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Auktion in München : Von schönen Frauen

  • -Aktualisiert am

Für 2,4 Millionen Euro versteigert: Alexej von Jawlenskys „Frauenkopf mit Blumen im Haar“, 1913, Öl auf Malpappe, 53,5 mal 49,3 Zentimeter Bild: Ketterer

Was für eine Wiederentdeckung: Bei Ketterer kommt ein Frauenkopf von Jawlensky aus dem Jahr 1913 beim Evening Sale aufs Pult. Und ähnlich hochklassig geht es weiter.

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          Mit einer Neuentdeckung – einer Zeichnung von Egon Schiele – startet Ketterers Evening Sale am 10. Dezember. Das partiell aquarellierte, von Klimts „Danae“ inspirierte Blatt einer hübschen Schlafenden von 1908 schenkte der junge Schiele seinem Künstlerkollegen Karl Hayd. 150.000 bis 250.000 Euro soll es einspielen. Im hochkarätigen Angebot zur Klassischen Moderne folgt eine der attraktiven arabischen Reiterszenen, die Kandinsky 1905 in Tunesien mit Tempera auf dunklem Karton festhielt (Taxe 150.000/180.000 Euro).

          Später läuft sich eine Jawlensky-Offerte mit drei Werken warm, bevor als Toplos des Tages sein „Frauenkopf mit Blumen im Haar“ aufs Pult kommt: auch dies eine Wiederentdeckung. Nach hundert Jahren im Besitz einer Familie, die es über Galka Scheyer erwarb, tauchte das um 1913 in kräftigen Farben gemalte Bildnis einer Frau südländischen Typs wieder auf und zielt nun, mit der Echtheitsbestätigung des Jawlensky-Archivs versehen, auf 2,5 bis 3,5 Millionen Euro.

          Emil Noldes „Buchsbaumgarten“, 1909, Öl auf Leinwand, 63 mal 78 Zentimeter, erreichte 1,8 Millionen Euro.
          Emil Noldes „Buchsbaumgarten“, 1909, Öl auf Leinwand, 63 mal 78 Zentimeter, erreichte 1,8 Millionen Euro. : Bild: Ketterer

          Ein weiteres Großkaliber malte Emil Nolde 1909 mit dem bunten „Buchsbaumgarten“, den Ernst Gosebruch, der bis 1933 überaus fortschrittlich tätige Museumsdirektor in Essen, privat besaß. Den Erben des späteren Eigentümers Ismar Littmann wurde das Bild erst in diesem Jahr restituiert (1,2/1,8 Millionen Euro). Trickreich datierte Ernst Ludwig Kirchner eine in Öl skizzierte Bordellszene mit „05“ – weit vor dem tatsächlichen Entstehungsbeginn von 1913 (400.000/600.000). Von Max Beckmann sind seine schlummernden Hündchen „Majong und Chilly“ zu haben (400.000/600.000) und von Georg Kolbe jener Guss seiner „Javanischen Tänzerin“ von 1920, den er dem Architekten seines Berliner Atelierhauses schenkte (120.000/180.000).

          Georg Kolbe, „Javanische Tänzerin“, 1920, Bronze mit schwarzbrauner Patina, 73 Zentimeter hoch, Schätzpreis 120.000 bis 180.000 Euro
          Georg Kolbe, „Javanische Tänzerin“, 1920, Bronze mit schwarzbrauner Patina, 73 Zentimeter hoch, Schätzpreis 120.000 bis 180.000 Euro : Bild: Ketterer

          Die Nachkriegsmoderne repräsentiert ein kraftvolles, marktfrisches Schwarzbild, das Pierre Soulages mit „3 août 1954“ datierte (700.000/900.000). Ein wahres Kraftfeld bringt auch Sean Scullys „Blue Yellow Figure“ von 2004 ein (600.000/800.000). Nach figurativen Einschüben des Bildnisses einer „Tara“ von Alex Katz (350.000/450.000) und Francis Picabias vielleicht Marlene Dietrich porträtierendem „La Résistance“ von etwa 1943 (250.000/350.000) geht es mit Abstraktionen in Gestalt der fünf farbsprühenden Aquarelle „Colmar (I–V)“ von Gerhard Richter weiter (500.000/700.000). In seiner Übergangsphase zur „metamorphotischen Abstraktion“ entstand 1988 Albert Oehlens Triptychon mit einem Frauenbildnis in der Mitte (1,5/2,5 Millionen).

          Die Auktion zum 19. Jahrhundert am 11. Dezember setzt Spitzen bei Max Liebermanns Ölbild „Dorfhäuser mit Sonnenblumen“ von 1890 (70.000), „Hofmusikanten in Greifswald“, gezeichnet von Caspar David Friedrich im Jahr 1801 (20.000/30.000) sowie bei Phi­lipp Otto Runges 1800 als Neujahrsgruß gefertigtem Scherenschnitt (50.000).

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