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Jahresbilanzen : Europa ist stark, doch das Internet stärker

  • -Aktualisiert am

Die Bilanzen der internationalen Auktionshäuser Sotheby’s und Christie’s dienen jedes Jahr als wichtiger Gradmesser des Marktes. Und sie zeigen: Die Geschäfte laufen blendend.

          Sotheby’s hat im Jahr 2011 einen Umsatz von 5,8 Milliarden Dollar gemacht - 21 Prozent mehr als im Vorjahr - , dicht gefolgt von Christie’s mit 5,7 Milliarden Dollar, was einer Steigerung von vierzehn Prozent entspricht. Das Geschäft mit Auktionen läuft also blendend, wenn auch nicht besser als im vergangenen Jahr. Noch erfolgreicher entwickelten sich die Private Sales: Bei Sotheby’s spricht man von einem Rekordumsatz von rund 815 Millionen Dollar, was einer Steigerung von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Christie’s kommt hier mit einer Steigerung von fünfzig Prozent auf 808 Millionen Dollar. Steven Murphy, der Chef von Christie’s, ließ verlauten, dass es ein wachsendes Publikum aus aller Welt gebe, das den Kunstmarkt auf jedem Niveau und in jeder Sammelkategorie stärke. In unsicheren Zeiten gelte Kunst als sichere Währung.

          Christie’s muss keine Zahlen zum Profit der Firma offenlegen, hat aber trotzdem interessante Informationen parat: Als stärkste Abteilung hat sich bei Christie’s „Post-War and Contemporary“ mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar an die vorderste Stelle katapultiert, das bedeutet eine Steigerung von 27 Prozent. Den höchsten Preis des Jahres erzielte in New York Roy Lichtensteins „I Can See the Whole Room! ... and There’s Nobody in it!“ von 1961 für 38,5 Millionen Dollar, weitere Zugpferde waren hier wieder Warhol, Rothko und Bacon, außerdem gab es neue Rekorde für Louise Bourgeois, Cindy Sherman und viele andere.

          Es folgt - nein, nicht Impressionismus und Moderne - sondern die Asiatische Kunst, die eine Steigerung von siebzehn Prozent auf 890 Millionen Dollar erlebt hat. Das Spitzenlos stammt von dem Zeitgenossen Cui Ruzhuo: Seine Tuschezeichnung „Lotus“ spielte in Hongkong umgerechnet 15,9 Millionen Dollar ein. Erst auf den dritten Platz kommt mit 883 Millionen Dollar die Abteilung Impressionismus und Moderne, die einen Einbruch um 25 Prozent hinnehmen muss. Im Jahr 2011 war eben kein Neunzig-Millionen-Dollar-Picasso zur Hand wie noch im Vorjahr.

          Rekord für Pferde von George Stubbs

          Der Zuwachs von 41 Prozent bei den Juwelen auf sechshundert Millionen Dollar ist zum Großteil dem Geschmeide von Elizabeth Taylor zu verdanken, aber auch eine berühmte Perle aus dem 16. Jahrhundert mit dem klangvollen Namen Peregrina war mit 11,8 Millionen Dollar ein Höhepunkt. Auch Möbel und Kunsthandwerk, Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts, Britische und Irische Kunst, Design des 20. Jahrhunderts und Wein haben teilweise stark zugelegt. Herausragend hierbei zeigte sich George Stubbs Pferdeporträt „Gimcrack on Newmarket Heath“, das im Juli in London 32 Millionen Dollar markierte und damit zum teuersten Altmeistergemälde bei Christie’s jemals avancierte.

          Insgesamt gab es bei Christie’s 719 Arbeiten, die inklusive Aufgeld mehr als eine Million Dollar eingespielt haben, das sind rund hundert mehr als im Vorjahr. Gleich geblieben ist die durchschnittliche Verkaufsrate: Solide 79 Prozent aller Lose fanden ein neues Zuhause. Die höchste Verkaufsrate von 87 Prozent haben Werke im Preissegment zwischen 250 000 und einer Million Pfund zu verbuchen, also im mittleren Bereich.

          Christie’s lässt verlauten, dass 77 Prozent der Käufer aus Amerika und Europa kommen, dreizehn Prozent aus China, das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr, während sich die Kunden aus Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten um fünfzehn Prozent verstärkten. Zwölf Prozent des Umsatzes hat Christie’s neuen Käufern zu verdanken. Der Umsatz im amerikanischen Binnenmarkt ist um drei Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar gesunken, in Dubai sogar um 64 Prozent auf nur 18,6 Millionen Dollar, während in Europa Werke für 2,2 Milliarden verkauft wurden, was einer Steigerung von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

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