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Jubiläumsauktionen : Glanz im Saal

Gut 25 Millionen Euro spielte die Prestige-Veranstaltung der Villa Grisebach mit ihrer Jubiläumsauktion ein. Aber auch die mehr als 400 Nummern umfassende Hauptauktion am folgenden Tag sah einige Glanzlichter.

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          Mit sechs einzelnen Auktionen beging die Berliner Villa Grisebach ihr zwanzigjähriges Bestehen, und das Jubiläum geriet zum eindrucksvollen Erfolg. Die Abendauktion mit den „Ausgewählten Werken“ hatte starke Momente in vibrierenden Bietgefechten, oft unter Beteiligung des Hauptsaals und des oberen Saals, in den die Veranstaltung per Bildschirm übertragen wird, und souverän geführt vom Auktionator Peter Graf zu Eltz. Der erste Schwung kam auf, als eine besonders oszillierende „Nächtliche Straßenszene, Berlin“ von Lesser Ury bei 60.000 Euro zum Aufruf kam und durch lebhafte Saalgebote erst bei 160.000 Euro (Taxe 90.000/120.000) einem Bieter im oberen Geschoß zufiel.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Ein wirklich traumhaft schöner Liebermann trug gleich darauf die Nummer 9. „Das Rondell im Heckengarten mit Blumensprengerin“ und schweizerischer Privatprovenienz war mit 400.000 bis 600.000 Euro beziffert, und der Auktionator aktivierte sein Publikum bei 300.000 Euro. Bernd Schultz, der Gründer und Mitinhaber der Villa Grisebach, saß im Saal mit einem Mobiltelefon und sein Kontrahent ebenfalls. Minutenlang dauerte das Ringen in geduldigen Schritten, bis Schultz seinem telefonischen Bieter den Zuschlag verkünden konnte - bei 1,9 Millionen Euro und von Applaus belohnt. Das fällige Aufgeld eingerechnet, bezahlte der ungenannte süddeutsche Privatsammler knapp 2,2 Millionen Euro für seine Trophäe.

          Versunkene Anmut von August Macke

          Im Kielwasser zogen die beiden folgenden Liebermann-Werke mit: Eine Ölstudie von „Reiter und Reiterin am Strand“ ging für 165.000 Euro (80.000/100.000) an ein Gebot im oberen Saal, und der kleine sprühende „Nutzgarten in Wannsee nach Nordwesten“ blieb für 420.000 Euro (150.000/200.000) schließlich im Hauptsaal. Gewiß ihrer in das Spiel versunkenen Anmut verdankt August Mackes „Frau mit Guitarre“ aus dem Jahr 1911 ihren Erfolg, als sie ein telefonischer Bieter, der sich zuvor auch mit dem Saal auseinandersetzen mußte, erst für 350.000 Euro (180.000/240.000) erobern konnte. Seines Kollegen Pechstein etwas späteres „Bildnis in Grün und Rot“ einer drall-lasziven modernen Verführerin mit Venusspiegel in der einen und Apfel in der anderen Hand fand dagegen bei geschätzten 120.000 bis 150.000 Euro keinen Liebhaber.

          Insgesamt blieben von 99 Losen des Abends fünfzehn liegen, darunter auch empfindliche Rückgänge wie ein weiterer Pechstein, nämlich schwungvoll „Badende Knaben in der Brandung“ als eines der Spitzenstücke (400.000/500.000) oder Beckmanns attraktive - aber wohl doch zu hoch angesetzte - Gouache „Junge Frau mit Glas“ auf Bütten (200.000/ 250.000) und Picassos sparsame Sepia-Federzeichnung von 1903 eines „Toréador“ (150.000/200.000). Matisse' versonnenes Bleistift-“Portrait d'une femme (Anneliese Nelck)“ reüssierte dann wieder mit 125.000 Euro (90.000/120.000), bewilligt, in einem Auftrag, von der Repräsentantin des Auktionshauses in der Schweiz im Saal.

          Eigener Katalog für Emil Nolde

          In einer klugen Regie war nach den ersten 25 Losen - und gleich nach Schmidt-Rottluffs prallem „Haus im Schnee“, das für 650.000 Euro (500.000/700.000) im Saal blieb - eine Gruppe von zwanzig Aquarellen Noldes eingeschoben, der ein eigener Katalog gewidmet war; fünf unter ihnen gingen ohne Gebot zurück: Eine so dicht versammelte Auswahl schärft naturgemäß auch die Sinne der Interessierten.

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