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Junge Kunst in Teheran : Mobârak bâshe zur Premiere

Gegenwartskünstler haben in Iran einen schweren Stand. Manchen zwingt der Erfolg ins Exil, doch das Ergebnis einer Kunstauktion in Teheran weckt Hoffnung.

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          Mit Iran verbinden wir Unterdrückung von Menschen, Atomängste, Machtgerangel und eine Jugend, die rebelliert, aber wenig Hoffnung für die Zukunft. Die Kunstszene von Iran ist allerdings überraschend lebendig, wenn auch meist im Verborgenen. Die Künstler dort sprechen nicht gerne von ihrem Untergrund-Leben.

          Sie begreifen Kunst als Möglichkeit aufzubegehren. Wie schmal ihre Chancen sind, zeigen Künstlerbiographien der vergangenen Jahre: Die Brüder Ramin und Rokni Haerizadeh zum Beispiel begannen in Hinterzimmern ihrer Teheraner Wohnungen; Jahre später hatten sie Erfolg mit ihrer regimekritischen Kunst, denn es gab eine neue Aufmerksamkeit international. Aber ihr Land mussten sie zur Strafe für den Erfolg verlassen. Was bleibt zurück? Was geschieht vor Ort?

          Vergangene Woche erlebte das Azadi Hotel einen historischen Moment: „Teheran Auction“ hielt im Norden der Stadt die erste Versteigerung von Gegenwartskunst in Iran ab - mit einem Gesamtumsatz von 21,5 Milliarden Rial, das sind umgerechnet 1,35 Millionen Euro. Mobârak bâshe - herzlichen Glückwunsch. Die Schätzung lag bei 955.000 bis 1,35 Millionen Euro.

          Man darf dies durchaus als Zeichen eines neuen Selbstbewusstseins im Umgang mit Gegenwartskunst werten. Alle 73 Lose wurden verkauft. In der Auktion fanden neben Werken bekannter Künstler wie Parviz Tanavoli, Hossein Zenderoudi, Aydin Aghdashloo und Mohammad Ehsaei auch junge Künstler eine Bühne: Mehrdad Mohebali, Hamed Rashtian, Pouya Arianpour, Shahriar Ahmadi, Adel Younesi und Mojtaba Tajik. Vor gesellschaftlich markanten Setzungen fürchten sie sich nicht.

          Die eindeutige politische Geste fehlt freilich. Sie versteckt sich, fabelgleich. Das Spitzenlos der Auktion war ein abstraktes Bild von 1967 vom traditionellen Dichter und Maler Sohrab Sepehri für 1,9 Millionen Rial, umgerechnet also 123.000 Euro. Das alles andere als abstrakte Schwarzweißfoto einer Kuh von dem in der internationalen Diskussion präsenten Filmemacher und Fotografen Abbas Kiarostami spielte mehr als 23.000 Euro ein.

          Dieses mutige Engagement des Organisators der Auktion, Alireza Samiazar, ehemaliger Direktor des Museums für zeitgenössische Kunst in Teheran und Senior Editor des Magazins „Art Tomorrow“, ist auf Dauer angelegt. Stetige Basisarbeit wie diese ist lebenswichtig für Irans Künstler und ihre Hoffnung auf eine nicht nur kulturpolitische Wende.

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