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Karl & Faber : Der Künstler als Kleinkind

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Die Ergebnisse der Auktionen Alte Kunst, Klassische Moderne und Gegenwart bei Karl & Faber in München.

          Karl & Faber in München notierte seine beiden höchsten Zuschläge im ersten Halbjahr für Gemälde der Klassischen Moderne. Ganz nach vorn schaffte es Ernst Wilhelm Nays „Blauklang“, gemalt 1953 – und vor dreißig Jahren Grundstein einer Sammlung moderner Kunst, die der Jazz-Musikproduzent Siggi Loch ganz der Farbe Blau verschrieb. Das Werk aus der Reihe der „Rhythmischen Bilder“ hatte 2012 bei Christie’s in London umgerechnet rund 123.000 Euro, das Aufgeld inklusive, gekostet: Dank eines privaten Gebots von 260.000 Euro (Taxe 250.000/350.000) war dieser ehemalige Preis jetzt schon mit dem Hammer mehr als verdoppelt; rechnet man das Aufgeld dazu, fast verdreifacht. Ebenfalls 2012 ging bei Sotheby’s in London erst im Nachverkauf Max Pechsteins schönes „Calla-Stillleben mit Spiegel“ von 1917 nach Berlin: Jetzt geht es auf Anhieb bei 190.000 Euro (180.000/ 240.000) ins europäische Ausland.

          Am Telefon wurde französisch gesprochen, als Paul Signacs auf Holz gemalte „Cathédrale d’Anvers“ für erwartete 80.000 Euro den Eigentümer wechselte. Ein Schweizer Gebot ergatterte Augusto Giacomettis sommerlich leuchtendes „Stillleben mit Ranunkeln“ von 1917 günstig für 75.000 Euro (100.000/ 150.000). Dass sich aber die Mehrzahl der Zuschläge im Rahmen der Schätzungen bewegte, bestätigten auch Richard Zieglers „Parisurteil“ von 1929 durch ein Auftragsgebot über 50.000 Euro, sowie, mit ebenfalls 50.000 Euro ein Probeexemplar außerhalb der Auflage von Kandinskys Lithographie „Orange“.

          Eine Arbeit auf Papier, nämlich Gerhard Richters Aquarell mit dem Datumstitel „16.4.88“, landete auf Platz drei der Frühjahrssaison, als ein im Saal anwesender Privatsammler die Untertaxe von 100.000 Euro bewilligte. Zwar blieb erstaunlicherweise Heinz Macks frühe, großformatige „Dynamische Struktur Schwarz“, ehemals in der Sammlung Schniewind, bei 250.000 Euro auf der Strecke. Aber ansonsten schnitten deutsche Künstler bei den Zeitgenossen gut ab: Blinky Palermo, der im Atelier viel Musik hörte, widmete dem Jazzer Thelonious Monk 1973 ein zweiteiliges Multiple aus einem schwarzen und einem verspiegelten Dreieck, das für 70.000 Euro, leicht über Taxe, ins Rheinland zog. Wie gewohnt erregte auch Druckgrafik von Blinky Palermo viel Kaufinteresse, darunter die vier Blätter von „Suite (1971)“; sie stiegen von 12.000 auf 37.000 Euro.

          Günther Uecker schlug 1986 geschmiedete Nägel in einen kantigen „Block“, der 35.000 Euro (35.000/45.000) brachte. Eines der dreißig schmalen Teile, in die er 1982 während einer Aktion in der Galerie Walter Storms ein drei Meter langes Nagelobjekt spaltete, erzielte 18.000 Euro (20.000/25.000). Ein dreieckiges Multiple gab es auch von Rosemarie Trockel; das Wandobjekt „Ohne Titel III“ in Bürstenform mit Rosshaarborsten war einem Sammler 60.000 Euro (70.000/100.000) wert. Aus Münchner Privatbesitz wurde Jörg Immendorffs „Systemklemme (West)“ von 1981 eingeliefert; eine bayerische Sammlung trieb das Bild von 25.000 auf stolze 42000 Euro. Nach Singapur reist für 22.000 Euro (10.000/15.000) Werner Büttners Selbstporträt „Der Künstler reißt sich als Baby die Windeln vom Leib“. Ein britisches Gebot setzte sich nach ausdauerndem Bietkampf für Marcel Broodthaers’ „René Magritte écrit“ aus der Serie „Peintures littéraires“ mit 73.000 Euro (40.000/60.000) durch. Zum am meisten bebotenen Los aber wurde ein Aquarell von Sol LeWitt mit kunterbunten Drei- und Vierecken, das schließlich bei 40.000 Euro (15.000/25.000) an einen französischen Bieter ging.

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