https://www.faz.net/-gqz-a0cee

Karl & Faber : Den Mokka im Freien nehmen

  • -Aktualisiert am

Eine virtuose Momentaufnahme von Adolph Menzel zeigt fünf junge Frauen beim Kaffee. Vorschau: Alte Meister und 19. Jahrhundert bei Karl & Faber in München.

          2 Min.

          Karl & Faber in München versteigert am 16. Juni Werke Alter Meister und des 19. Jahrhunderts. Eine herausragende Rolle spielt Adolph Menzel, auch weil von seiner Hand das höchstbewertete Los stammt: „Im Freien (Mädchen auf einem Altan)“ zeigt fünf junge Frauen, darunter möglicherweise des Künstlers Schwester Emilie, die lächelnd wohl nur kurz im Gespräch innehalten. Vielleicht traten sie nach einem Essen nach draußen, um ihren Mokka zu nehmen – es stehen noch die Tässchen auf der Brüstung. In die tonige Farbigkeit der 1852 auf Karton aquarellierten Momentaufnahme setzte Menzel in gewohnter Virtuosität Deckweißlichter, die Spitzenmanschetten und andere Details blitzhell aufleuchten lassen. Aus einer Schweizer Privatsammlung kommend, liegt die Schätzung dafür bei 150.000 bis 200.000 Euro.

          Auch Menzel-Zeichnungen warten auf Interessenten – und sein Porträt des Berliner Malers Paul Meyerheim. Menzel porträtierte 1868 den damals 26 Jahre alten Künstler mit dunklen Locken im Dreiviertelprofil; 1906, ein Jahr nach Menzels Tod, veröffentlichte Meyerheim seine Erinnerungen an den großen Kollegen. Nach Aufarbeitung einer komplizierten Provenienzgeschichte kann das Auktionshaus das Gemälde im „ausdrücklichen Einvernehmen“ mit den Erben der einstigen jüdischen Eigentümer, Abraham Adelsberger und dessen Schwiegersohn Alfred Isay, anbieten: Im Jahr 2016 bei Grisebach unverkauft, tritt das Bild nun zur günstigeren Taxe von 40 000 bis 50 000 Euro an. Ein schöner Zufall lässt ein Aquarell zum Aufruf kommen, das ein unbekannter Künstler um 1870 in der von Eduard Gärtner begründeten Tradition des Berliner StadtAquarells der Sigismundstraße im Tiergartenviertel widmete. Rechts im Bild ist die Hausnummer 3 zu sehen, dort lebte Menzel und hatte im vierten Stock sein Atelier (Taxe 1000 Euro); heute stehen in dieser Gegend die Bauten des Kulturforums.

          Im originalen Rokokorahmen und in trauter Zweisamkeit betreten „Theseus und Ariadne“ von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. die Auktionsbühne (20 000/25 000), als ein Hauptlos bei den Alten Meistern. Daneben gibt es Jacob Philipp Hackerts Ölgemälde „Im Englischen Garten von Caserta“; das Großformat mit weidendem Vieh im Vordergrund und Blick auf den Vesuv malte er im Jahr 1800 (70.000/80.000). Der Extrakatalog zur Druckgrafik führt unter 35 Blättern von Dürer die Kaltnadel-Rarität „Ecce Homo (Schmerzensmann mit gebundenen Händen)“ von 1512 in einem frühen Zustand (15.000/20.000) oder auch den Holzschnitt „Samson tötet den Löwen“, ebenfalls in frühem seltenem Druckzustand (40.000/50.000). Dasselbe Prädikat adelt ein Exemplar der Rembrandt-Radierung „Große Kreuzabnahme“ (40.000/50.000). Die Strecke zum 19. Jahrhundert führt Grafik von Goya, Honoré Daumier, Camille Pissarro, Toulouse-Lautrec oder Max Klinger auf.

          Weitere Themen

          Dürfen Filme wirklich alles?

          Attentat von Hanau : Dürfen Filme wirklich alles?

          Der Regisseur Uwe Boll, eher berüchtigt als berühmt, hat einen Film über den Massenmörder von Hanau inszeniert. Angehörige sind empört, die Obrigkeit protestiert. Aber keiner hat das Werk gesehen.

          Erfolg mit Frauen-Power

          Zeitgenossen bei Phillips : Erfolg mit Frauen-Power

          Es lief nicht schlecht bei Phillips in London. Vor allem junge Künstlerinnen mit afrikanischem Hintergrund konnten ihre Erwartungen vervielfachen.

          Topmeldungen

          Mobbing: 95 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone. 
Leider nutzen Kinder die Geräte auch, um Angst und Hass zu verbreiten, wie auf dem Foto zu sehen ist. Der Studie „Cyberlife III“ zufolge können die Folgen fatal sein: Jedes vierte digitale Mobbingopfer hatte Suizidgedanken, jedes fünfte trank Alkohol, jedes dritte Opfer fühlte sich dauerhaft belastet.

          Cybermobbing : Wenn das eigene Kind per Whatsapp bedroht wird

          „Du kleine Schlampe“: Wenn das eigene Kind per Whatsapp übel beleidigt und mit Gewalt bedroht wird, ist eine Grenze überschritten. Was passiert, wenn man dagegen juristisch vorgeht? Ein Erfahrungsbericht.
          Szenenbild aus dem Teaser: Steffen Menneke spielt den Attentäter.

          Attentat von Hanau : Dürfen Filme wirklich alles?

          Der Regisseur Uwe Boll, eher berüchtigt als berühmt, hat einen Film über den Massenmörder von Hanau inszeniert. Angehörige sind empört, die Obrigkeit protestiert. Aber keiner hat das Werk gesehen.

          Kampf gegen Schwarzarbeit : Unterwegs mit dem Zoll

          Auf der Suche nach illegal Beschäftigten: Zollbeamte überprüfen Baustellen, um zu klären, ob die Arbeiter regulär bezahlt werden. Das dient auch dem Wettbewerb.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.