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Auktionsergebnisse aus München : Auf der Straße im Sonnenschein

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Die Familie Wertheim nahm dieses Bild 1938 auf der Flucht aus Berlin mit nach New York: Lesser Ury „Ber­liner Straße im Sonnenschein“, um 1920, Öl auf Leinwand, 36 mal 51 Zentimeter, zugeschlagen bei 200.000 Euro (Taxe 130.000 bis 180.000 Euro) Bild: Karl & Faber

Resultate von der Isar: Karl & Faber kann seinen Umsatz steigern, und ein Impressionist stellt einmal mehr das Toplos des Jahres.

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          Auguste Renoir, der Karl & Faber schon im Frühjahr beste Ergebnisse geliefert hatte, signierte auch jene reizende „Femme nue à sa toilette“, auf die mit 370.000 Euro (Taxe 350.000 bis 400.000 Euro) im Herbst der Jahreshöchstzu­schlag entfiel, bewilligt von einem Privatgebot aus Hamburg. Mit einem Jahresergebnis von 21 Millionen Euro meldet Karl & Faber für 2021 eine Umsatzsteigerung von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eingerechnet wurden das Aufgeld von 25 Prozent sowie „Private Sales“ im siebenstelligen Bereich.

          Vom französischen Impressionismus inspiriert, fing Gabriele Münter 1906 die Herbststimmung „Im Park von Saint-Cloud“ ein, für die ein Berliner Sammler erst bei 92.000 Euro (60.000/80.000) den Hammer hörte. Ihr wenig später in Linol geschnittener farbiger „Rosengarten“, bekannt sind nur vier Exemplare, be­scherte der Künstlerin mit 35.000 Euro ihren bisherigen Rekordpreis für Grafik (12.000/15.000).

          Jahreshöchstzuschlag mit 370.000 Euro bei Karl & Faber: Auguste Renoir, „Femme nue à sa toilette“, 1892, Öl auf Leinwand, doubliert, 35 mal 22 Zentimeter (Taxe 350.000 bis 400.000 Euro)
          Jahreshöchstzuschlag mit 370.000 Euro bei Karl & Faber: Auguste Renoir, „Femme nue à sa toilette“, 1892, Öl auf Leinwand, doubliert, 35 mal 22 Zentimeter (Taxe 350.000 bis 400.000 Euro) : Bild: Karl & Faber

          Von atmosphärischer Stimmung lebt auch Lesser Urys „Ber­liner Straße im Sonnenschein“, gezeigt ist eine Allee im Tiergarten mit gelber Straßenbahn; lange befand sich das Gemälde aus den Zwanzigern bei der Familie von Herta Wertheim, die es bei ihrer Flucht aus Berlin 1938 mit nach New York nahm. Mit 200.000 Euro überstieg es die Schätzung von 130.000 bis 180.000 Euro.

          Heiß umworben und zugeschlagen bei 85.000 Euro: Hannah Höch, „Drei Mas­ken“, ca. 1925/30, Öl auf Holz, 37,5 mal 26,5 Zentimeter (Taxe 20.000 Euro )
          Heiß umworben und zugeschlagen bei 85.000 Euro: Hannah Höch, „Drei Mas­ken“, ca. 1925/30, Öl auf Holz, 37,5 mal 26,5 Zentimeter (Taxe 20.000 Euro ) : Bild: Karl & Faber

          Zwar war einiges an Rückgängen hinzunehmen, darunter sechsstellig be­wertete Arbeiten von Liebermann, Max Ernst oder Poliakoff, unerwartet um­worben hingegen zeigten sich „Drei Mas­ken“ von Hannah Höch: Auf 20.000 Euro lautete der Aufruf für das auf Holz gemalte Bild, bei 70.000 Euro schaltete sich ein neuer Bieter ein, doch erst bei 85.000 Euro hatte es sein Käufer aus Tschechien sicher. Verlass war auf Paul Klee, dessen großformatige Kleisterfarbenzeichnung „Haelften, der Clown“, ehemals Teil der Klee-Sammlung Bürgi, mit 160.000 Euro die Untertaxe bestä­tigte.

          Die zeitgenössische Partie sah eine Collage von Christo und Jeanne Claude mit 110.000 Euro vorn (60.000/80.000). Sie gehört in den Kontext des großen „Val­ley Curtain“-Projekts im Rifle-Tal der Rocky Mountains von 1971 und wan­derte ebenso an eine Münchner Privat­adresse wie William Kentridges „Breathe“ mit 85.000 Euro (55.000/ 65.000): Auf acht Tuschezeichnungen rauscht eine Tänzerin über diese Vorlagen für das gleichnamige Künstlerbuch.

          Zuschlag bei 42.000 Euro: Kiki Smith’ von Lewis Carroll inspirierte Skulptur „Seer (Alice I)“, 2006, Gusseisen mit bräunlicher Patina, ca. 32 mal 36 mal 22 Zentimeter, eines von  3 numerierten Exemplaren (Taxe 25.000 bis 35.000 Euro)
          Zuschlag bei 42.000 Euro: Kiki Smith’ von Lewis Carroll inspirierte Skulptur „Seer (Alice I)“, 2006, Gusseisen mit bräunlicher Patina, ca. 32 mal 36 mal 22 Zentimeter, eines von 3 numerierten Exemplaren (Taxe 25.000 bis 35.000 Euro) : Bild: Katalog Karl & Faber

          Kiki Smith’ Eisenskulptur „Seer (Alice I)“ stieg auf 42.000 Euro (25.000/35.000). Auch drei auf jeweils 15.000 bis 20­.000 Euro taxierte Suppendosen-Serigraphien von Warhol waren im Nu verkauft. Als beliebteste Sorte schnitt mit 40.000 Euro die „Green Pea Soup“ ab. Neben all diesen Amerikanern behauptete sich Günter Förg mit einer Luftlack- Malerei von 1993, sie stieg mit 55.000 Euro etwas über die Obertaxe.

          Spaß machen immer Überraschungskarrieren, hier zum Beispiel drei Sonnenuntergänge am Zuger See; der Schweizer Jean-Frédéric Schnyder bannte sie 1996 auf Leinwand, sie brachten Zuschläge bis 45.000 Euro (je 15.000/20.000) aus der Schweiz. Oder die Materialcollage „Ohme Jupp“ des Fluxuskünstlers Robert Filliou, die ihre Untertaxe auf 30.000 verdreifachte. Schließlich auch der Wiener Symbolist Rudolf Jettmar mit einer Zeichnung von drei vollbusigen Sirenen, die spielend auf 18.000 Euro kletterte (3000/4000).

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