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Jubiläumsauktionen : 1450 Lose suchen ihre Sammler

Vom 30. November bis zum 2. Dezember wird die Berliner Villa Grisebach mit einem Jubiläumsaufgebot ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern. Die Gesamtschätzung der sechs Auktionen liegt bei rund 18,5 Millionen Euro.

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          Vom 30. November bis zum 2. Dezember wird die Berliner Villa Grisebach mit einem Jubiläumsaufgebot ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern. Insgesamt 1450 Lose werden zum Aufruf kommen in sechs Auktionen; die Gesamtschätzung liegt bei rund 18,5 Millionen Euro. Den Anfang macht am 30. November die Fotografie mit rund 340 Positionen, den traditionellen Abschluß bildet der „Third Floor“ am Nachmittag des 2. Dezember mit gut 500 überwiegend Papierarbeiten bei Schätzwerten bis zu 3000 Euro.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Vor der Hauptveranstaltung mit den „Ausgewählten Werken“ steht am 1. Dezember die Sammlung Hopf; Peter Hopf (1937 bis 2004), selbst Maler und Bühnenbildner, leitete das „Kunstamt“ des Berliner Arbeiterbezirks Wedding und widmete sein eigenes Sammeln den Künstlern der „Novembergruppe“, die aus dem Geist der Revolution von 1918 entstand. Zu den Spitzenstücken bei den Werken von Rudolf Ausleger, Bernhard Hasler, Moritz Melzer oder Otto Möller zählt dessen kubistischer „Don Quichote I“ von 1921/22, geschätzt auf 50.000 bis 70.000 Euro.

          Kristalline Komposition von Feininger

          Die „Ausgewählten Werke“ durchmessen in 99 Losen die Strecke von einem der präzisen Aquarell-Interieurs Eduard Gaertners - „Blauer Salon“ von 1848 (Taxe 5000/7000 Euro) - bis zu einem der verrätselten Räume des aktuellen Maler-Stars Matthias Weischer von 2001 - dem Großformat „Bulgarisches Haus“ von 2001, beziffert mit starken 100.000 bis 150.000 Euro. Dazwischen ragen Solitäre, allen voran Lyonel Feiningers „Hohe Häuser IV“ aus dem Jahr 1919, die mit der Schätzung von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro an den aktuellen Auktions-Spitzenpreis für Feininger anschließen.

          Das Bild rückt zusätzlich in den Fokus durch die Vorprovenienz des Erfurter Fabrikanten Alfred Hess, aus dessen einstigem Besitz eben die aus dem Berliner Brücke-Museum an die britische Erbin erstattete „Berliner Straßenszene“ Kirchners kommt, wie auch Franz Marcs „Kleine blaue Pferde“ und Feiningers „Barfüßerkirche in Erfurt“ in der Stuttgarter Staatsgalerie, auf die ebenfalls Restitutionsansprüche geltend gemacht sind. Weil Feiningers kristalline Komposition aber erst 1950 von Alfred Hess' Ehefrau Thekla und ihrem Sohn Hans von London aus verkauft wurde, ist das Werk unbehelligt von solchen Forderungen. Feiningers, des amerikanischen Staatsbürgers, eigene Erfahrung von Vertreibung und Ausgesetztsein spiegelt sich in seiner „Düne am Abend II“ von 1937, taxiert mit 500.000 bis 700.000 Euro.

          Er, der sich in Deutschland sicher wähnte, erhielt im März 1937 die Vorladung eines nationalsozialistischen Amts zur „Feststellung seiner Identität“; im Juni 1937 verließ er Deutschland, um aus Amerika nicht mehr zurückzukehren. Tatsächlich, so beweist es der Blick in diesen Auktionskatalog, können auch die Kunstwerke in einer Versteigerung beredte Zeugen der politischen Geschichte sein.

          Impressionistische Bildwürdigkeit

          Zu den - noch unbeschwerten - Hauptstücken zählt Liebermanns Darstellung des „Rondell im Heckengarten mit Blumensprengerin“ aus seinem Wannseegarten, das auch den roten Gartenschlauch samt spritzendem Wasser 1925 zur impressionistischen Bildwürdigkeit erhebt (400.000/600.000). Die Katalogbeschreibung verzeichnet das sprühende Bild aus einer Privatsammlung als Leihgabe im Kunstmuseum Winterthur und dann bis 2004 im dortigen Museum Oskar Reinhart.

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