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Liste Art Fair Basel : Ukrainer in der Runde

  • -Aktualisiert am

Joanna Kamm, seit 2019 Direktorin der Liste Art Fair Basel Bild: Liste Art Fair Basel / Diana Pfanmatter

Die Liste Art Fair in Basel setzt in diesem Jahr einen Ukraine-Schwerpunkt. Joanna Kamm, die Direktorin Messe, erzählt, wie das gelungen ist.

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          Alle bekunden zurzeit Solidarität mit der Ukraine. Inwiefern geht die Liste Art Fair Basel über symbolisches Handeln hinaus?

          Das Entscheidende war, dass mich unsere osteuropäischen Galerien schon wenige Tage nach Kriegsbeginn kontaktiert haben. Wir haben von Anfang an diskutiert, wie wir die Ukraine unterstützen können. Daraus sind verschiedene Projekte entstanden: der Spendenaufruf, das ukrainisch kuratierte Filmprogramm oder die um ukrainische Künstler erweiterten Standpräsentationen. Und natürlich die Einladung an die Kiewer Galerien The Naked Room und Voloshyn.

          Ist solches Engagement für eine nicht kommerzielle Messe leichter umzusetzen? Seit diesem Jahr wird die Liste von einer Stiftung getragen.

          Wir haben eine kleine Struktur, deswegen konnten wir schnell auf den Krieg reagieren. Die Idee der Liste als Non-Profit-Organisation ist insgesamt eine unterstützende, und das Helfen steckte wahrscheinlich schon in unseren Genen. Es geht vor allem darum, jungen Künstlern und Galeristinnen aus aller Welt eine Plattform zu geben. Deshalb war es nach Kriegsausbruch für uns selbstverständlich, das auch für die ukrainische Kunstszene zu tun.

          Kreis der Gemeinschaft: Messearchitektur der Liste Art Fair Basel
          Kreis der Gemeinschaft: Messearchitektur der Liste Art Fair Basel : Bild: Liste Art Fair Basel / Gina Folly

          Mit dem Stiftungsgeld wurden Galerien gefördert, die ukrainische Positionen in ihr Programm aufgenommen haben, etwa LC Queisser aus Tiflis oder Sandwich aus Bukarest.

          Unsere Stiftung übernimmt Produktionskosten, wenn eine Galerie das benötigt. Was die Ukraine angeht, haben wir noch speziell und nachträglich gefördert. Der andere Fördertopf sind die „Friends of Liste“, die für die ukrainischen Projekte extra Geld gegeben haben. Diese Förderung ist normalerweise für herausragende, aufwendige und risikoreiche Präsentationen gedacht, kommt also auch anderen Galerien zugute.

          In welchem Preisrahmen bewegen sich diesmal die Entdeckungen an Jungem und Neuem?

          Das reicht von ein paar Hundert bis zu zwanzig- oder dreißigtausend Franken.

          Was bewirkt Ihre runde Innenarchitektur?

          Als wir 2021 wussten, dass wir eine Pandemie-Ausgabe würden machen müssen, war klar, dass wir nicht in unserem engen Gebäude im Warteck bleiben konnten. Die Messehalle, in der wir jetzt sind, ist architektonisch das Gegenteil, und ich habe überlegt: Was ist das Wichtigste, das wir mit an einen neuen Ort transportieren möchten? Es ist der Sinn für Gemeinschaft, dafür, zusammen Zeit zu verbringen, sich kennenzulernen, lebenslange Verbindungen zu schaffen, sich vielleicht Künstler zu teilen. Entsprechend habe ich unser Architekturbüro gebrieft. Daraus ist der Kreis als die alles verbindende Form entstanden.

          Kam dabei Ihr Blick als ehemalige Galeristin zum Einsatz?

          Ich habe früher ja selbst an der Liste teilgenommen, und ich verstehe die Bedürfnisse der Galeristen sehr gut. Die bezeichnen es als „demokratisch“, wenn – wie hier bei unserem Kreis – alle Galerien mehr oder weniger die gleichen Voraussetzungen haben. Das kommt sehr gut an. Aber man kann diese Hallensituation nicht mit unserem früheren Standort in einer ehemaligen Brauerei mit vielen verschiedenen Räumen vergleichen. Es ist noch nicht entschieden, wo wir langfristig sein werden. Hier auf dem Messegelände sind wir die letzten zwei Jahre aufgrund der Pandemie.

          Was ist nach der Pandemie anders?

          Man merkt, dass die junge Künstlergeneration die Verunsicherung reflektiert, welche die Pandemie bei ihnen ausgelöst hat. Es geht im Moment sehr viel darum, zu untersuchen, wo man sich selber verortet: irgendwo im Zwischenraum von Realität und Fiktion. An vielen Messeständen sieht man etwas Fragiles, das aber gleichzeitig neue Blickwinkel aufzeigt.

          Liste Art Fair, Messe Basel, bis 19. Juni, Eintritt 20 Franken

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