäischen Städten erreicht werden, die die Akquise trotz Reisebeschränkungen ermöglichten: „Unsere Europastrategie geht heute auf“, sagt Martin Guesnet, „insbesondere in Deutschland haben wir 2020 neue Kunden hinzugewonnen.“

Auch bei Artcurial kamen die Spitzenlose aus der Moderne und Nachkriegsmoderne. Eine monumentale Skulptur von Alexander Calder überflügelte mit 4,15 Millionen Euro ihre obere Erwartung von 3,5 Millionen). Im Dezember wurde Hans Hartungs Gemälde „T1934-2“ für 1,5 Millionen Euro (1,3/1,8 Millionen) von einer deutschen Stiftung erworben. Unter den selbst im vorigen Jahr zahlreichen Sammlungen, die bei Artcurial versteigert wurden, steuerte ein Ensemble aus dem Nachlass des Pariser Kunsthändlers Maurice Garnier einige der Toplose bei: Kees van Dongens „Frau mit Spiegel“ von 1925 bestätigte ihre untere Schätzung mit dem Zuschlag bei einer Million Euro. Garnier war der Galerist und Freund des Malers Bernard Buffet. Aus dem Konvolut mit Buffet-Gemälden, das aus seinem Nachlass zur Versteigerung kam, erhielt „Deux clowns trompette“ mit 800.000 Euro (400.000/600.000) das höchste Gebot.

Die Asiatika-Auktionen bereiten in Frankreich immer wieder Überraschungen, die größte ereignete sich im Drouot. Bei Beaussant Lefèvre wurden die Kopien aus dem 16. Jahrhundert von zwei Bänden der chinesischen Enzyklopädie „Yongle Dadian“ in einem atemraubenden Bietgefecht auf 6,4 Millionen Euro katapultiert – das rund Tausendfache der Taxe von 5000 bis 8000 Euro und zugleich das Spitzenlos des gesamten französischen Auktionsjahrs. Zwei Vasen aus der Quianlong-Epoche des 18. Jahrhunderts erreichten bei Darmancier & Clair im Provinzstädtchen Bourges 4,1 Millionen Euro (1/2 Millionen) und bei Rémy Le Fur im Drouot 3,7 Millionen (800.000/1,2 Millionen).

Bei Artcurial ereignete sich der spannendste Moment im Bereich der Alten Meister, als vor dem leeren Saal einer digital übertragenen Live-Auktion eine „Büßende Magdalena“ des Leonardo-Günstlings Salaj, eigentlich Gian Giacomo Caprotti, versteigert wurde: Das Bieterinteresse ließ den Preis für die Holztafel auf 1,4 Millionen Euro (100.000/150.000) klettern. Es gibt nur wenige Werke, die Salaj eindeutig zugeordnet werden können, die „Magdalena“ war erst kürzlich wiederentdeckt worden. Und Paris ist ein besonderer Marktplatz für Design. Der höchste Zuschlag erging 2020 bei Christie’s für eine „Liane“-Wandlampe von Jean Royère, die 1,3 Millionen Euro (400.000/600.000) einspielte. Bei Sotheby’s erreichte ein bronzener Gingko-Tisch mit vier Stühlen von Claude Lalanne 800.000 Euro, damit die obere Taxe.

Zum Abschluss eines schwierigen Auktionsjahrs wurde im Dezember bei Sotheby’s das sicherlich pikanteste Los aufgerufen, als ein Konvolut aus der Bibliothek des Psychoanalytikers Jacques Lacan versteigert wurde. Lacan besaß Gustave Courbets berühmtes Gemälde „Der Ursprung der Welt“, heute im Musée d’Orsay. Um es abzudecken, hatte er sich von André Masson eine Grafik mit dem Titel „Erotische Erde“ anfertigen lassen. Es verwundert also nicht, dass sich eines der ausgefallensten Exemplare von „Le con d’Irène“ in seiner Bibliothek befand, einem erotischen Roman, den Louis Aragon 1928 für seine Geliebte Nancy Cunard geschrieben hatte. Das Lacan-Exemplar ist mit fünf Drucken und einer Zeichnung von André Masson versehen, noch dazu eigenhändig vom enttäuscht verliebten Autor Nancy Cunard gewidmet. Es war zu erwarten, dass die moderate Taxe von 6000 bis 8000 Euro überboten würde; der Hammer fiel schließlich bei eindrucksvollen 480.000 Euro.

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