https://www.faz.net/-gqz-t1eb

Jacqueline Lamba : Bekannt als Frau von Breton, als Künstlerin vergessen: Ein Film über Jacqueline Lamba

  • -Aktualisiert am

Auf dem Kunstmarkt findet man ihre Werke kaum und bekannt ist sie vor allem als Ehefrau André Bretons. Ein Film von Fabrice Maze erzählt nun von ihrer Begabung als Malerin und von der Frau, deren Schönheit Breton „skandalös“ fand.

          „Die junge Frau, die gerade hereinkam, war von einem Hauch - feuergekleidet? - umgeben“, schrieb André Breton in „L'Amour fou“, „alles entfärbte sich, vereiste vor diesem Teint wie ein Traum aus Rost und Grün.“ Und: „Ich muß wohl sagen, daß - an dieser Stelle, am 29. Mai 1934 - diese Frau skandalös schön war.“

          Die Schönheit, die Breton im Café „Cyrano“ an der Place Blanche in Paris so beeindruckte, hieß Jacqueline Lamba. Die junge Künstlerin wollte den Verfechter revolutionärer Theorien über Kunst und Liebe kennenlernen und schlug ihm ein Treffen um Mitternacht vor. Dann verschwand sie. Im Revuetheater „Coliseum“ trat sie als Wassertänzerin auf. Mehr brauchte die Phantasie eines André Breton nicht, um in der Begegnung mit der „Undine“, die er im Gedicht „Tournesols“ elf Jahre früher vorwegnahm, das Werk des von ihm zelebrierten „objektiven Zufalls“ zu sehen. Alberto Giacometti und Paul Eluard waren Trauzeugen, als André Breton und Jacqueline Lamba zweieinhalb Monate später heirateten.

          Dora Maars Freundin

          Die Tochter von Jacqueline Lamba und André Breton, Aube Breton-Elléouët, hat einen Film auf DVD produziert, der das Leben ihrer Mutter nachzeichnet. „Jacqueline Lamba, peintre“ ist eine Hommage an die Frau, die knapp zehn Jahre lang das Leben Bretons und der Surrealisten teilte - und vor allem selbst Künstlerin war. Das erste Kapitel, „L'Amour fou d'André Breton“, steht im Zeichen der Begegnung mit dem Denker der Surrealisten; der zweite Teil, „La peinture jusqu'au bout du ciel“ (Die Malerei bis ans Ende des Himmels), wirft ein Licht auf das nahezu unbekannte, im Schatten einer der großen Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts entstandene, zwar nicht revolutionäre, aber äußerst eigenwillige Werk von Jacqueline Lamba.

          Jacqueline Lamba, 1910 geboren, war die Tochter des Landschaftsarchitekten José Lamba und der eleganten Jane Pinon. Im Jahr 1913 versetzte ein Auftrag des Vaters die Familie nach Kairo. Nach dem Unfalltod José Lambas kehrte die Mutter mit ihren Töchtern Huguette und Jacqueline schon im Frühjahr 1914 nach Paris zurück. Jacqueline war eine aufsässige, kunstbegabte Schülerin. Mit sechzehn ging sie vom Gymnasium ab und nahm Zeichenunterricht an der „Union Centrale des Arts Décoratifs“. Ihre Mitschülerin Theodora Markovitch, später als Dora Maar berühmt, wurde zu einer lebenslangen Freundin.

          Arm in Arm mit Frida

          Als die Mutter 1917 an Tuberkulose starb, mußte Jacqueline sich als Kaufhausdekorateurin durchschlagen. Ein in Avantgardezirkeln verkehrender Vetter gab ihr die Bücher André Bretons zu lesen. Das Porträt, das die Zeichnerin Madeleine Clouzot zu der Zeit von ihr fertigte, zeigt Jacqueline mit Garçon-Haarschnitt und Phonograph als perfekte Illustration der wilden zwanziger Jahre.

          In der ersten Zeit verbrachte sie mit Breton, umgeben von Künstlern - Man Ray verewigte sie nackt, unter anderem bei einem „Frühstück im Grünen“ à la Manet -, ein glückliches, aufregendes Dasein. Die Geburt des Wunschkinds Aube (“Morgendämmerung“) im Dezember 1935 schien die Liebe des außergewöhnlichen Paars zu besiegeln. Doch Jacqueline, die von einer Karriere als Künstlerin träumte, konnte die Anforderungen als Ehefrau, Hausfrau und Mutter nicht erfüllen. Wortlos floh sie aus der Atelierwohnung in der Rue Fontaine, manchmal für mehrere Wochen. Man raufte sich zusammen.

          Weitere Themen

          Der gezeichnete Vater

          Nachruf auf Judith Kerr : Der gezeichnete Vater

          „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ machte Judith Kerr berühmt. Lieber als über sich sprach sie von ihrem Vater, Alfred Kerr.

          Die Highlights vom roten Teppich Video-Seite öffnen

          Filmfestival in Cannes : Die Highlights vom roten Teppich

          Glamouröse Kleider, schicke Anzüge, Schuhprobleme, strömender Regen und ein Heiratsantrag... Auf dem roten Teppich des Filmfestivals in Cannes war in diesem Jahr einiges los. Hier sind die schönsten Momente an der Croisette.

          Goldene Palme geht erstmals nach Südkorea Video-Seite öffnen

          Tragikomödie „Parasite“ : Goldene Palme geht erstmals nach Südkorea

          Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes ist der südkoreanische Regisseur Bong Joon Ho für seine Tragikomödie „Parasite“ mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Damit ist er der erste Südkoreaner, der den Hauptpreis des weltweit größten Filmfests gewinnt.

          Topmeldungen

          Kandidatenfeld wächst auf acht : Wer folgt auf May?

          Acht amtierende oder ehemalige Minister aus dem Kabinett der scheidenden Premierministerin haben bislang bekundet, Theresa May beerben zu wollen. Favorit ist Boris Johnson. Es gibt allerdings auch schon prominente Absagen.

          FAZ Plus Artikel: Selbstverantwortung : Kümmer dich um mich!

          Deutschland diskutiert wieder über Sozialismus. Tatsächlich wollen Menschen nicht mehr so viel Verantwortung für ihr Leben haben. Sie lassen lieber andere für sich entscheiden. Wo ist der Wunsch nach Freiheit geblieben?

          Streit um Grenzmauer : Trump diffamiert Richter

          Präsident Donald Trump ärgert sich, weil ein Bundesrichter einen Teil der Mittel für Grenzanlagen blockiert hat. Der Richter sei ein „Aktivist“. Trump hat mittlerweile mit sieben Klagen gegen seine Mauer zu Mexiko zu kämpfen.

          Formel 1 im Liveticker : Die Silberpfeile fliegen vornweg

          Das Rennen in Monte Carlo ist legendär. In diesem Jahr starten wieder die Mercedes von ganz vorne. Am Start hat keiner der Verfolger die Chance auf ein Überholmanöver. Verfolgen Sie das Rennen im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.