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Jubiläum bei Reiss & Sohn : Zwölf Artikel für die Freiheit

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Kleines Schema, große Wirkung: Darstellung des Planetensystems mit der Sonne im Zentrum aus: „De revolutionibus orbium coelestium libri VI“ von Nikolaus Kopernikus, Basel 1566 (150.000 Euro). Bild: Reiss & Sohn, Königstein im Taunus

Mit einer Schrift von Kopernikus zu den Sternen, mit der ersten je gedruckten Landkarte zurück zur Erde: Reiss & Sohn in Königstein feiert fünfzig Jahre Auktionen mit einem beachtlichen Angebot.

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          Der Gedanke, dass wissenschaftliche Erkenntnisse für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten, wäre Nikolaus Kopernikus wohl reichlich absurd vorgekommen. „Astronomie wird für Astronomen geschrieben“, lautet ein Zitat aus seinem Werk „De revolutionibus orbium coelestium“, in dem er die Sonne erstmals ins Zentrum unseres Planetensystems stellt. Sein Manuskript hielt der Gelehrte lange Zeit zurück, vermutlich, weil er sich vor den unqualifizierten Kommentaren seiner Zeitgenossen fürchtete. Erst nachdem sein Schüler Joachim Rheticus eine Einleitung dafür, die „Narratio Prima“, vorab veröffentlichte, konnte der fast siebzigjährige Kopernikus zum Druck überredet werden. Im Jahr 1566 erschienen die beiden Texte erstmals vereint in der zweiten Ausgabe von „De revolutionibus orbium ...“ Ein Exemplar ist nun – mit einer Schätzung von 150.000 Euro – Höhepunkt der Jubiläumsauktion bei Reiss & Sohn in Königstein vom 27. bis zum 30. April.

          Besondere Stücke im Sonderkatalog

          Das Haus feiert fünfzig Jahre Auktionen mit einem beachtlichen Angebot von rund 3100 Losen, darunter wertvolle Bücher, Handschriften, Landkarten, Graphiken und Fotografie. Ein Sonderkatalog präsentiert besondere Stücke, wie zwei reich illustrierte Stundenbuch-Handschriften auf Pergament, die im Frankreich des ausgehenden 15. Jahrhunderts entstanden (Taxe 38.000/40.000 Euro), oder ein Exemplar der seltenen „Chronecken der Sassen“ von Konrad Botho, die berühmt für ihre zahlreichen Stadtansichten ist: Das 1492 in Mainz von Peter Schöffer gedruckte Buch enthält 1255 Textholzschnitte in altem Kolorit (20.000). Ebenfalls unter den Inkunabeln findet sich die erste, jemals gedruckte Landkarte überhaupt: Als Günther Zainer 1472 in Augsburg die Mittelalter-Enzyklopädie „Etymologiae“ des spanischen Bischofs Isidor von Sevilla vervielfältigte, kopierte er auch dessen schematische Welt-Darstellung mit Africa, Asia, Europa und Mare Magnum (20.000).

          Farbdruck im Mezzotinto-Verfahren: Maispflanzen aus Wilhelm Weinmanns: „Phytanthoza-Iconographia“ (50.000 Euro)
          Farbdruck im Mezzotinto-Verfahren: Maispflanzen aus Wilhelm Weinmanns: „Phytanthoza-Iconographia“ (50.000 Euro) : Bild: Reiss & Sohn

          Ausgewählte Pflanzen

          Nicht nur besonders selten, sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis deutscher Freiheitsbewegung sind die Drucke der „Zwölf Artikel“ von 1525. Sie enthielten die erstmalige Formulierung von Freiheits- und Menschenrechten auf deutschem Boden und wurden daher im Bauernkrieg von den Grundherren verfolgt und vernichtet. Für einen Erstdruck der brisanten Schriftstücke werden 60.000 Euro erwartet. Liebhaber botanischer Illustrationen dürfen sich über zwei der schönsten Pflanzen-Bücher des Barocks freuen, die teilweise mit Darstellungen des berühmten Pflanzenmalers Georg Ehret ausgestattet sind. Besonders umfassend ist die vierbändige „Phytanthoza-Iconographia“ des Augsburger Apothekers Johann Wilhelm Weinmann, die von 1737 bis 1745 entstand; gut 4000 Pflanzen aus der ganzen Welt werden auf 1025 durchweg farbig gestochenen Kupfertafeln gezeigt (50.000). Eine Auswahl von meist exotischen Pflanzen auf 110 altkolorierten Kupfertafeln bieten die „Plantae selectae“ des Nürnberger Arztes C.J. Trews, die in den Jahren 1750 bis 1790 entstanden sind (30.000).

          Zwei der vier Auktionstage sind der Geographie und dem Reisen gewidmet. Dazu gehören wertvolle Atlanten, wie das belgische Städtebuch von Joan Blaeu, in der dritten lateinischen Ausgabe von 1652 mit 296 Stadtansichten und Plänen (75.000) oder das Städtebuch der Niederlande seines Konkurrenten Johann Janssonius von 1657, mit 113 Ansichten und Plänen (75.000). Noch älter ist ein 76,5 mal 84 Zentimeter messendes Blatt mit der Stadtansicht von Jerusalems Der 1563 in Frankfurt gedruckte Kupferstich bietet trotz seines schlechten Zustands eine eindrucksvolle Sicht aus halber Vogelperspektive auf die heilige Stadt. Für Sammler besonders bedeutsame dürfte sein, dass es sich dabei um eines von nur zwei bekannten Exemplaren der Karte handelt: Eines davon befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, also ist das angebotene das Einzige auf dem Markt (15.000).

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