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NFTs aus den Uffizien : Streit um digitalen Michelangelo

Michelangelos „Tondo Doni“ hängt in den Uffizien in Florenz - und eine digitale Version des Gemäldes jetzt bei einem italienischen Privatsammler. Bild: akg-images / Rabatti - Domingie

Italien wartet auf staatliche Richtlinien zum Umgang mit digitaler Kunst und führt Scheingefechte um einen Michelangelo, dessen Original in den Uffizien hängt. Rechtspopulisten wittern den Ausverkauf des nationalen Erbes.

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          Überall wird über NFTs gestritten und diskutiert, auch in Italien. Im Zentrum einer aktuellen Kontroverse, die wohl eher aus der Not des italienischen Sommerlochs geboren wurde und durch journalistische Unachtsamkeit und politisches Geltungsbedürfnis an Fahrt aufgenommen hat, in Wirklichkeit aber nicht viel mehr ist als heiße Luft, stehen die Uffizien.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das altehrwürdige Museum hat erst seit 2015 eine eigene Internetseite, gilt mittlerweile aber als Vorreiter für digitale Kunstvermittlung. Im Dezember 2016, als noch niemand ahnte, welchen Schwung die digitale Entwicklung einmal aufnehmen würde, tat es sich mit der Mailänder Firma Cinello zusammen, die eine patentierte Methode dazu benutzt, digitale, detailgetreue Nachbildungen von berühmten Kunstwerken zu erschaffen – sogenannte DAWs (Digital Artworks). Technisch gesehen, handelt es sich bei den in Mailand hergestellten Werken um Non-Fungible Tokens (NFTs), die in einer Blockchain zertifiziert sind. Anders als oft üblich existieren sie jedoch nicht nur innerhalb bestimmter Börsenökosysteme, sondern werden in hybrider Form vermarktet. Mit einem materiellen Teil nämlich, der meistens aus einer Holzkopie des Originalrahmens, einem Bildschirm und einem Chip besteht, auf dem die Kopie des Werks aufgezeichnet ist. Die Uffizien stellten der Firma siebzehn Werke zur Verfügung, unter ihnen auch Michelangelos „Tondo Doni“.

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