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Kapoor in München : Das Sichtbare mit dem Mysteriösen verschmelzen

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Sein Werke mussten mit einem Kran in die Galerie gehievt werden. Eine Schau mit Arbeiten von Anish Kapoor schließt das vierzigjährige Jubiläum der Galerie Klüser in München ab

          Nur mit einem Spezialkran, der im Treppenhaus des Schwabinger Altbaus in der Georgenstraße installiert wurde, gelang es, drei von Anish Kapoor für seinen Münchner Auftritt geschaffene Werke in Millimeterarbeit in den zweiten Stock zu hieven. Dort besetzen die mächtigen „Monochrome Graves“ in Rot, Blau und Gelb je einen eigenen Raum der Galerie Klüser. Wie Aushub formlos gehäuft, geben sie in der Mitte eine präzise Hohlform mit rechten Winkeln und geraden Kanten frei. Tatsächlich erinnern sie an Gräber, wie der Titel sagt, doch ihre Farben leuchten fröhlich wie zum Karneval.

          Geometrische Körper, die er mit ungebundenen Pigmenten überpuderte, machten den Künstler berühmt. Die Graves aber, mit denen er nach langer Pause zu den bunten Stäuben zurückkehrt, bestehen ganz aus Farbe, aus in Harz gebundenen Pigmenten. Am liebsten würde man in die lose und fluffig wirkenden Farbhaufen hineingreifen, obwohl Berühren natürlich untersagt ist; denn Kapoors Werken eignet eben eine starke Sinnlichkeit. Damit sind weniger die Vulvaformen gemeint, die neue Gouachen und Fiberglasobjekte des öfteren zitieren. Sondern physische Reize, wie sie auch die berühmten, zur „Interaktion“ herausfordernden Hohlspiegel ausüben, in denen Betrachter mal nudeldick, mal spindeldürr kopfstehen. Oder Riesenplastiken wie das berühmte „Cloud Gate“ in Chicago, dessen bohnenförmiger Spiegelkörper wilde Verzerrungen produziert.

          Kunst, die man fast riechen kann

          Mit der Anish-Kapoor-Ausstellung hat Bernd Klüser zum Abschluss seines vierzigjährigen Galeriejubiläums nochmal weit ausgeholt. Galerist und Künstler kennen sich zwar seit langem, und nicht zuletzt verbindet sie die Verehrung für Joseph Beuys, dessen Arbeiten beide sammeln; Klüser hat Beuys seit seinen frühesten Jahren als Galerist ausgestellt. Aber noch nie hatten er und der 1954 in Bombay geborene, seit 1973 in London lebende Kapoor miteinander gearbeitet. Überhaupt ist dies die erste Einzelausstellung des Kunststars in einer deutschen Galerie. Seinem Neuzugang überließ Klüser auch den zweiten Galeriestandort in der Türkenstraße. Die dort installierten biomorphen Wandplastiken meint man fast riechen zu können. Denn die ungeschlachten, in durchsichtige Folien und Gazen eingebundenen Klumpen aus blutig rot durchgefärbtem Silikon erinnern an gigantische Batzen rohen hautlosen Fleisches. Sie drücken sowohl Verletzlichkeit aus wie auch Brutalität und unterstehen damit einem Prinzip der Zweiheit, das Kapoors gesamtes Schaffen durchzieht: vor allem dort, wo er das Äußere mit dem Vordringen ins Innere verschmilzt und das Sichtbare mit dem ihm so explizit wichtigen Mysteriösen.

          Bernd Klüser gründete seine Galerie 1978 nach Abschluss seiner Ausbildung zum Juristen. Zunächst mit Jörg Schellmann. Dann half er als – stets von seiner Frau Verena unterstützter – Solist, der zeitgenössischen Kunst in München Bahn zu brechen. Das begann schon 1976, als der berühmt gewordene, letztlich glücklich gewonnene Kampf um Beuys und seine Installation „Zeige deine Wunde“, die von Schellmann und Klüser im damaligen „Kunstraum“ ausgestellt war, in der Stadt einen Riesenskandal auslöste. Im Lauf der Jahre kam ein erlesener internationaler Künstlerstamm zusammen, darunter Andy Warhol, Tony Cragg, Christian Boltanski, Jannis Kounellis, Sean Scully, Donald Baechler, Jan Fabre, Olaf Metzel, Jorinde Voigt oder Gregor Hildebrandt – und nun Anish Kapoor mit seiner kapitalen Premiere. (Die „Monochrome Graves“ kosten je 800.000 Pfund, die Silikon-Arbeiten zwischen 400.000 und 600.000 Pfund, Gouachen 80.000 Pfund. Bis zum 9.März.)

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