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Karl & Faber : Il Raffaelino kommt aus Wien

  • -Aktualisiert am

Das Spitzenlos der Auktionen Alte Kunst und 19.Jahrhundert bei Karl & Faber in Wien kommt Raffael ganz nah.

          1 Min.

          Es geht Richtung Winter, auch in den aktuellen Auktionskatalogen. Dort liegt schon Schnee über Josse de Mompers d.J. Dorflandschaft, und die Eisschicht auf dem Fluss ist dick genug, um Spaziergänger und Hunde zu tragen. Das von Karl & Faber in München am 8. November angebotene Ölgemälde hat der Momper-Experte Klaus Ertz kürzlich erst als Werk des Antwerpeners identifiziert und auf um 1615 datiert. Es soll 100.000 bis 120.000 Euro bringen. Seinen „Wasserfall in bergiger Landschaft“ malte Jacob van Ruisdael um 1665/70 unter dem Eindruck skandinavischer Beispiele ähnlicher Sujets, die beim holländischen Publikum bestens ankamen. Dem Bild gehörte unter anderen einmal Konrad Adenauers windigem Kunsthändler Heinz Kisters (Taxe 60.000/80.000 Euro). Neben Stillleben mit Früchten, Austern und weiteren Köstlichkeiten gehört zu den Altmeistern ein Waldboden-Stillleben, das Otto Marseus van Schrieck 1663 signierte; er erfand die Gattung: In krassem Helldunkel-Kontrast trachtet ein Gewusel von Schlangen und Schnecken, Faltern und Kröte einander nach Leib und Leben, das nicht Wirklichkeit schildern will, sondern voll gleichnishafter Bedeutungen steckt (50.000/60.000). Auch Michele Desublios barocke „Allegorie der Malkunst“ geht sinnbildlich vor: Ein junges, antikisch leicht geschürztes Paar gibt sich durch diverse Attribute als Pittura und Disegno zu erkennen, als eng verbundene Malerei und Zeichenkunst (18.000/20.000).

          Teuerstes Los ist ein Gemälde des Wiener Nazareners Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, genannt Il Raffaelino. Er malte 1815 in Rom eine liebliche Madonna mit Kind und Johannesknaben, die seinem Idols Raffael in Ausdruck und Farbwahl so nahe kommt, dass der Beiname sofort einleuchtet (140.000/180.000). Ganz bei sich in Stil und Thema bleibt Gabriel von Max, wenn er ein Äffchen beobachtet, das in den Armen eines anderen Zuflucht sucht (20.000/30.000). Von Emil Jakob Schindler, dessen Tochter Alma Mahler-Werfel sein malerisches Œuvre an Prominenz überflügelte, kommt die flotte Ölstudie zu seinem Hauptwerk „Pax“ zum Aufruf, das der Wiener Belvedere bewahrt: Es zeigt den Friedhof Gravosa bei Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, und erinnert an Böcklins „Toteninsel“ (30.000/40.000). In der Nähe von San Francisco widmet sich die private „Collection Piraneseum“ den Grand-Tour-Souvenirs und italienischer Ruinenmalerei. Sie lieferte das reizvolle Aquarell des „Amphitheaters von Capua“ ein, das um 1760 Charles Louis Clérisseau und Antonio Zucchi schufen (15.000/20.000).

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