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Bilanz aus Paris : Manchmal eine Frage des Gefühls

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Die Bilanz der Auktionen in Frankreich. Sotheby’s übernimmt 2018 die Spitze. Insgesamt läuft es im zweiten Halbjahr bedächtiger, aber der Markt bleibt stabil.

          Das Glückslos, Spitzenwerke oder spektakuläre Sammlungen zum Verkauf angeboten zu bekommen, zieht nicht in jedem Jahr dasselbe Versteigerungshaus. Abgesehen von den umstrittenen Garantien, mit denen große Auktionsfirmen Blue-Chip-Kunst anziehen, ist es oft eine Frage der guten Kontakte, wem ein Werk, gar eine Sammlung zur Versteigerung anvertraut wird. Im Jahr 2017 konnte Christie’s mit Alberto Giacomettis „Grande femmeII“ für 22 Millionen Euro und „Jim Crow“ von Jean-Michel Basquiat für 13,2 Millionen Euro den Vogel abschießen. Nun, 2018, hat Sotheby’s wieder aufgeholt und setzt sich bei einem kontinuierlich steigenden Umsatz mit Einnahmen von 251,4 Millionen Euro an die Spitze.

          Selbst wenn im Bereich von Nachkriegs- und Gegenwartskunst diesmal keine zweistelligen Millionenbeträge für ein Werk erreicht wurden, floriert der Sektor. Sotheby’s kann seit 2012 eine Umsatzverdoppelung melden. Manches Werk, an das sich höhere Erwartungen knüpfen, wäre früher eher in London als in Paris angeboten worden: Ein Beispiel dafür ist, neben den genannten Giacometti und Basquiat, das Zeitgenossen-Spitzenlos von 2018, das Gemälde „Takao“ von Kazuo Shiraga, das im Juni bei Sotheby’s nach einer Schätzung von 1,8 bis 2,5 Millionen erst bei 7,6 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Mario Tavella, Präsident von Sotheby’s Frankreich, konnte sich über das „außergewöhnliche Jahr 2018“ freuen, zumal auch der höchste Preis im französischen Kunsthandel überhaupt in seinem Haus erzielt wurde: Eine chinesische Vase der Qing-Dynastie, die in einem Schuhkarton auf dem Dachboden gefunden worden war, kletterte bei der Asiatika-Auktion im Juni, angesichts einer Schätzung von 500.000 bis 700.000 Euro, auf 14,2 Millionen Euro.

          Dass die prestigereiche Sammlung mit der Innenausstattung der vier letzten Residenzen von Pierre Bergé nicht etwa Christie’s zugesprochen wurde, sondern dass Sotheby’s den Auftrag bekam, sie in Zusammenarbeit mit Pierre Bergés Auktionshaus PBA zu versteigern, ist für Mario Tavella ein besonderer Erfolg: „Wir haben diese Kollektion gewonnen, weil wir Enthusiasmus und unsere enorme Überzeugung gezeigt haben. Es war eine Frage des Feelings zwischen uns und dem Verkäufer.“ Ende Oktober konnten sämtliche fast tausend Lose während drei Tagen, an denen Bieter aus 72 Ländern sich beteiligten, zugeschlagen werden, meist zu Preisen jenseits der oberen Schätzung. Der Orientalismus des 19.Jahrhunderts liegt im Trend: So entbrannte das zäheste Gefecht um „La porte du sérail, souvenir du Caire“ von Jean-Jules-Antoine Lecomte du Noüy. Der Hammer für das Gemälde fiel schließlich bei zwei Millionen Euro (Taxe 400.000/600.000). Beinah so hoch – auf 1,9 Millionen Euro (300.000/ 500.000) – stieg Ludwig Deutschs orientalischer „Palastwächter“ aus dem Jahr 1888.

          Eine Gruppe von zwölf Gemälden Bernard Buffets aus den fünfziger Jahren bildete das persönliche Herzstück von Bergés alle Sparten von Kunst und Design umfassenden Sammlung. Das höchste Gebot erging mit 580000 Euro (80.000/ 120.000) für „Couple nu assis“, gefolgt von Buffets „Autoportrait sur fond noir“ mit 550.000 Euro (100.000/ 150.000). Sotheby’s versteigerte 2018 insgesamt zwanzig Sammlungen, darunter im zweiten Halbjahr die kenntnisreiche Kollektion von Elizabeth Pryce mit ozeanischer Stammeskunst oder die Werke des 20.Jahrhunderts der Galeristen Natalie Seroussi und Daniel Cordier. In den Auktionen mit Gegenwartskunst im Dezember erging der höchste Zuschlag für ein Werk von Jean-Paul Riopelle: Mit 3,7 Millionen Euro erfüllte das monumentale Gemälde „Forestine“ die obere Erwartung.

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